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Praxisbeispiel
Arbeitsgestaltung für einen Grundschullehrer

Wo lag die Herausforderung?

Der Grundschullehrer hat als Folge eines Arbeitsunfalls eine Hörbehinderung mit einem beiderseitigen Tinnitus. Deswegen hat er Probleme beim Verstehen der Schülerinnen und Schülern im Unterricht oder der Kolleginnen und Kollegen bei Konferenzen. Auch ein zu hoher Lärmpegel im Klassenraum führt zu erhöhten Belastungen.

Was wurde gemacht?

Der Lehrer reduzierte seine Arbeitszeit auf Teilzeit und unterrichtet nun überwiegend in einem zur Verbesserung der Raumakustik ausgestatteten Klassenzimmer. Zum besseren Verständnis im Klassenzimmer und bei Konferenzen nutzt er eine FM-Anlage in Verbindung mit seinen Hörgeräten. Um die Lärmbelastung weiterhin zu reduzieren, wurde eine Lärmampel im Klassenzimmer angebracht, welche den Schülern ein rotes Licht zeigt, sobald diese zu laut werden.

Schlagworte und weitere Informationen

Die neuen Hörgeräte wurden aufgrund des Arbeitsunfalls im Rahmen der Ersatzbeschaffung von der für Schulen zuständigen Unfallkasse gefördert. Die FM-Anlage, Fernbedienung und Lärmampel wurden später vom Lehrer beim Integrations- bzw. Inklusionsamt beantragt und entsprechend gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch ein Fachgeschäft für Hörakustik und dem Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes. Das Fachgeschäft für Hörakustik übernahm zusätzlich noch den Verkauf und die Einstellung und Abstimmung der Hilfsmittel.
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Tel.-Nr. der Integrations- bzw. Inklusionsämter und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Grundschule, die einer Behörde bzw. dem Träger der kommunalen Schulen unterstellt ist.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Hörbehinderung mit einem beiderseitigen Tinnitus bzw. störenden Ohrgeräuschen, eine Rückenerkrankung und eine Kniegelenkschädigung. Die Hörbehinderung mit zusätzlichem Tinnitus ist Ursache eines Arbeitsunfalls. Zur Verbesserung des Hörvermögens nutzt er Hörgeräte mit Tinnitusmasker, der die störenden Ohrgeräusche durch ein Zweitgeräusch überlagert. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100. Der Schwerbehindertenausweis beinhaltet das Merkzeichen RF.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann hat ein Lehramtsstudium mit anschließendem Referendariat für die Grundschule absolviert. Er arbeitet bzw. unterrichtet 21 Schulstunden auf Teilzeitbasis in den Fächern Sport und Sachkunde.

Arbeitsorganisation:

Zur Verringerung der Belastungen wurde ihm eine Reduzierung der Arbeitszeit um fünf auf 21 Schulstunden genehmigt.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Lehrer unterrichtet überwiegend in einem speziell ausgestatteten Klassenraum mit Teppichboden, Vorhängen und schalldämpfenden Materialien an den Wänden, um die Raumakustik zu verbessern. Dennoch kommt es trotz der Hörgeräte und der verbesserten Raumakustik zu Verständigungsproblemen mit den Schülerinnen und Schülern. Insbesondere in der ersten und zweiten Klasse sprechen die Schülerinnen und Schülern leise und schüchtern und er muss ständig nachfragen, um die Inhalte verstehen zu können. Auch bei dienstlichen Besprechungen (z. B. Konferenzen und Versammlungen) in anderen Räumlichkeiten kann der Lehrer nur eingeschränkt der verbalen Kommunikation folgen. Aus diesem Grund wurde eine FM-Anlage (Richtmikrofone, Sender und Empfänger) eingesetzt, die in Kombination mit den neuen digitalen Hörgeräten genutzt werden kann - die alten Hörgeräte waren dafür nicht geeignet. In den Unterrichtsräumen und bei Besprechungen legt der Lehrer drahtlose Richtmikrofone mit Zoomfunktion auf die Tische. Die Mikrofone richten sich dabei nach dem ankommenden Sprachsignal aus und können so aus unterschiedlichen Richtungen Sprachsignale aufnehmen und zoomen. Über den Sender im Mikrofon wird dann das Gesprochene, z. B. der Schülerinnen und Schülern, erfasst und an die beiden Empfänger übertragen. Die sehr kleinen Empfänger werden über einen Audio-Schuh bzw. eine Schnittstelle an die Hörgeräte gesteckt und übertragen die Sprache ohne Nebengeräusche direkt in die Hörgeräte. Die sonstigen von den Hörgeräten wahrgenommen Neben- bzw. Störgeräusche können mit Hilfe verschiedener Programme der Hörgeräte gefiltert werden, die über eine Fernbedienung gewechselt werden können. Die Fernbedienung kann beispielsweise außerdem zur Einstellung der Lautstärke für die Hörgeräte eingesetzt werden.
Bei Gesprächen mit nur wenigen Personen benötigt der Lehrer nur ein Mikrofon, das er auf dem Tisch in der Gruppenmitte legen oder an seiner Kleidung befestigen kann.
Durch die Anzahl der Schülerinnen und Schülern entwickelt sich für den Lehrer oft ein störender und belastender Lärmpegel. Mit Hilfe einer Lärmampel wird dieser gemessen und optisch angezeigt. Ist es zu laut bzw. der Lärmpegel zu hoch, dann zeigt die Ampel rot und es erfolgt ein zusätzlicher akustischer Hinweis. Oft ist es den Schülerinnen und Schülern nicht bewusst, dass sie zu laut sind. Die Lärmampel soll ihnen dies nun einfach verdeutlichen und sie ermahnen ruhiger zu sein.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • ERGOS - Hören
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Hören
  • IMBA - Schall/Lärm

Referenznummer:

Pb/110949


Informationsstand: 11.12.2019