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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Lageristen mit Gehbehinderung und Epilepsie beim Militär

Wo lag die Herausforderung?

Behinderungsbedingt kann ein Anfall nicht ausgeschlossen werden. Des Weiteren kann der Jugendliche nicht schwer heben oder tragen. In Bezug auf die Epilepsie, muss speziell auf den Arbeitsschutz eingegangen und entsprechende Anpassungen vorgenommen werden.

Was wurde gemacht?

Der Mitarbeiter arbeitet als Lagerverwalter im Magazin. Die Bereitstellung eines Umlaufregals mit einer Mikroprozessorsteuerung in Verbindung mit einem PC mit einer Lagerverwaltungs-Software hilft die Belastungen des Lagerverwalters deutlich, etwa um 75 Prozent, zu reduzieren. Eine weitere Arbeitserleichterung wird durch den Einsatz eines Elektro-Gabel-Hochhubwagens erreicht, da der Jugendliche dadurch nicht mehr selbst heben oder tragen muss.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

In der Kaserne arbeiten 202 zivilangestellte Personen.

Behinderungen und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:
Der Jugendliche ist an Epilepsie erkrankt. Das Auftreten eines Anfalls kann nicht ausgeschlossen werden. Hinzu kommt das der Jugendliche durch eine Gehbehinderung zusätzlich beim Transportieren und Tragen von Lasten eingeschränkt ist. In Bezug auf die Epilepsie müssen spezielle Aspekte des Arbeitsschutzes bei der Ausübung der Tätigkeit, z. B. beim Steigen auf Leitern, berücksichtigt werden. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 80. Der Schwerbehindertenausweis trägt das Merkzeichen G.

Ausbildung und Beruf:

Der Jugendliche hat einen Hauptschulabschluss. Er nahm zunächst an verschiedenen Maßnahmen zur Berufsfindung teil bis er anschließend im Berufsbildungswerk (BBW) eine Ausbildung zum Metallwerker (mit Abschluss vor der IHK) absolvierte. Nach Beendigung der Ausbildung war der Jugendliche, bis er bei seinem jetzigen Arbeitgeber neu als Lagerverwalter (Zivilangestellter) eingestellt wurde, arbeitslos.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Mitarbeiter ist als Lagerverwalter im Magazin tätig. Im Magazin werden in Fachbodenregalen zum Teil in Lagerkästen Verbrauchsmaterialien und Ersatzteile für die Handwerker des Kasernenbereichs gelagert. Hierbei handelt es sich um Elektro- und Sanitärartikel sowie sonstige Kleineisenartikel. Zu den Aufgaben des Lagerverwalters gehören:
- die Warenannahme,
- die Ein/Auslagerung,
- die Führung von Bestandsnachweisen,
- die Eintragung in Anforderungsformulare und Arbeitsaufträge,
- die Überwachung der Bestände (Inventur) und
- die Mitwirkung bei der Bedarfsermittlung.
Aufgrund der Vielzahl der einzulagernden, vorwiegend recht kleinen Artikel ist das Magazin durch die Unterbringung der vielen Regale sehr weitläufig, so dass für die Ein- und Auslagerung der Teile im Durchschnitt eine Wegstrecke von 30 bis 40 m zurückgelegt werden muss. Täglichen muss der gehbehinderte Mitarbeiter so insgesamt mindestens vier bis fünf km gehen und hierbei häufig auch noch Gewichte tragen oder eine Sackkarre schieben. Dies führt behinderungsbedingt zu einer erheblichen Körperbelastung.
Weitere Probleme bestehen beim Erreichen der oberen Regalebenen zwischen etwa 1,70 und 2, 00 m Höhe, da er hierzu eine Leiter benutzen muss. Aufgrund eines möglichen Anfalls ist das Besteigen von Leitern und Podesten (wegen der Sturzgefahr) mit einem erhöhten Risiko bzw. einer erhöhten Unfallgefahr für den Lagerverwalter verbunden. Auch das Heben und Tragen von schweren Lasten (z. B. Waschtische, WC-Töpfe, Feuerlöscher, Farbeimer usw.) sollte behinderungsbedingt vermieden werden.

Die Bereitstellung eines Umlaufregals mit einer Mikroprozessorsteuerung in Verbindung mit einem PC mit einer Lagerverwaltungs-Software hilft die Belastungen des Lagerverwalters deutlich zu reduzieren, da durch die Ein- und Auslagerung der häufig umzuschlagenden Kleinteile in diesem Regal die erforderlichen Wegstrecken um etwa 75 Prozent verringert werden können. Dies hängt auch damit zusammen, dass durch die Lagerverwaltungs-Software eine ständige Bestandskontrolle gegeben ist und beim Erreichen eines Mindestbestands automatisch eine Nachbestellung veranlasst wird. Zur Bestandsermittlung muss der Lagerverwalter also nicht mehr die Artikel in den einzelnen Regalfächern nachzählen.
Da die Materialien in dem Umlaufregal immer in der Nähe in Tischhöhe bzw. einer ergonomischen Ablage- und Entnahmehöhe zur Verfügung stehen, entfällt auch das schwere Heben und Tragen. Durch die Nutzung des Umlaufregals wird im restlichen Lager Platz frei, so dass die verbleibenden größeren Artikel mit geringer Umschlagshäufigkeit in ergonomisch günstigen Höhen in den Fachbodenregalen untergebracht werden können.
Eine weitere Arbeitserleichterung wird durch den Einsatz eines Elektro-Gabel-Hochhubwagens erreicht, da hierdurch Hebe-, Trage- und Transportarbeiten ohne große Belastungen durchgeführt werden können.
Die durch die Aufstellung des Umlaufregales eingesparte Grundfläche wird für die Verbreiterung der Verkehrswege benötigt, um ein ungehindertes Befahren der Gänge mit dem Elektro-Gabel-Hochhubwagen und ein Ein- und Auslagern der schweren Artikel in ergonomisch günstiger Arbeitshöhe zu ermöglichen.
Aufgrund der begrenzten Raumhöhe und der davon abhängigen Größe des Umlaufregals, können in diesem nicht alle Lagerartikel untergebracht werden. Dies ist für Artikel mit geringer Umschlaghäufigkeit auch nicht unbedingt sinnvoll. Bei Bedarf kann zu einem späteren Zeitpunkt eine Ergänzung durch ein weiteres Regal problemlos erfolgen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Handkoordination (rechts/links)
  • EFL - Handumwendebewegungen (rechts/links)
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Steigen (Leiter/Treppe)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Handgeschicklichkeit
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • ERGOS - Treppensteigen
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Feinmotorik (Hand- und Fingergeschicklichkeit)
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Tragen
  • IMBA - Unfallgefährdung
  • MELBA - Feinmotorik

Referenznummer:

R/PB4678


Informationsstand: 15.07.2019