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Praxisbeispiel
Umschulung eines Chemiefacharbeiters in einem Berufsförderungswerk

Wo lag die Herausforderung?

Durch einen Arbeitsunfall erblindete der Chemiefacharbeiter. Er ist dadurch nicht mehr fähig optische Informationen zu erfassen und konnte deshalb nicht weiter in seinem alten Job arbeiten.

Was wurde gemacht?

Durch die Betreuung der zuständigen Berufsgenossenschaft kam er früh in Kontakt mit einem Berufsförderungswerk (BFW). Dort erlernte er die Brailleschrift, den Umgang mit Blindenhilfsmitteln und die für ihn möglichen Varianten einer Umschulung kennen. Der Mann entschied sich für eine Umschulung zum Masseur und medizinischen Bademeister und absolvierte diese erfolgreich beim BFW. Nach einer anschließenden Beschäftigung in einer Massagepraxis war er einige Zeit arbeitslos, bis er von einem Krankenhaus eingestellt wurde.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Umschulung wurde von der Berufsgenossenschaft gefördert, da es sich um einen Arbeitsunfall handelte. Ein Reha-Manager der Berufsgenossenschaft begleitete die medizinische Rehabilitation und die Wiedereingliederung des Mannes ins Arbeitsleben im Rahmen der beruflichen Rehabilitation.
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Telefonnummer der Berufsgenossenschaften.

Unternehmen:

Das Unternehmen ist ein Krankenhaus, das zu einem Gesundheitskonzern gehört.

Behinderung und Beeinträchtigung des Mitarbeiters:

Der Mann ist blind. Er erblindete durch einen Arbeitsunfall, bei dem eine heiße, ätzende Flüssigkeit seine Sehfähigkeit völlig zerstörte. Auch eine spätere Hornhauttransplantation ändert das nicht. Der Mann ist behinderungsbedingt nicht fähig optische Informationen zu erfassen. Optische Informationen müssen daher so umgewandelt werden, dass sie von dem Mann taktil oder akustisch wahrgenommen werden können. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100. Der Schwerbehindertenausweis beinhaltet die Merkzeichen B, Bl, H und RF.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann war als Chemiefacharbeiter tätig und oft mit Reparaturarbeiten beschäftigt, wobei auch sein folgenschwerer Arbeitsunfall auftrat. Durch eine Vermittlung, der durch den Arbeitsunfall zuständigen Berufsgenossenschaft, fand der Mann frühzeitig Kontakt zu einem Berufsförderungswerk (BFW) für sehbehinderte und blinde Menschen. Er erhielt dort psychologischen Rat und erste Hinweise auf Hilfen für das Alltagsleben. In einer Berufsfindungsmaßnahme lernte er die Umschulungsberufe für Menschen mit Blindheit in Theorie und Praxis kennen. Schließlich entschied er sich für die Umschulung bzw. Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister. Wenige Monate später startete er mit einem Vorkurs. Nach vier Wochen konnte er ihn mit Erfolg abschließen. In der folgenden blindentechnischen Grundausbildung erlernte der Mann die Brailleschrift, das Maschinenschreiben und den Umgang mit Blindenhilfsmitteln. In der anschließenden Masseurvorschulung bereitete er sich mit gutem Erfolg auf die nachfolgende Umschulung vor. Die Umschulung absolvierte er an einer Rehabilitations- und Ausbildungsstätte für Massage. Nach dem 18-monatigen Berufspraktikum war er ein halbes Jahr lang arbeitslos. Danach war er zwei Jahre lang in einer privaten Massagepraxis tätig. Seither ist er als Masseur und medizinischer Bademeister beim Krankenhaus beschäftigt.

Arbeitsumgebung:

Der Mann wurde in einem Mobilitätstraining geschult seinen Arbeitsweg selbständig mit Hilfe eines Langstockes zu bewältigen. Durch das Mobilitätstraining wurde auch seine persönliche Selbständigkeit weiter gesteigert.
Er selbst ist sehr stolz darauf, dass er den täglichen Arbeitsweg ohne fremde Hilfe mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt und sich nicht nur in der Bäderabteilung des Krankenhauses, sondern auch auf den Stationen ohne Hilfe orientieren kann.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • ERGOS - Sehen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Lesen
  • IMBA - Schreiben
  • IMBA - Sehen
  • MELBA - Lesen
  • MELBA - Schreiben

Referenznummer:

R/PB1752


Informationsstand: 14.12.2021