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Praxisbeispiel
Betriebliches Eingliederungsmanagement für einen Meister in der Lackiererei

Wo lag die Herausforderung?

Der Meister hatte einen Herzinfarkt, wodurch er einige Zeit ausfiel und körperlich sowie psychisch geringer belastbar ist. An seinem Arbeitsplatz mussten entsprechende Anpassungen zur Reduzierung der Belastungen u. a. durch Zeitdruck und Stress durchgeführt werden.

Was wurde gemacht?

Zum einen wurde der Meister nach seinem Herzinfarkt langsam und stufenweise wieder an seine Arbeit und Aufgaben herangeführt, zum anderen brachte man Struktur in seinen Arbeitstag durch die Übernahme von vorher planbaren Aufgaben und der Vermeidung von Zuständigkeiten zur Beseitigung von auftretenden Störungen, die eigentlich immer sofort behoben werden müssen. Der Meister konnte so seine Tätigkeit weiter im Unternehmen ausüben.

Schlagworte und weitere Informationen

Nach dem SGB IX § 167 Abs. 3 können die Rehabilitationsträger (z. B. Rentenversicherungsträger und Berufsgenossenschaften) und die Integrations- bzw. Inklusionsämter Unternehmen, die ein Betriebliches Eingliederungsmanagement einführen, durch Prämien oder einen Bonus fördern.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nr. der Integrations- bzw. Inklusionsämter, der Deutschen Rentenversicherung und der Berufsgenossenschaften.

Unternehmen:

Die Ford-Werke haben in Deutschland ihren Stammsitz in Köln. Die europäische Zentrale des Unternehmens befindet sich ebenfalls in Köln, wo sich neben der Hauptverwaltung auch noch die Fahrzeugfertigung für den Ford Fiesta, das Entwicklungszentrum, die Produktion beispielsweise von Motoren sowie Getrieben und das europäische Ersatzteillager befinden. Die Ford-Werke beschäftigen in Köln über 15.000 und in Deutschland mehr als 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus mehr als 90 Nationen. In Europa beschäftigt Ford rund 42.000 Beschäftigte, inklusive der Joint Ventures und unabhängigen Tochterunternehmen 55.000. Das Unternehmen fertigt in vielen Produktionsstätten in Europa - zum Teil mit Joint Ventures - Personenkraftwagen, Nutzfahrzeuge, Motoren und Getriebe.

Behinderung und Beeinträchtigung des Mitarbeiters:

Der Mann hat als Folge eines Herzinfarktes eine Herz-Kreislauferkrankung. Er ist durch seine Erkrankung nur eingeschränkt körperlich und psychisch (Stress usw.) belastbar.

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter ist Meister in der Instandhaltung innerhalb der Lackiererei.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Zu den Aufgaben des Meisters in der Lackiererei gehört die planmäßige Überwachung der Anlagen, aber auch kurzfristige Einsätze, wie sie durch unvorhersehbar auftretende technische Störungen oder andere Ereignisse verursacht werden können. Diese erfolgen naturgemäß unter hohem Zeitdruck und Stress, da in jedem Fall Produktionsverluste vermieden werden sollen.
Als Folge des Herzinfarktes sowie der anschließenden mehrwöchigen medizinischen Rehabilitation war der Meister nach seiner Rückkehr an seinen alten Arbeitsplatz nicht sofort und ohne weiteres wieder zu 100 Prozent einsetzbar.
Zwei voneinander unabhängige Maßnahmen wurden durch das zuständige Integrationsteam beschlossen und durchgeführt, um den Meister wieder an den alten Arbeitsplatz zu integrieren. Zum einen wurde er behutsam im Rahmen einer stufenweisen Wiedereingliederung ("Hamburger Modell") an seine volle tägliche Arbeitszeit herangeführt. Zum anderen wurden die Arbeitsinhalte so umgestaltet (in Absprache mit den betrieblichen Vorgesetzten), dass der Anteil an planbaren Tätigkeiten im Vergleich zu den kurzfristigen Tätigkeiten (sog. "Feuerwehreinsätze") deutlich stieg. Nach Abschluss der sechswöchigen stufenweisen Wiedereingliederung, bei welcher die tägliche Arbeitszeit von zwei bis auf sechs Stunden gesteigert wurde, arbeitet der Mitarbeiter wieder zu 100 Prozent auf seinem alten Arbeitsplatz. Die Begleitung des Arbeitseinsatzes auch nach Beendigung der stufenweisen Wiedereingliederung durch das Integrationsteam ließ bis heute keine weiteren Schwierigkeiten erkennen.
Weitere Informationen zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement bei Ford finden Sie hier.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Ausdauer (psychisch)
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Verantwortung
  • MELBA - Ausdauer (psychisch)
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Verantwortung

Referenznummer:

R/PB5393


Informationsstand: 20.04.2022