Inhalt

Praxisbeispiel
Berufliche Teilhabe für eine Staatsanwältin

Wo lag die Herausforderung?

Die Staatsanwältin hat eine Körpergröße von 1,12 Meter. Ihr Greifraum, ihr Fußraum sowie ihre Mobilität sind eingeschränkt. Sie ist für die Fortbewegung auf die Nutzung eines Gehstocks oder Unterarmgehstützen angewiesen. Ihr Arbeitsplatz musste mit entsprechenden Hilfsmitteln ausgestattet und das Erreichen des Arbeitsplatzes ermöglicht werden.

Was wurde gemacht?

Den täglichen Arbeitsweg legt die Staatsanwältin mit ihrem Kfz mit Automatikgetriebe und elektrisch verstellbaren Außenspiegeln zurück, das entsprechend weiter behinderungsgerecht angepasst wurde. Eine zusätzliche Hilfe ist ihr Assistenzhund. Er wurde speziell für die Situationen ausgebildet, in denen die Frau auf Hilfe angewiesen ist und garantiert ihr somit eine größere Unabhängigkeit. Auch am Arbeitsplatz wurden unter anderem Hilfsmittel zur behinderungsgerechten Gestaltung, wie eine geteilte Kleintastatur, ein spezieller Bürostuhl und ein extra angefertigter Arbeitstisch mit Rondell für Akten, eingesetzt.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung, die Kfz-Anschaffung (zum Teil) und die Kfz-Anpassung wurden vom Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt gefördert. Die Beratung zur Arbeitsgestaltung erfolgte dabei durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- beziehungsweise Inklusionsamtes und die zur Kfz-Anpassung durch das fahrzeugumrüstende Unternehmen.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter und von fahrzeugumrüstenden Unternehmen.

Unternehmen:

Es handelt sich um das Justizministerium eines Bundeslandes bzw. die dortige Generalstaatsanwaltschaft.

Behinderung und Beeinträchtigung der Mitarbeiterin:

Die Frau ist kleinwüchsig und hat eine Körpergröße von 1,12 Meter. Ihre Körpermaße sind verkleinert und ihr Greifraum / Fußraum sowie ihre Mobilität sind eingeschränkt. Sie ist für die Fortbewegung auf die Nutzung eines Gehstocks oder Unterarmgehstützen angewiesen.

Ausbildung und Beruf:

Nachdem die Frau das Gymnasium mit dem Abitur verlassen hatte, wollte sie zunächst Medizin studieren. Aufgrund ihrer Behinderung hätte sie jedoch keine Zulassung als Ärztin erhalten. Sie entschied sich daher Jura zu studieren. Während des Studiums gab es einige Probleme, so standen beispielsweise die Bücher in den Regalen der Bibliotheken zu hoch und die literaturabhängigen Seminararbeiten waren deshalb nur in Gruppenarbeit möglich. Dabei suchten und gaben die Mitstudierenden ihr die Bücher und sie wertete diese aus. Um die behinderungsbedingten Nachteile zur Erbringung von Studienleistungen auszugleichen, stellte das Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt der Studentin für Hausarbeiten eine Studienassistenz zur Verfügung und die Universität beziehungsweise das Prüfungsamt bewilligte jeweils die Verlängerung der Bearbeitungszeit bei Hausarbeiten, Klausuren und den schriftlichen Examensprüfungen. Nach dem Studium beziehungsweise ersten Staatsexamen wechselte sie in das Referendariat, im Rahmen dessen sie unter anderem bei einer Staatsanwaltschaft tätig war. Dort arbeitete sie unter anderem Anklageschriften sowie Strafbefehle aus und hielt Plädoyers vor Gericht. Bei den Plädoyers trug sie einen schwarzen Anzug statt einer Robe, da es diese in so kurzer Form nicht gab. Sie schloss schließlich ihr Referendariat erfolgreich ab und arbeitet seitdem als Staatsanwältin.
In REHADAT finden Sie auch spezielle Beratungsstellen für Studierende mit Behinderungen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Die Staatsanwältin arbeitet zum größten Teil an einem an ihre Bedürfnisse beziehungsweise behinderungsgerecht angepassten Arbeitsplatz in einem Büro. Der niedrige Bürostuhl an ihrem Bildschirmarbeitsplatz verfügt über breite gepolsterte Armstützen und eine verkürzte Sitzfläche. Die niedrige Höhe des Bürostuhls ermöglicht ein einfaches Setzen / Aufstehen und die verkürzte Sitzfläche ein normales Anwinkeln der Beine sowie Abstützen der Füße auf den Boden. Zum Computer auf dem Arbeitstisch gehört eine spezielle geteilte Kleintastatur, die im eingeschränkten Greifraum ohne Schwierigkeiten genutzt werden kann. Die für die Fallbearbeitung erforderlichen Akten bzw. Hefter sowie Ordner werden von ihr angefordert und von Justizfachwirtinnen oder -wirten zu ihr ins Büro gebracht und dort auf einem speziell angefertigten Arbeitstisch mit einem Rondell (Drehtisch) abgelegt. Per Knopfdruck kann die Staatsanwältin die Drehbewegung des Arbeitstisches elektromotorisch starten und die entsprechende Akte zur Sichtung vor sich positionieren. Dies hat den Vorteil, dass sie sich nicht über den Arbeitstisch beugen oder auf eine Leiter an einem Regal steigen muss, um an Akten zu gelangen.
Eine zusätzliche Hilfe ist ihr Assistenzhund. Er wurde speziell für die Situationen ausgebildet, in denen die Frau auf Hilfe angewiesen ist und garantiert ihr somit eine größere Unabhängigkeit. Er hilft ihr zum Beispiel beim Aufheben der Unterarmgehstütze oder von Kleinstgegenständen (Kugelschreiber, Blatt Papier usw.) vom Boden.
Einen weiteren Teil Ihrer Arbeitszeit verbringt die Staatsanwältin im Gerichtssaal. Vor Gericht beziehungsweise während der Verhandlungen trägt die Staatsanwältin eine maßgeschneiderte Robe. Im Gerichtsaal benutzt die Staatsanwältin bei den zum Teil längeren Verhandlungen einen speziell wendigen Elektro-Rollstuhl mit Sitzlift und Fußstütze.

Arbeitsumgebung - Mobilität:

Den täglichen Arbeitsweg legt die Staatsanwältin mit ihrem Kfz mit Automatikgetriebe und elektrisch verstellbaren Außenspiegeln zurück. Es wurde zusätzlich zur behinderungsgerechten Anpassung mit:
- einem angepassten Fahrzeugsitz mit einer elektrisch stufenlosen 6-Wege-Sitzverstellung (Höhen- und Neigungsverstellung, vor und zurück),
- einem kleinen Sport-Lenkrad mit Tasten zur Bedienung der Sekundärfunktionen (Blinker, Scheibenwischer, Hupe und Licht),
- einer modifizierten Servolenkung zur Bedienung von einer Person mit geringer Armkraft,
- Pedalverlängerungen zur Betätigung von Gas sowie Bremse,
- einer Bremskraftverstärkung zum leichteren Bremsen,
- einer Verlängerung zur Betätigung der Handbremse sowie des Automatikwahlhebels,
- einem größeren Rückspiegel zum Ausgleich des eingeschränkten rückwärtigen Blickfeldes und
- einer Standheizung, damit kein Schnee sowie Eis von den Scheiben entfernt werden muss, ausgestattet.
Zusätzlich verfügt das Fahrzeug über eine Verladehilfe (elektrischer Kran), mit dem sie ihr Dreirad ein- und ausladen kann. Für das Führen des Autos wurden entsprechende Auflagen von der Führerscheinstelle und dem TÜV gemacht.
In REHADAT finden Sie auch Informationen zu den Themen Führerschein und Fahrerlaubnisverordnung sowie Fahrschulen für Menschen mit Behinderungen.
Die Staatsanwältin parkt auf einem für sie reservierten Stellplatz in der Nähe zum Eingang. Der Eingang des Gebäudes der Staatsanwaltschaft ist ebenerdig und ihr Büro im 3. Stock erreicht sie mit dem Aufzug. Die Türen auf dem Weg zu ihrem Büro kann sie selbst oder ihr Assistenzhund öffnen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

Schlagworte

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Handkoordination (rechts/links)
  • EFL - Handumwendebewegungen (rechts/links)
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Steigen (Leiter/Treppe)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Dreipunktgriff
  • ERGOS - Fingergeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgreifkraft
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Schlüsselgreifkraft
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • ERGOS - Treppensteigen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Feinmotorik (Hand- und Fingergeschicklichkeit)
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Hand-/Fingerbewegungen
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Klima
  • IMBA - Licht
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Tragen
  • MELBA - Feinmotorik

Referenznummer:

Pb/110700


Informationsstand: 04.08.2022