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Praxisbeispiel
Ausbildung zur Fachpraktikerin Küche mit Nachteilsausgleich

Wo lag die Herausforderung?

Die Frau hat eine Dyskalkulie, wodurch sie große Schwierigkeiten beim Verstehen und Anwenden einfachster Mathematik hat. Sie benötigt entsprechende Förderung und Stützunterricht, um ihre Ausbildung mit Fachpraktikerregelung beginnen und abschließen zu können.

Was wurde gemacht?

Die Frau absolvierte nach ihrem Hauptschulabschluss ein Begrufsgrundbildungsjahr im Bereich Ernährung und Hauswirtschaft an einem Berufskolleg. Im Anschluss beginnt sie ein Praktikum in einer Küche. Nachdem sie den Antrag auf Teilhabe am Arbeitsleben erfolgreich stelle, begann sie im Anschluss an das Praktikum eine elfmonatige BvB-Reha. Dort entscheidet sie sich, nachdem sie verschiedene Bildungsbereiche vorgestellt bekam, für eine Ausbildung im Bereich "Hotel und Gaststätten/Hauswirtschaft" und schließt diese erfolgreich ab. Im darauf folgenden Frühjahr beginnt die Frau eine Reha-Ausbildung zur "Fachpraktikerin Küche". Während ihrer Ausbildungszeit wurde die Frau sonderpädagogisch betreut und erhielt für ihre Abschlussprüfung einen Nachteilsausgleich in Form einer verlängerten Prüfungszeit.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Bildungseinrichtung informierte die Frau über mögliche Formen der Berufsvorbereitung und Ausbildung. Während der Teilnahme an einer Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme und Ausbildung zur Fachpraktikerin Küche, wurde sie speziell unterstützt und begleitet durch das Fachpersonal der Bildungseinrichtung. Die Förderung der Berufsvorbereitung und der Ausbildung erfolgte durch die Agentur für Arbeit. Die Agentur für Arbeit zahlte der Frau außerdem im Rahmen der Ausbildung ein Ausbildungsgeld.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Arbeitsagenturen und von Einrichtungen zur beruflichen Rehabilitation, wo Menschen mit Behinderung u. a. eine Erst-Ausbildung absolvieren können.

Unternehmen:

Das Bildungsunternehmen bietet u. a. speziell Berufsvorbereitungen, Ausbildungen und Qualifizierungsbausteine für Menschen mit Behinderungen an.

Behinderung und Beeinträchtigung der Frau:

Die Frau hat eine Lernbeeinträchtigung mit Schwerpunkt Dyskalkulie, wodurch sie Schwierigkeiten beim Verstehen und Anwenden von Mathematik in der Schule, der Ausbildung und im Alltag hat. Sie benötigt deshalb eine spezielle Förderung und Unterstützung, um ihre Beeinträchtigung zu verringern bzw. auszugleichen.

Übergang Schule - Ausbildung:

Die Diagnose der Dyskalkulie erhielt die Frau bereits während ihrer Schulzeit - allerdings wurde zu dieser Zeit noch kein Förderbedarf festgestellt und ihr entsprechend kein Förderunterricht angeboten. Den Wunsch Erzieherin oder Tierpflegerin zu werden, musste die Frau aufgrund der Ortsgebundenheit aufgeben, da sich in der Nähe keine entsprechenden Ausbildungsstätten befanden und sie somit gezwungenermaßen ihr Elternhaus hätte verlassen müssen, wofür sie sich nicht bereit fühlte. Der Frau gelang es trotz der Dyskalkulie die Schule mit einem Hauptschulabschluss abzuschließen und begann im Anschluss ein Berufsgrundbildungsjahr im Bereich Ernährung und Hauswirtschaft an einem Berufskolleg, bei dem ihr Förderbedarf besonders deutlich wird. Das Berufskolleg gehört dabei zu einem Verein, der speziell Jugendliche und Menschen mit Behinderung unterstützt. Die Frau nahm im Anschluss mit ihrer Mutter, die auch ihre gesetzliche Betreuerin ist, an Beratungsgesprächen beim Bildungsunternehmen teil und wurde über die Möglichkeit einer Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) speziell als Maßnahmen zur beruflichen Reha informiert, welche sie zunächst nicht überzeugte und so begann sie stattdessen ein Praktikum in der Küche des Bildungsunternehmens. Da die während des Praktikums zuständigen pädagogischen Fachkräfte eine BvB befürworten und die Alternative eine Unterbringung in einem Berufsbildungswerk mit Internat gewesen wäre, was für die Frau aufgrund des Verlassens des Elternhauses nicht annehmbar war, nahm sie letztendlich nach einer Eignungsprüfung an einer elfmonatigen BvB teil. Zuvor stellte sie einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bei der Agentur für Arbeit. Im Anschluss fand eine entsprechende Untersuchung bei einem Fachdienst der Agentur für Arbeit bzw. beim Berufspsychologischen Service satt, welcher nun offiziell die Lernbeeinträchtigung durch Dyskalkulie feststellte und aufgrund dessen sie auch als Rehabilitandin von der Agentur anerkannt wurde. In der BvB lernte sie die Arbeitsfelder Verkauf, Floristik und Hauswirtschaft kennen. Eine Ausbildungsvorbereitung im Bereich Floristik zeichnete sich allerdings schnell als nicht möglich ab. Unter anderem aufgrund der Perspektive später in einer Kita arbeiten zu können und aufgrund des bereits absolvierten Praktikums im Bereich Küche, entschied sich die Frau dann für die BvB im Bereich Hotel und Gaststätten / Hauswirtschaft und schließt diese erfolgreich ab. Im darauffolgenden Frühjahr begann die Frau dann eine Ausbildung zur Fachpraktikerin Küche bei der Bildungseinrichtung.

Ausbildung:

Vor Beginn der Ausbildung bei der Bildungseinrichtung musste die Frau einen Einstellungstest und ein offizielles Vorstellungsgespräch absolvieren. Nach erfolgreichem Abschluss begann sie ihre Ausbildung zur Fachpraktikerin Küche. Während der Ausbildung zeichnete sich eine gute schulische Entwicklung ab und so erreichte sie, unter anderem durch einen entsprechenden Stützunterricht, einen Dreier-Durchschnitt - auch in Mathematik. Speziell für die praktische Abschlussprüfung beantragte sie eine Zeitverlängerung als Nachteilsausgleich zur Prüfungsmodifikation bei der zuständigen Kammer, welcher ohne Weiteres bewilligt wurde. Die Frau schloss ihre Ausbildung erfolgreich ab und bekam im Folgejahr eine Anstellung in der Küche eines Seniorenheims, bei welchem sie ebenfalls vorher ein Praktikum absolviert hatte.

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Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • IMBA - Lernen/Merken
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  • MELBA - Lernen/Merken
  • MELBA - Rechnen

Referenznummer:

PB/111140


Informationsstand: 11.11.2021