Direkt zum Inhalt

Praxisbeispiel
Über das Budget für Ausbildung und das Budget für Arbeit zur Anstellung als Verkäufer

Wo lag die Herausforderung?

Der Jugendliche hat Autismus und eine Lernbeeinträchtigung. Deshalb benötigt er beim Erlernen neuer Aufgaben Unterstützung und mehr Zeit. Außerdem benötigt er klare Vorgaben und strukturierte Arbeitsabläufe. Für ihn wurde eine Alternative zur Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) gesucht.

Was wurde gemacht?

Mit Hilfe des Budgets für Ausbildung, der Unterstützung durch einen Fachdienst, Jobcoaching und strukturierte Abläufe während der Ausbildung in einem Bioladen sowie Unterstützung bei der Aufbereitung relevanter Themen sowie beim Umgang mit schwierigen Situationen und durch eine begleitende Schulassistenz in der Berufsschule konnte der Jugendliche die Ausbildung erfolgreich abschließen. Danach konnte er über ein Praktikum in Verbindung mit einem Jobcoaching bei einer Filiale einer Supermarktkette beruflich Fuß fassen und wurde nach dem Praktikum fest eingestellt. Er ist dort in einem für ihn festgelegten, gut strukturierten Bereich der Getränkeabteilung tätig.

Mit Hilfe des Budgets für Ausbildung konnte der Jugendliche, der ansonsten eine Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) ausgeübt hätte, eine reguläre Erstausbildung zum Verkäufer absolvieren. Die Förderung des Budgets für Ausbildung erfolgte durch die Arbeitsagentur.
Unterstützt wurde er durch einen speziellen Fachdienst einer Einrichtung zur Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Autismus. Der Übergang zur Anstellung beim Supermarkt sowie die Ausbildung wurden durch einen Jobcoach begleitet. Der Supermarkt erhält über das Budget für Arbeit einen Lohnkostenzuschuss. Die Förderung durch das Budget für Arbeit erfolgt über den Träger der Eingliederungshilfe im betreffenden Bundesland.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrationsfachdienste und Arbeitsagenturen.

Unternehmen:

Es handelt sich um eine kleinere Filiale einer Supermarktkette, die einen Jugendlichen mit Schwerbehinderung neu eingestellt hat.

Kommentar des Filialleiters:
Er ist bei der Kundschaft sowie bei den Kolleginnen und Kollegen sehr beliebt und übernimmt viele Tätigkeiten, die sonst von anderen erledigt werden müssten oder liegen bleiben würden. Er arbeitet dabei sehr sauber, ordentlich und gewissenhaft.

Behinderung und Beeinträchtigung des Mitarbeiters:

Der Jugendliche hat eine Störung aus dem Autismus-Spektrum, eine Lernbeeinträchtigung und eine Hörbehinderung. Zur Kompensation der Höreinschränkungen nutzt er Hörgeräte. Durch seine Lernbeeinträchtigung ist das Erlernen von neuen und komplexeren Inhalten und Aufgaben beeinträchtigt. Er benötigt deshalb mehr Zeit dafür und eine entsprechende Unterstützung. In Bezug auf seine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) kann er Reize und Informationen nicht filtern, sodass diese in Situationen mit vielen Reizen und Informationen von ihm als gleichwertig relevant wahrgenommen werden. Eine Ableitung von Vorgehensweisen und Abläufen wird dadurch erschwert. Er benötigt deshalb klare und strukturierte Vorgaben zum Ablauf von Aufgaben. Zusätzlich kommt es durch ASS auch zu Einschränkungen im sozialen Bereich, beispielsweise beim Verstehen und Einhalten sozialer Regeln, beim Körper- und Blickkontakt sowie beim Deuten von Emotionen.

Ausbildung und Beruf:

Der Jugendliche absolvierte über das Budget für Ausbildung mithilfe einer Einrichtung zur Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Autismus, die über einen speziellen Fachdienst verfügt, eine Ausbildung zum Verkäufer im Einzelhandel in Teilzeit, um die Belastungen für ihn zu reduzieren. Den betrieblichen Teil seiner Ausbildung absolvierte er zunächst in einem Geschäft, das sich auf den Verkauf von unverpackter Ware spezialisiert hatte. Aufgrund der Insolvenz dieses Geschäfts wurde er an einen Bioladen vermittelt, wo er mit Unterstützung des Fachdienstes bzw. eines Jobcoaches den Rest seiner Ausbildung absolvierte. Besonders die positive Aufnahme im Team des Bioladens, das gute Betriebsklima und die gut strukturierten Abläufe begünstigten den betrieblichen Teil der Ausbildung zusätzlich. Begleitend zum theoretischen Teil der Ausbildung in der Berufsschule nahm er wöchentlich an mehrstündigen Nachhilfestunden teil. Er erhielt Unterstützung bei der Aufbereitung relevanter Themen, beim Umgang mit schwierigen Situationen und durch eine begleitende Schulassistenz. Nach der Ausbildung kam es über den Kontakt einer Mitarbeiterin der Einrichtung zur Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Autismus zum Filialleiter des Supermarktes zunächst zu einem Praktikum. Während des Praktikums wurde der Jugendliche bereits durch ein Jobcoaching auf seine Aufgaben im Supermarkt vorbereitet. Auch die Kolleginnen und Kollegen sowie die Filialleitung wurden im Rahmen des Praktikums über die Besonderheiten in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Menschen mit einer Störung aus dem Autismus-Spektrum informiert. Nach dem Praktikum wurde der Jugendliche fest angestellt.

Kommentar des Mitarbeiters:

Die Arbeit macht mir viel Spaß. Ich freue mich, zur Arbeit zu gehen – weil auch der kollegiale Zusammenhalt gut ist.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Verkäufer arbeitet überwiegend im kleineren Supermarkt im Getränkebereich. Dazu holt er die Getränke mit einem Gabelhubwagen aus dem Lager und stellt sie in die Regale. Er unterstützt die Kundschaft auch bei der Suche nach Waren und bei sonstigen Fragen in seinem Arbeitsbereich. Zudem hilft er im Schnellbackbereich des Supermarktes aus. Dort nimmt er die fertig gebackenen Backwaren aus dem Ofen und räumt sie in die Regale ein.
In der Getränkeabteilung ist es ruhiger, was zu weniger ablenkenden Reizen führt. Generell kommt die Größe des Supermarkts dem Anspruch auf weniger Reize entgegen, da hier der Publikumsverkehr nicht so stark ist.

ICF-Items

Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Kontaktfähigkeit
  • IMBA - Kritikfähigkeit
  • IMBA - Kritisierbarkeit
  • IMBA - Lernen/Merken
  • IMBA - Misserfolgstoleranz
  • IMBA - Ordnungsbereitschaft
  • IMBA - Selbständigkeit
  • IMBA - Teamarbeit
  • IMBA - Umstellung
  • MELBA - Kontaktfähigkeit
  • MELBA - Kritikfähigkeit
  • MELBA - Kritisierbarkeit
  • MELBA - Lernen/Merken
  • MELBA - Misserfolgstoleranz
  • MELBA - Ordnungsbereitschaft
  • MELBA - Selbständigkeit
  • MELBA - Teamarbeit
  • MELBA - Umstellung

Referenznummer:

Pb/111346


Informationsstand: 08.06.2026