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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Metzger mit Epilepsie in einem Supermarkt

Wo lag die Herausforderung?

Der Mann hat Epilepsie. Dadurch ist er bei bestimmten Arbeiten durch die Anfallsgefahr besonders gefährdet. Deswegen nimmt er Medikamente, die das Auftreten eines Anfalls unterdrücken. Dadurch verlangsamt sich jedoch die Motorik, das Arbeitstempo und es kann zu Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen kommen.

Was wurde gemacht?

Da die bisherigen Arbeiten zu gefährlich für den Mann wurden, wurden ihm neue Arbeitsaufgaben zugeteilt. Er machte jedoch auch bei diesen viele Fehler. Aus diesem Grund wurden eine vollautomatische Verpackungsmaschine mit selbsttätiger Einstellung auf die Verpackungsgröße sowie eine Bräter mit vorprogrammierten Garprozessen angeschafft. Bei diesen muss der Mann nur den Prozess überwachen, was ihm die Arbeit deutlich erleichtert.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Arbeitsgestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt zu 60 Prozent gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Filiale einer Supermarktkette.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist an Epilepsie erkrankt. Das Auftreten eines Anfalls während der Arbeitszeit kann nicht ausgeschlossen werden. Durch die Anfälle ist der Mann bei einigen Tätigkeiten, insbesondere beim Bedienen der Knochensäge und des Fleischwolfes sowie beim Umgang mit dem Messer, einer erheblichen Gefährdung ausgesetzt. Aus diesem Grund nimmt er entsprechende Medikamente zur Unterdrückung solcher Anfälle. Bedingt durch die Medikamente bzw. Nebenwirkungen kommt es jedoch zu einer Verlangsamung der Motorik, des Arbeitstempos und zu Gedächtnis- sowie Konzentrationsstörungen.

Beruf:

Der Mann arbeitet als Fleischer bzw. Metzger beim Arbeitgeber.

Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation:

Der Mann arbeitet in der Metzgerei des Supermarktes und übernimmt dort folgende Aufgaben:
- das Zerlegen von Fleischstücken mit dem Messer,
- die Bedienung der Knochensäge,
- die Bedienung der Aufschnittmaschine und
- die Bedienung des Fleischwolfes.
Nach einer Gefährdungsbeurteilung mit Unterstützung durch einen Technischen Berater des Integrations- bzw. Inklusionsamtes stellte sich heraus, dass einige Aufgaben des Metzgers behinderungsbedingt mit einem erhöhten Unfallrisiko verbunden waren. Der Arbeitgeber teilte den Mitarbeiter deshalb für ungefährlichere Arbeiten im Bereich der Metzgerei, wie das Bedienen der Verpackungsmaschine, des Bräters und der Preisauszeichnung der Waren, ein. Während der auszuführenden Arbeiten in der Metzgerei ist er nie allein, da noch weitere Kolleginnen bzw. Kollegen in diesem Bereich tätig sind. Im Falle eines Anfalls ist somit immer eine entsprechende Person anwesend, die schnell Hilfe leisten kann. Die neuen Arbeitsaufgaben des Metzgers setzen voraus, dass er die vorhandenen Maschinen selbständig einstellen und bedienen kann. So musste an der Verpackungsmaschine neben der Stückzahl auch jeweils die Verpackungsgröße angegeben und die Maschine entsprechend eingerichtet werden. Beim Bräter waren Garzeit und Temperatur, je nach Bratenart bzw. Erfahrung, einzustellen. Der Metzger war bei der Bedienung der Maschinen sehr unsicher, ängstlich, nervös und daher auch sehr langsam. Er machte häufig Fehler, welche von Kolleginnen bzw. Kollegen wieder mühsam behoben werden mussten.

Die Ausstattung des Arbeitsplatzes mit einer vollautomatischen Verpackungsmaschine mit selbsttätiger Einstellung auf die Verpackungsgröße sowie eines Bräters mit vorprogrammierten Garprozessen erleichtert dem Metzger die Arbeit, da sich die Tätigkeit an den Maschinen vorwiegend auf die Überwachung des Ablaufes beschränkt. Außerdem sind an der Verpackungsmaschine lediglich Folienrollen sowie Waren einzulegen und wieder verpackt zu entnehmen. Alle anderen Vorgänge laufen vollautomatisch ab. Der neue Bräter erfordert lediglich die Eingabe der Fleischsorte und des Gewichtes. Garzeit, Temperatur, Zuschaltung von Ober- und Untergrill sowie des Umluftgebläses erfolgen entsprechend den bereits eingespeicherten Programmen. Vor der Entnahme der Bratenstücke ist zur letzten Kontrolle noch einmal mit einem Kernmessgerät die Temperatur im Inneren des Bratens zu überprüfen.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • IMBA - Arbeitsplanung
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Auffassung
  • IMBA - Ausdauer (psychisch)
  • IMBA - Lernen/Merken
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Problemlösen
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Unfallgefährdung
  • IMBA - Verantwortung
  • IMBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)
  • MELBA - Arbeitsplanung
  • MELBA - Auffassung
  • MELBA - Ausdauer (psychisch)
  • MELBA - Lernen/Merken
  • MELBA - Problemlösen
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Verantwortung
  • MELBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)

Referenznummer:

R/PB2828


Informationsstand: 25.04.2019