Praxisbeispiel
Arbeitsgestaltung für eine Transport-Hilfskraft

Wo lag die Herausforderung?

Die Hilfskraft hat eine psychische Erkrankung und eine Herzerkrankung. Er darf deshalb keine Fahrzeuge mehr fahren und ist körperlich sowie psychisch geringer belastbar. Aus diesem Grund konnte er einen Teil seiner Transportarbeiten so nicht weiter ausführen. Damit er mit seinen Aufgaben inhaltlich und zeitlich ausgelastet ist und Belastungen durch den manuellen Transport verringert werden, mussten Anpassungen vorgenommen werden.

Was wurde gemacht?

Er wird schwerpunktmäßig für das Einsammeln von Müll in Müllbeuteln eingesetzt, die er aufgrund ihres Gewichts noch in Rollwagen umfüllen kann. Da er nur noch bestimmten Müll einsammeln kann, musste seine Tour zur Auslastung entsprechend vergrößert werden. Um die Belastungen durch das Schieben und um doppelte Wege aufgrund der Anzahl der vollen Rollwagen zu vermeiden, wird ein Elektro-Gehschlepper zum Anhängen der Rollwagen bzw. Transport eingesetzt.

Die behinderungsgerechte Gestaltung durch den Einsatz des Elektroschleppers wurde vom Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- beziehungsweise Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummer der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter.

Unternehmen:

Es handelt sich um ein Klinikum mit rund 3.600 Beschäftigten, zu dem 40 Fachkliniken sowie Institute und eine medizinische Berufsschule gehören. Vom Klinikum werden die Einwohner der Stadt und aus der Region medizinisch versorgt.

Behinderung und Beeinträchtigung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine psychische Erkrankung und eine Herzerkrankung, auf deren Grund er täglich Medikamente einnehmen muss. Er darf deshalb keine Fahrzeuge mehr fahren. Außerdem ist er körperlich und psychisch geringer belastbar. Er sollte deshalb keine schweren Lasten manuell transportieren bzw. sie nicht heben, tragen, schieben oder ziehen. In Bezug auf seine psychische Belastbarkeit sollte er bestimmte Situationen vermeiden, die seine psychische Stabilität beeinflussen, wie beispielsweise den direkten Kontakt beim Transport von kranken Personen beim Schieben ihrer Krankenhausbetten zur Untersuchung oder zum OP. Sein Grad der Behinderung (GdB) beträgt 80.

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter ist seit einigen Jahren als Hilfskraft im Logistikbereich des Klinikums tätig.

Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation:

Die 80 Beschäftigten des Logistikbereichs versorgen das Klinikum mit all den Materialien und Utensilien, die für den Klinikbetrieb auf den Stationen, in den Untersuchungsräumen und in den Operationsräumen benötigt werden. Dazu gehört auch der Transport von Patientinnen und Patienten in ihren Krankenbetten oder Rollstühlen zu Untersuchungen oder zur OP sowie der Abtransport von beispielsweise Wäsche oder Müll. Da der Mitarbeiter behinderungsbedingt nicht für den Transport der Patientinnen und Patienten und auch nicht für die Nutzung von motorisierten Transportfahrzeugen eingesetzt werden kann, übernimmt er schwerpunktmäßig das Einsammeln des Mülls und dessen Transport zur zentralen Müllsammelstelle mittels Rollwagen. Damit er entsprechend ausgelastet ist, sind seine Tour und die von ihm zurückzulegenden Wege größer. Die Tour ist auch deshalb größer, da nur bestimmter Müll von ihm eingesammelt werden kann, der nicht zu groß und schwer für das Umfüllen in die Rollwagen sein darf. Es handelt sich deshalb überwiegend um Müll in Müllbeuteln. Größere Steigungen beim Schieben der Rollwagen kommen auf seiner Tour nicht vor. Über eine App kann die Tour auch täglich individuell von der Führungskraft angepasst und vom Mitarbeiter über sein Smartphone aufgerufen werden. Um die Belastungen durch das Schieben und Ziehen der Rollwagen weiter zu reduzieren und um das doppelte Gehen von Wegen aufgrund zu vieler voller Rollwagen zu vermeiden, wird ein Elektro-Gehschlepper mit Hupe als Warnsignal, Notausschalter und automatischer Stoppfunktion beim Loslassen des Griffs eingesetzt. Der Schlepper kann über einen verstellbaren Klemmhaken an die verschiedenen Rollwagen zum Transport gekoppelt werden. Um das doppelte Gehen von Wegen zu vermeiden, können auch mehrere Rollwagen an den Schlepper angehängt werden. Das maximal zu ziehende Gewicht beträgt dabei 1.000 Kilogramm. Neben dem Akku im Schlepper gibt es einen Ersatzakku in der Ladestation. Je nach Höhe des zu ziehenden Gewichts beträgt die Einsatzzeit für eine Akkuladung vier bis fünf Stunden, sodass der Mitarbeiter den Akku einmal am Tag wechseln muss.

Eingesetzte Hilfsmittel – Anzeigen der Produkte:

kraftbetriebene industrielle Mitfahrer-Transportfahrzeuge (Schlepper)

ICF-Items

Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schieben/Drücken
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ELA - Heben
  • ELA - Schieben/Ziehen dynamisch
  • ELA - Tragen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Schieben/Ziehen
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Ausdauer (psychisch)
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Schieben/Ziehen
  • IMBA - Tragen
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Verantwortung
  • MELBA - Ausdauer (psychisch)
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Verantwortung

Referenznummer:

Pb/111327


Informationsstand: 04.11.2025