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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Industriemechaniker mit einer Hörbehinderung und Wirbel­säulen­erkrankung in einer Maschinenfabrik

Wo lag die Herausforderung?

Der Industriemechaniker ist nur eingeschränkt fähig akustische Informationen wahrzunehmen. Störgeräusche (Lärm) müssen deshalb, zur besseren Sprach- und Signalwahrnehmung sowie zur Vermeidung der Verschlechterung des Hörvermögens, am Arbeitsplatz vermieden werden. Bedingt durch die Wirbelsäulenerkrankung kann der Mann nicht für Tätigkeiten eingesetzt werden, die ein häufiges Bücken und Tragen von Lasten erfordern.

Was wurde gemacht?

Die alte Tafelblechschere wurde gegen eine neue hydraulische mit NC-Steuerung, Abstapelvorrichtung für Blechzuschnitte und Weiche für Reststreifen ersetzt. Die Kugelrollen im Maschinentisch ermöglichen ein leichtes Verschieben der schweren Blechtafeln. Die Abstapelvorrichtung hinter der Schere sortiert die Zuschnitte und Reststreifen aus und stapelt die Zuschnitte auf eine Palette. Bücken, Heben und Tragen zum Aussortieren und Stapeln der Zuschnitte entfallen somit völlig. Durch den Hydraulikantrieb tritt kein großer Lärm beim Schneiden der Bleche mehr auf. Die Betriebsgeräusche sind um mehr als 50 Prozent niedriger als vorher, da auch der Lärm durch herabfallende Bleche nicht mehr auftritt.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrations- bzw. Inklusionsamtes - den sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Tel.-Nummer der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber betreibt eine Gießerei und Maschinenfabrik mit 429 Beschäftigten.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist schwerhörig und hat zusätzlich noch eine Wirbelsäulenerkrankung. Er ist nur eingeschränkt fähig akustische Informationen, z. B. Lautsprache und Signale, wahrzunehmen. Behinderungsbedingt müssen deshalb Störgeräusche (Lärm), zur besseren Sprach- und Signalwahrnehmung sowie zur Vermeidung der Verschlechterung des Hörvermögens, am Arbeitsplatz vermieden werden. Bedingt durch die Wirbelsäulenerkrankung kann der Mann nicht für Tätigkeiten eingesetzt werden, die ein häufiges Bücken und Tragen von Lasten erfordern. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 70.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann ist gelernter Industriemechaniker (Betriebsschlosser) und seit einigen Jahren bei seinem Arbeitgeber beschäftigt.
Sie finden auch Ausbildungseinrichtungen für Menschen mit Hörschädigung in REHADAT.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Mitarbeiter ist gemeinsam in Wechselschicht mit einem behinderten Kollegen für den Blechzuschnitt des gesamten Betriebes zuständig. Verarbeitet werden Blechtafeln in den Stärken 3 bis 20 mm der Formate 1,25 x 2,5 und 1,6 x 3,0 m. Zur Verfügung steht hierfür eine alte Tafelblechschere. Diese Tafelblechschere verursacht beim Schneiden der Bleche hohe Betriebsgeräusche bzw. Lärm, der durch die vom Scherentisch fallenden geschnittenen Bleche auf den Boden noch verstärkt wird. Der so entstehende Lärm bzw. hohe Schalldruckpegel belastet den Mitarbeiter beträchtlich und kann auf Dauer zur Verschlimmerung der Hörschädigung führen. Die bis zu 700 kg wiegenden Blechtafeln werden mit einem Kran oder einem Gabelstapler auf den Maschinentisch und die Auflageschienen vor der Schere gelegt, müssen dann jedoch manuell gegen den Seiten- und Hinteranschlag geschoben werden. Hierzu ist, vor allem bei den großen Blechstärken und den Großformattafeln, ein enormer körperlicher Kraftaufwand notwendig, der die Wirbelsäule sehr belastet. Der Hinteranschlag der vorhandenen Schere kann nur über zwei Handräder von der Rückseite der Maschine aus verstellt werden, wobei der gewünschte Abstand zwischen Messerkante und Anschlagschiene mit einem Maßband kontrolliert wird. Hinter der Schere liegen aber auf dem Boden Blechzuschnitte und Reststreifen durcheinander, über die in gefährlicher Weise hinweggestiegen werden muss oder die zuvor beiseite geräumt werden müssen. Das Aussortieren und Aufstapeln der Zuschnitte erfordert wiederum häufiges Bücken und ist mit teilweise schwerem Heben und Tragen verbunden. Aufgrund der vorliegenden Behinderungen ist der Mitarbeiter nicht mehr in der Lage, die belastenden Zuschnittarbeiten auszuführen.
Damit der Mitarbeiter weiter und behinderungsgerecht arbeiten kann, wurde die alte Tafelblechschere durch eine hydraulisch betriebene Tafelblechschere mit elektrisch verstellbarem Hinteranschlag mit NC-Steuerung, Abstapelvorrichtung für die Blechzuschnitte und Weiche für die Reststreifen ersetzt. In der Auflagefläche des Maschinentisches für die Bleche vor der Schere befinden sich Kugelrollen, die ein leichtes Verschieben der schweren Blechtafeln in alle Richtungen ermöglichen. Die Verstellung des Hinteranschlages der neuen Schere erfolgt elektrisch über die Steuerung am Bedientableau vor der Maschine. Maßkontrollen sind nicht mehr erforderlich, da eine Digitalanzeige das eingestellte Maß genau anzeigt. Die Abstapelvorrichtung hinter der Schere sortiert die Zuschnitte und Reststreifen aus und stapelt die Zuschnitte vollautomatisch auf eine Palette, die anschließend mit einem Gabelstapler entnommen und abtransportiert werden kann. Bücken, Heben und Tragen zum Aussortieren und Stapeln der Zuschnitte entfallen somit völlig. Durch den Hydraulikantrieb tritt kein großer Lärm beim Schneiden der Bleche mehr auf. Die Betriebsgeräusche sind insgesamt um mehr als 50 Prozent niedriger, da auch der Lärm durch herabfallende Bleche nicht mehr auftritt.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Hören
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Hören
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Schall/Lärm
  • IMBA - Schichtarbeit
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

R/PB4523


Informationsstand: 03.07.2019