Praxisbeispiel
Wo lag die Herausforderung?
Behinderungsbedingt müssen für den Sachbearbeiter optische Informationen so umgewandelt werden, dass er sie taktil mit den Fingern oder akustisch wahrnehmen kann. Sein Büroarbeitsplatz musste deshalb mit entsprechenden Hilfsmitteln ausgestattet werden. Aufgrund einer zusätzlichen Erkrankung kam es außerdem zu einem längeren Arbeitsausfall. Es wurde deshalb nach einer Möglichkeit gesucht, die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu unterstützen.Was wurde gemacht?
Der Büroarbeitsplatz wurde zur behinderungsgerechten Gestaltung mit folgenden Hilfsmitteln ausgestattet:- einer Braillezeile
- einem Screenreader
- einem Kopfhörer
- einem Scanner mit OCR-Texterkennung
- einem Brailledrucker in einem Schallschutzwagen
Die zur Neueinstellung erforderlichen Hilfsmittel zur Kompensation der behinderungsbedingten Einschränkungen und die speziell erforderliche Schulung zur Nutzung der Software (Betriebssystem, Textverarbeitung und E-Mail) wurden von der Arbeitsagentur gefördert. Da der Sachbearbeiter seit mehreren Jahren beim Unternehmen tätig ist und es Updates (Betriebssystem, Textverarbeitung usw.) im Softwarebereich gab, mussten Updates für den Screenreader und erneut Schulungen erfolgen. Die Förderung hierfür sowie den späteren Einsatz des Jobcoaches übernahm das Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Arbeitsagenturen , der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter und von Integrationsfachdiensten.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Arbeitsagenturen , der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter und von Integrationsfachdiensten.
Unternehmen:
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln ist ein eingetragener Verein, dessen Mitglieder Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände sowie große Einzelunternehmen sind. In seinem Wissenschaftsbereich forscht das Institut in elf Kooperationsclustern. Dazu gehören beispielsweise „Arbeitswelt und Tarifpolitik“, „Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte“, „Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte“, „Bildung, Innovation, Migration“, „Digitalisierung und Klima“ sowie „Berufliche Teilhabe und Inklusion“.Im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Befragung „Great Place to Work“ gehört es u. a. mehrfach zu den besten 100 Arbeitgebern in Deutschland.
Behinderung und Beeinträchtigung des Mitarbeiters:
Der Mitarbeiter ist von Geburt an blind. Für ihn müssen optische Informationen deshalb so umgewandelt werden, dass er sie taktil mit den Fingern (z. B. Brailleschrift) oder akustisch wahrnehmen kann. Sein Grad der Behinderung (GdB) beträgt 100.Aufgrund einer weiteren Erkrankung fiel er für längere Zeit beruflich aus. Er nahm an einer medizinischen Reha teil und das Unternehmen schlug ihm ein Betriebliches Eingliederungsmanagement vor.
Ausbildung und Beruf:
Der Mann studierte nach seinem Abitur zunächst Pädagogik, wechselte dann nach zweieinhalb Jahren aber zu einer Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- / Informationsdienste beim Deutschen Rundfunkarchiv. Während der Ausbildung absolvierte er zwei Praktika, bei denen er erste berufliche Erfahrungen im Bereich der Barrierefreiheit zur Kommunikation und Nutzung von Informationen auf elektronischem Weg für Menschen mit Behinderungen sammelte. Zu seinen Aufgaben gehörten dabei zum einen das Testen von Hilfsmitteln bzw. unterstützenden Technologien und zum anderen das Testen der Zugänglich- und Nutzbarkeit eines speziellen Online-Angebotes für Menschen mit einer Sehbehinderung bzw. Blindheit. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung war er eineinhalb Jahre arbeitslos, da die Arbeitsagentur und der Integrationsfachdienst (IFD) ihm keine passenden Stellen vermitteln konnten. Auf einem Kongress lernte er sein künftiges, arbeitgebendes Unternehmen kennen, bei dem er sich nach einigen Gesprächen initiativ bewarb und nach einem Vorstellungsgespräch als Sachbearbeiter innerhalb eines Projektes für Menschen mit Behinderungen zur beruflichen Teilhabe eingestellt wurde.Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM):
Der Mitarbeiter stimmte dem vom Unternehmen vorgeschlagenen BEM zu und gemeinsam wurde nach unterstützenden Maßnahmen für seine Rückkehr an den Arbeitsplatz gesucht. In Abstimmung mit dem behandelnden Arzt wurde dann in einem Eingliederungsplan eine stufenweise Wiedereingliederung vereinbart. Dabei wurden das Arbeitsvolumen und die Arbeitsaufgaben schrittweise über einen bestimmten Zeitraum gesteigert, um die Belastbarkeit zu berücksichtigen.Im Rahmen der stufenweisen Wiedereingliederung wurde auch festgestellt, dass der Mitarbeiter seine alten Arbeitsaufgaben nur noch teilweise übernehmen und nicht mehr in Vollzeit eingesetzt werden konnte. Einige seiner bisherigen Aufgaben, wie die Prüfung auf Barrierefreiheit, die Betreuung des Podcasts und die Interessenvertretung der Beschäftigten, konnte er als Teilzeitkraft weiterhin übernehmen. Zur Strukturierung dieser Aufgaben und speziell für den Bereich Podcast benötigte er jedoch weitere Unterstützung in Form eines Jobcoachings. Der Jobcoach informierte sich in diesem Zusammenhang über den Ablauf der einzelnen Aufgaben. Anschließend erarbeitete er ein auf die Fähigkeiten und Beeinträchtigungen des Mitarbeiters abgestimmtes Konzept. Der Mitarbeiter wurde anschließend entsprechend vor Ort von ihm bei der Arbeitsausführung begleitet und angeleitet.
Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:
Der Sachbearbeiter ist an einem Bildschirmarbeitsplatz in einem Mehrpersonen-Büro tätig. Er ist zuständig für die Prüfung der Online- und Printangebote auf Barrierefreiheit für sehbeeinträchtigte bzw. blinde Personen. Außerdem ist er als Moderator die „Stimme“ des Podcasts bzw. der Podcast-Reihe mit dem Schwerpunkt berufliche Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Zur Ausarbeitung des Podcasts nimmt er an Besprechungen zur Themenfindung und Konzeption teil. Erforderliche Notizen kann er dabei bei Bedarf als Sprachnotizen auf seinem Smartphone festhalten. Die Navigation erfolgt dazu über die Bedienungshilfen für Menschen mit Behinderungen des Smartphones, in diesem Fall über die Funktion „VoiceOver“. Die ausgearbeiteten Fragen für die Personen, die in die Räumlichkeiten des Instituts zum Podcast eingeladen wurden, kann sich der Mitarbeiter an seinem Bildschirmarbeitsplatz aufrufen und anschließend als Moderationshilfe in Braille-Schrift ausdrucken lassen. Diese kann er dann wie Moderationskarten während des Podcasts nutzen.An seinem Bildschirmarbeitsplatz im Büro testet er auch die Online- und Printangebote im PDF-Format auf Barrierefreiheit.
Um sein Laptop am Bildschirmarbeitsplatz im Büro zu bedienen und auf Informationen zuzugreifen, sie wahrzunehmen und auszugeben, werden folgende Hilfsmittel eingesetzt:
- eine Braillezeile,
- ein Screenreader,
- ein Kopfhörer,
- ein Scanner mit OCR-Texterkennung und
- ein Brailledrucker in einem Schallschutzwagen.
Eingehende Post und Dokumente in Papierform scannt der Sachbearbeiter ein und digitalisiert sie. Durch den Einsatz einer OCR-Texterkennung können dann die Inhalte mit Hilfe der Braillezeile und des Screenreaders auch taktil mit den Fingern gelesen oder über die Kopfhörer ausgegeben werden.
In Meetings nutzt er die Diktierfunktion seines Smartphones für die spätere Anfertigung von schriftlichen Protokollen. Sollte er Notizen benötigen (z. B. für Meetings / Besprechungen) so kann er sich diese über den Brailledrucker ausgeben lassen.
Arbeitsorganisation:
Das Unternehmen bietet seinen Beschäftigten die Möglichkeit mobil zu arbeiten. Der Mitarbeiter nutzt dieses Angebot und arbeitet deshalb abwechselnd von zu Hause. Dafür steht ihm ein weiteres Laptop mit einer 40-Zeichen-Braillezeile zur Verfügung. An den Besprechungen an diesen Tagen nimmt er per barrierefreier Videokonferenzsoftware über das Laptop teil.Arbeitsumgebung – Mobilität:
Der Mitarbeiter absolvierte ein Mobilitätstraining, um seinen Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit Hilfe eines Langstockes selbstständig zurückzulegen (Bild 2).Auf Fachmessen nutzt er am Messestand sowie für Dienstreisen auch das Laptop mit der kleineren Braillezeile, das ihm extra für das mobile Arbeiten zur Verfügung steht.
Arbeitsschutz:
Für den Fall einer Evakuierung (z. B. bei Brand) wurde ein Evakuierungsplan mit Partnermodell erstellt. Im Rahmen der Evakuierung begleitet eine festgelegte Person den Sachbearbeiter auf dem Fluchtweg nach draußen zur Sammelstelle. Es gibt mehrere stellvertretende Personen, so dass im Falle einer Erkrankung oder der Abwesenheit durch mobiles Arbeiten immer eine Person anwesend ist. Die Umsetzung des Plans bzw. die Evakuierung wird bei den üblichen Brandschutzübungen mit ihm trainiert.Eingesetzte Hilfsmittel – Anzeigen der Produkte:
TaststöckeTonaufnahme- und -wiedergabegeräte
taktile Displays (Braillezeilen)
Drucker (Brailledrucker)
Software für Ausgabegeräte
Schlagworte
- Arbeitgebende |
- Arbeitnehmende |
- Arbeitsagentur |
- Arbeitsaufgabe |
- Arbeitslosigkeit |
- Arbeitsmittel |
- Arbeitsorganisation |
- Arbeitsplatzgestaltung |
- Arbeitsschutz |
- Arbeitstraining |
- Arbeitsumgebung |
- Arbeitsumgebungsgestaltung |
- Arbeitsweg |
- Auge |
- Ausgabegerät |
- berufliche Rehabilitation |
- Betreuung |
- Betriebliches Eingliederungsmanagement |
- Bildschirm |
- Bildschirmarbeit |
- Bildschirmarbeitsplatz |
- Blindheit |
- Braille |
- Brailledrucker |
- Braillezeile |
- Brand |
- Büro |
- Büroarbeit |
- Büro und Verwaltung |
- Coaching |
- Computer |
- Digitalisierung |
- Diktiergerät |
- Drucker |
- EASTIN |
- Eingabegerät |
- Erwerbstätigkeit |
- Evakuierung |
- Good Practice |
- Hilfsmittel |
- Hilfsmittelportal |
- Informationsabgabe |
- Informationsaufnahme |
- Information und Kommunikation |
- Inklusion |
- Integrationsamt |
- Langstock |
- Lernen und Wissensanwendung |
- Lesen |
- Lohnkostenzuschuss |
- Mobilität |
- Mobilitätstraining |
- Mobilität und Fortbewegung |
- Neueinstellung |
- Notiz |
- Notizgerät |
- öffentlicher Personennahverkehr |
- Organisation |
- Praxisbeispiel |
- Scanner |
- Screenreader |
- Sehen |
- Selbständigkeit |
- Sicherheit |
- Sinnesbehinderung |
- Smartphone |
- Soft Skills und Sozialverhalten |
- Software |
- Sprachausgabe |
- Stufenweise Wiedereingliederung |
- Talentplus |
- Tastatur |
- Teilhabe |
- Teilhabe am Arbeitsleben |
- Texterkennung |
- Texterkennungssoftware |
- Umgebung |
- Verkehrsmittel benutzen |
- Vollzeitarbeit |
- Wiedereingliederung
ICF-Items
- b210 |
- d110 |
- d166 |
- d177 |
- d210 |
- d220 |
- d230 |
- d325 |
- d360 |
- d3601 |
- d450 |
- d4503 |
- d460 |
- d470 |
- d4701 |
- d4702 |
- d570 |
- d5708 |
- d845 |
- d8450 |
- d8451 |
- d850 |
- d8502 |
- d910 |
- d9108 |
- e120 |
- e1201 |
- e125 |
- e1250 |
- e1251 |
- e135 |
- e1351 |
- e330 |
- e335 |
- e360 |
- e530 |
- e5300 |
- e540 |
- e5400 |
- e565 |
- e5650 |
- e570 |
- e5700 |
- e580 |
- e5801 |
- e590 |
- e5900 |
- e5901 |
- e5902 |
- e5908 |
- s220 |
- s2209
Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung
- ERGOS - Sehen
- IMBA - Arbeitssicherheit
- IMBA - Arbeitszeit
- IMBA - Lesen
- IMBA - Sehen
- IMBA - Selbständigkeit
- IMBA - Umstellung
- MELBA - Lesen
- MELBA - Selbständigkeit
- MELBA - Umstellung
Referenznummer:
Pb/110906
Informationsstand: 20.04.2026