Praxisbeispiel
Arbeitsplatz­gestaltung für einen Mitarbeiter in einer Schmiede

Wo lag die Herausforderung?

Dem Produktionshelfer fehlt an der rechten Hand der Daumen, die Handgelenke sind versteift und weniger beweglich und seine Armmuskulatur ist stark verringert. Deshalb kann er nur eingeschränkt zum Heben sowie Tragen und Positionieren von Werkzeugen und Material an der Knüppelschere eingesetzt werden. Sein Arbeitsplatz musste deshalb entsprechend angepasst werden.

Was wurde gemacht?

An der Knüppelschere wurde eine Anlage zur automatischen Materialvereinzelung und -zuführung installiert. Für den Wechsel der Schneidwerkzeuge wurde im Raum der Knüppelschere ein Kran installiert, an dem ein spezielles Lastaufnahmemittel mit Gewichtsausgleich befestigt ist. Die neuen Hilfsmittel helfen dem Produktionshelfer dabei, weiter behinderungsgerecht an seinem Arbeitsplatz an der Knüppelschere arbeiten zu können.

Die behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung wurde vom Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- beziehungsweise Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter.

Unternehmen:

Das mittelständische Unternehmen stellt Schmiedeteile her.

Behinderung und Beeinträchtigung des Mitarbeiters:

Dem Mann fehlt an der rechten Hand der Daumen. Die Beweglichkeit der Handgelenke ist durch Versteifung sowie Narbenbildung stark eingeschränkt und die Hand- sowie Armmuskulatur ist stark verringert. Behinderungsbedingt kann der Mann nur noch teilweise die linke Hand zum Transportieren und Handhaben benutzen. Der Grad der Behinderung (GdB) beträgt 60.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann arbeitet als Produktionshelfer beim Unternehmen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Mann arbeitet in der Produktion an einer Knüppelschere. An der Knüppelschere musste er früher das auf einem Gestell aufgelegte Material (runde und quadratische Metallstäbe) mit Hilfe eines Eisenhakens vereinzeln und auf die Vorschubrolle der Maschine ziehen. Das Material hatte dabei ein Gewicht von bis zu 133 Kilogramm, bei einer Länge von bis zu sechs Metern. Mit Hilfe der Vorschubrollen wurde das Material von ihm in die Schneidöffnung der Knüppelschere geschoben. Der Einschub erfolgte soweit, bis die gewünschte Abschnittlänge erreicht war.
Bei Verschleiß der Schneiden müssen die Schneidwerkzeuge zusätzlich von ihm ausgewechselt werden. Hierzu musste der Produktionshelfer die entsprechenden Bolzen sowie Haltevorrichtungen lösen und nahm nach unten einen Teil der schweren Schneidvorrichtungen heraus. In umgekehrter Weise wurden die Schneidvorrichtungen wieder eingebaut. Behinderungsbedingt konnte der Mitarbeiter aufgrund der für ihn zu hohen Belastungen die Tätigkeit so nicht weiter ausüben.
An der Knüppelschere wurde deshalb eine Anlage zur automatischen Materialvereinzelung und -zuführung installiert, die nun der Knüppelschere die vereinzelten Profile maschinell zuführt.
Der eigentliche Schneidvorgang an der Maschine musste nicht verändert werden. Der Produktionshelfer betätigt dazu einen Schalter und löst so den Scher- bzw. Schneidprozess aus. Die abgeschnittenen Stücke fallen von der Schneide über eine Materialführung in die Transportbehälter. Ein Gabelstapler transportiert die vollen Behälter dann in den Schmiedebereich.
Für den Wechsel der Schneidwerkzeuge wurde im Raum der Knüppelschere ein Kran installiert, an dem ein spezielles Lastaufnahmemittel mit Gewichtsausgleich befestigt ist. Durch das spezielle Lastaufnahmemittel mit Gewichtsausgleich können die Schneidwerkzeuge ohne größeren Kraftaufwand und Belastungen gewechselt werden.

Eingesetzte Hilfsmittel – Anzeigen der Produkte:

Kräne, Flaschenzüge und Lastaufnahmemittel
Manipulatoren und Gewichtsbalancer

ICF-Items

Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Handkoordination (rechts/links)
  • EFL - Handumwendebewegungen (rechts/links)
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • EFL - Ziehen
  • ELA - Feinmotorik
  • ELA - Handgreifkraft
  • ELA - Heben
  • ELA - Reichen
  • ELA - Schieben/Ziehen dynamisch
  • ELA - Tragen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Dreipunktgriff
  • ERGOS - Fingergeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgreifkraft
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Schieben/Ziehen
  • ERGOS - Schlüsselgreifkraft
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Feinmotorik (Hand- und Fingergeschicklichkeit)
  • IMBA - Hand-/Fingerbewegungen
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Schieben/Ziehen
  • IMBA - Tragen
  • MELBA - Feinmotorik

Referenznummer:

R/PB4767


Informationsstand: 15.07.2025