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Praxisbeispiel
Arbeitsgestaltung für einen technischen Produktdesigner an einem CAD-Arbeitsplatz

Wo lag die Herausforderung?

Der technische Produktdesigner hat eine Sehbehinderung und konnte die optischen Informationen auf seinem Bildschirm nicht mehr ausreichend wahrnehmen. Aufgrund einer Erkrankung und eines Schlaganfalls, die zu seinen Sehbeeinträchtigungen führten, war er längere Zeit krank. Es wurde nach einem Weg gesucht, ihm die Rückkehr und das Weiterarbeiten in seinem Beruf zu ermöglichen.

Was wurde gemacht?

Im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements fand eine Hilfsmittelerprobung zum Ausgleich der Sehbeeinträchtigung in einem Berufsförderungswerk statt. Die Rückkehr an den Arbeitsplatz erfolgte über eine stufenweise Wiedereingliederung. Er verbringt nun einige Arbeitstage bei reduzierten Arbeitszeiten im Büro und einige im Homeoffice. Nach der Hilfsmittelerprobung wurde sein Arbeitsplatz im Büro und Homeoffice wie folgt ausgestattet:
  • Ein Grafiktablett für den Computer, das im kurzen Sehabstand vor ihm auf dem Arbeitstisch liegt und bei dem er mittels Touchfunktion die Zeichnungen und Werkzeugleisten größer ziehen kann.
  • Pen- und Gestensteuerung zur mauslosen Bedienung bei den CAD-Arbeiten
  • Stehlampe mit indirektem Licht zur besseren Beleuchtung und Vermeidung von Blendung
mobiles Bildschirmlesegerät als elektronische Lupe zum Vergrößern von Inhalten auf Papierdokumenten
Bildschirmvergrößerungssoftware zum Arbeiten am Computer
Großschrift-Kontrasttastatur zur Bedienung und Eingabe am Computer
ortsfeste Positionierungssysteme (Monitorschwenkarme) zur optimalen Positionierung der Bildschirme

Die Hilfsmittel zur behinderungsgerechten Arbeitsgestaltung für das Büro und Homeoffice wurden vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Ein spezielles Berufsförderungswerk für Menschen mit einer Sehbehinderung oder Blindheit beriet dabei und ermöglichte gleichzeitig die Erprobung der Hilfsmittel.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter und von Berufsförderungswerken.

Unternehmen:

Das Unternehmen entwickelt und stellt Kompressoren her.

Behinderung und Beeinträchtigung des Mitarbeiters:

Der Mann hat Diabetes Typ 1, was sich auch auf seine Augen auswirkt und seine Beeinträchtigungen durch einen geschädigten Sehnerv weiter verstärkt. Hinzu kommen weitere Einschränkungen durch einen Schlaganfall, bei dem das Sehzentrum im Gehirn geschädigt wurde. Sein Gesichtsfeld ist deshalb reduziert, wobei das zentrale Sehfeld noch vorhanden ist. Zudem ist seine Sehschärfe verringert, sodass er optische Informationen wie Schrift oder Zeichnungen nur noch mit vergrößernden Hilfsmitteln und bei bestimmten Kontrasten, beispielsweise weiß auf schwarzem Hintergrund, wahrnehmen kann. Sein Grad der Behinderung (GdB) beträgt 90.
Der Mitarbeiter war längere Zeit krank und wird nun im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) stufenweise wieder eingegliedert.

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter ist ausgebildeter Anlagenmechaniker und technischer Produktdesigner mit der Fachrichtung Produktgestaltung und -konstruktion. Er arbeitet beim Unternehmen seit einigen Jahren als technischer Produktdesigner in Vollzeit.

Arbeitsorganisation:

Im Rahmen der stufenweisen Wiedereingliederung soll der Mitarbeiter mit einer Wochenarbeitszeit von 30 Stunden bzw. einer täglichen Arbeitszeit von sechs Stunden an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren. Zur Reduzierung der Belastungen durch den Arbeitsweg soll er an zwei Tagen in der Woche im Homeoffice arbeiten. An den übrigen Tagen arbeitet er dann im Büro.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Mitarbeiter ist an einem Bildschirm- bzw. CAD-Arbeitsplatz tätig. Er gehört zu einem Team mit drei technischen Produktdesignern, die einem Konstrukteur zuarbeiten. Behinderungsbedingt konnte er beispielsweise die Schrift, Zahlen und Menübänder der Softwareprogramme nicht mehr erkennen. Dies galt auch für zusätzlich eingesetzte technische Nachschlagewerke, die digital auf dem Computer aufgerufen und am Monitor angesehen werden können. Um seine behinderungsbedingten Sehbeeinträchtigungen auszugleichen, wurde sein Arbeitsplatz im Büro und Homeoffice mit entsprechenden Hilfsmitteln ausgestattet, die er zuvor in einem speziellen Berufsförderungswerk für Menschen mit einer Sehbehinderung oder Blindheit in einer Hilfsmittelerprobung testen konnte. Danach erhielt er ein Grafiktablett für den Computer, das in einem kurzen Sehabstand vor ihm auf dem Arbeitstisch gelegt werden kann und bei dem er mittels Touchfunktion die Zeichnungen und Werkzeugleisten vergrößern bzw. größer ziehen kann. Das hat den Vorteil, dass das zeitaufwendige Suchen und Finden des Mauszeigers entfällt, da dieser sich durch Antippen der Touch-Oberfläche immer gleich an der richtigen Stelle befindet. Die neu eingerichtete Pen- und Gestensteuerung ermöglicht dabei eine mauslose Bedienung bei den CAD-Arbeiten. Damit wird dann die Hand-Auge-Koordination entlastet. Zusätzlich werden jeweils zwei Großbildschirme eingesetzt, die mittels Monitorschwenkarm im optimalen Sehabstand positioniert werden können. Der Monitorschwenkarm unterstützt dabei gleichzeitig die Einnahme einer ergonomischen Arbeitshaltung vor den Bildschirmen. Die behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung wird zudem durch den Einsatz einer Vergrößerungssoftware ergänzt, die eine individuell gezoomte und kontrastreichere Darstellung der Bildschirminhalte ermöglicht. Die übliche Bedienung des Computers für die sonstigen Arbeiten erfolgt dabei per Maus und Eingaben über eine Großschrift-Kontrasttastatur.
Aufgrund des behinderungsbedingten erhöhten Lichtbedarfs war eine spezielle Arbeitsplatzbeleuchtung erforderlich. Die Deckenbeleuchtung blendete den Mitarbeiter. Aus diesem Grund wird eine Stehleuchte mit indirekter Beleuchtung eingesetzt. Bei der Vergrößerung von Zeichnungen im Papierformat, zum Vergrößern von Inhalten auf Papierdokumenten oder Inhalten von Papierdokumenten bei Besprechungen wird vom Mitarbeiter ein mobiles Bildschirmlesegerät mit ausreichend großem Display als elektronische Lupe genutzt.

Eingesetzte Hilfsmittel – Anzeigen der Produkte:

Lese- und Arbeitslampen
Bildvergrößerungssysteme
Bildschirmvergrößerungssoftware
Tastaturen
ortsfeste Positionierungssysteme (Monitorschwenkarme)

ICF-Items

Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • ERGOS - Sehen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Sehen

Referenznummer:

Pb/111321


Informationsstand: 23.09.2025