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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Zerspanungsmechaniker mit Epilepsie in der Instandhaltung

Wo lag die Herausforderung?

Der Mann hat Epilepsie, wodurch es Krampfanfällen und Verwirrung kommen kann, bei denen eine Verletzung am Arbeitsplatz ausgeschlossen werden muss. Dafür waren entsprechende Anpassungen nötig.

Was wurde gemacht?

Der Arbeitsplatz wurde mit entsprechenden Hilfsmitteln ausgestattet, um die Arbeitssicherheit zu erhöhen und dem Mann ein weitestgehend beschwerdefreies Arbeiten zu ermöglichen. Bei einem Sturz ist die Verletzungsgefahr nun minimiert. Außerdem kann er bei einem sich anbahnenden Anfall mit Hilfe eines persönlichen Notrufsystems schnell Hilfe rufen.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Drehmaschine wurde zu 50 Prozent und die restlichen Kosten wurden zu 100 Prozent vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Das Unternehmen stellt Getränkedosen her.

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann ist an Epilepsie erkrankt und es kommt aufgrund der Erkrankung zu Krampfanfällen mit Verwirrtheitszuständen für mehrere Minuten. Aus Sicherheitsgründen muss eine Verletzung durch laufende Maschinen bei der Ausübung der Tätigkeit ausgeschlossen werden. Bei der Seltenheit der Anfälle und der vorhandenen körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, ohne Medikamenten-Nebenwirkung, ist der Mann ansonsten fähig, die Tätigkeit eines Zerspanungsmechanikers ganztägig auszuüben, ohne sich oder andere zu gefährden.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann arbeitet als gelernter Zerspanungsmechaniker bzw. Dreher beim Unternehmen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Zerspanungsmechaniker arbeitet in der Abteilung Instandhaltung des Unternehmens, die sich in einer Werkstatt bzw. einem Werkstattraum befindet. Neben mehreren Beschäftigten, die in der Produktion die Anlagen warten und reparieren, gehört er mit zwei bis drei weiteren Beschäftigten zur ständigen Belegschaft der Abteilung. Neben einigen Materialschränken steht dort eine konventionelle Drehmaschine, eine Fräsmaschine und eine als Rollenschleifmaschine umgebaute Drehmaschine. Bisher bedient der Zerspanungsmechaniker diese drei Maschinen, wobei er die meiste Zeit an der eigentlichen Drehmaschine arbeitet. Wie eine mit Unterstützung durch einen Technischen Berater des Integrations- bzw. Inklusionsamtes durchgeführte Gefährdungsbeurteilung ergab, besteht ein Gefährdungspotential bezüglich der vorliegenden Anfallsmöglichkeit grundsätzlich an allen drei Maschinen. An der Rollenschleifmaschine lässt sich diese Gefahr eingrenzen, da während der Bearbeitung nur eine radiale Zustellung erfolgt und somit eine Abschirmungsmöglichkeit umsetzbar ist.
Die Gefahr bei der Arbeit mit der Fräsmaschine ist je nach Bearbeitungsvorgang hoch oder auch gering. Besondere Beachtung gilt aber dem Hauptarbeitsplatz, der eigentlichen Drehmaschine. Die zu bearbeitenden Werkstücke haben maximal einen Durchmesser von ca. 80 mm, bei Längen bis zu 2 m. Ein typischer Arbeitsauftrag ist z. B. das Erneuern eines bestimmten Achsenabschnittes. Dazu ist die Achse an dieser Stelle abzudrehen, aus Rohmaterial eine dazu passende Büchse auf der Drehmaschine anzufertigen und nach dem Aufschrumpfen dieser Büchse ist die Achse an dieser entsprechenden Stelle wieder auf Sollmaß abzudrehen. Bei diesen Arbeitsvorgängen ist eine computergesteuerte Drehmaschine (CNC-Drehmaschine) nur bedingt einsetzbar.

Die Rollenschleifmaschine konnte durch eine zusätzliche Schutzhaube so gesichert werden, dass die verbleibende Restgefahr nur noch gering ist. Zusätzlich wurden an den Handrädern die senkrecht eingesetzten und somit vorstehenden Griffbolzen entfernt, damit diese bei einem möglichen Sturz nicht zu Verletzungen führen. Die Fräsmaschine wurde höher aufgestellt, damit für die Situation eines Anfalls der Zerspanungsmechaniker bevorzugt nach unten gleitet und nicht in den Bearbeitungsprozess fällt. Bei der Höhe der Aufstellung orientierte man sich an seiner Körpergröße. Für die Handräder der Fräsmaschine galt das Gleiche wie bei der Rollenschleifmaschine. Die vorhandene Drehmaschine wurde ersetzt durch eine neue mit einer Schutzhaube, die vom Spannfutter aus zum Werkzeugschlitten gezogen werden kann und über einen Kontaktschalter verfügt. Der Kontaktschaler ist mit dem Schlitten der Drehmaschine gekoppelt, so dass eine Bearbeitung nur bei geschlossener Schutzhaube möglich ist. Bei der Höhe der Aufstellung orientierte man sich ebenso an der Körpergröße des Zerspanungsmechanikers. Als persönliche Schutzausrüstung trägt er nun eine geeignete Schutzkappe zur Vermeidung von Kopfverletzungen bei einem Anfall bzw. Sturz. Über den Einsatz einer persönlichen Überwachungsanlage, in Kopplung mit der jeweils von dem Dreher bedienten Maschine, kann nun für die Situation eines Anfalls der sofortige Stopp der jeweiligen Maschine ausgelöst werden. Sollte es zu einem Sturz kommen, so kann dieser durch eine Arbeitsmatte gedämpft werden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Ausdauer (psychisch)
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Tragen von Arbeitsschutzmitteln
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Unfallgefährdung
  • IMBA - Verantwortung
  • MELBA - Ausdauer (psychisch)
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Verantwortung

Referenznummer:

R/PB4023


Informationsstand: 17.06.2019