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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für eine Zahntechnikerin in einem Dentallabor

Wo lag die Herausforderung?

Die Frau kann behinderungsbedingt nicht mehr hören, weshalb für sie Informationen, die andere Menschen hören können, sichtbar oder ertastbar wahrnehmbar sein müssen. Mit ihr zu kommunizieren kann schwierig sein. Es waren entsprechende Anpassungen an ihrem Arbeitsplatz nötig.

Was wurde gemacht?

Die Frau wurde an einen anderen Arbeitsplatz versetzt, an dem sie ein Gerät zum Galvanisieren bedienen muss, in die sie ausreichend eingearbeitet wurde. Damit die Frau auch im Spätdienst tätig sein kann, musste eine Blitzlampe installiert werden, welche ihr ein sichtbares Signal gibt, dass jemand geklingelt hat.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert, da so die Beschäftigung beim Arbeitgeber erhalten und die Kündigung werden konnte. Die Beratung erfolgte dabei durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber betreibt ein Zahnlabor mit 15 Beschäftigten. Er unterliegt somit nicht der Beschäftigungspflicht für Menschen mit Schwerbehinderung. Bedingt durch die angespannte Auftragssituation besteht für eine Mitarbeiterin eine akute Kündigungsgefahr. Der Arbeitgeber versucht die Angestellte für andere Aufgaben einzusetzen, um eine Kündigung zu vermeiden.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiterin:

Die Angestellte ist gehörlos. Sie kann sich nicht über die Laut-Sprache verständigen und ist nicht fähig akustische Informationen, z. B. Lautsprache und Signale, wahrzunehmen. Behinderungsbedingt müssen deshalb hörbare Informationen so verändert werden, dass sie von der Frau optisch oder taktil wahrgenommen werden können. Eine Kommunikation mit ihr ist deshalb nur eingeschränkt möglich. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 90. Ihr Schwerbehindertenausweis enthält das Merkzeichen RF.

Ausbildung und Beruf:

Die Angestellte ist ausgebildete Zahntechnikerin. Seit einigen Jahren ist sie bei ihrem jetzigen Arbeitgeber als Zahntechnikerin beschäftigt.

Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation:

Das Bearbeiten ständig neuer Aufträge und die individuellen Zahnersatzprodukte erfordern einen hohen Kommunikationsgrad, z. B. Fragen zum Auftrag und Abstimmung der Arbeitsteilung. Hinzu kommt, dass durch die Übernahme nicht aller bzw. nur vereinzelter Tätigkeiten infolge der Kommunikationseinschränkungen beim vorhergehenden Arbeitgeber praktische Fertigkeiten verloren gingen bzw. nicht weiterentwickelt wurden. Die Weiterentwicklung praktischer Fertigkeiten ist in dieser Berufsgruppe von entscheidender Bedeutung für die Leistungs- und Einsatzfähigkeit der Beschäftigten. Ein schnelles Nachholen der Fertigkeiten im laufenden Betrieb ist durch die Gehörlosigkeit bzw. dem dadurch entstehenden zeitlichen und erhöhten Erklärungs- bzw. Kommunikationsaufwand nicht möglich.
Die Angestellt soll deshalb und zum möglichen Erhalt der Beschäftigung an einen anderen Arbeitsplatz versetzt werden. An diesem Arbeitsplatz soll sie ein Gerät zum Galvanisieren bedienen, das vom Arbeitgeber für den Arbeitsplatz neu angeschafft werden muss. Die Angestellte könnte so mit Hilfe des Gerätes zum Galvanisieren einfach in die Tätigkeit des Galvanisierens für die Zahntechnik eingearbeitet werden und hätte durch die Fachspezifik der Tätigkeit einen relativ gesicherten Arbeitsplatz. Das Verfahren erfordert, nach einer gewissen Einarbeitung, auch keine Erklärungen und Rückfragen mehr. In der Anlernzeit muss die Mitarbeiterin ca. 0,5 Stunden pro Tag betreut werden.
Damit die Angestellte auch im Spätdienst tätig sein kann, muss eine Blitzlampe installiert werden. Die Blitzlampe ermöglicht der Angestellten die optische Wahrnehmung eines Türklingelsignals. Die Wahrnehmung des Türklingelsignals ist erforderlich, da die Kunden auch während des Spätdienstes Aufträge vergeben und Produkte abholen. Durch die Umsetzung der Maßnahmen kann die Mitarbeiterin weiter beschäftigt und die Kündigung vermieden werden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • ERGOS - Hören
  • ERGOS - Sprechen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Hören
  • IMBA - Lautabgabe/Sprechen
  • IMBA - Schall/Lärm
  • MELBA - Sprechen

Referenznummer:

R/PB5001


Informationsstand: 09.03.2020