Praxisbeispiel
Arbeitsgestaltung für einen Produktionshelfer durch Automatisierung

Wo lag die Herausforderung?

Der Produktionshelfer hat eine Rückenerkrankung, Armbehinderung und Hüftgelenkschädigung. Er ist körperlich gering belastbar und sollte nicht für das manuelle Heben, Halten und Tragen eingesetzt werden. Dies gilt insbesondere, wenn er dabei Zwangshaltungen wie das Beugen des Oberkörpers und die Vorhaltung der Arme zum Körper einnehmen muss. Da dies beim Schärfen der Sägeblätter an den Schleifmaschinen jedoch der Fall war, musste sein Arbeitsplatz behinderungsgerecht angepasst werden.

Was wurde gemacht?

Es wurde ein neuer vollautomatischer Sägeblatt-Schleifautomat angeschafft. Seitdem entfallen für die Mitarbeiter die ständigen Einstellarbeiten. Somit werden auch die belastenden Körperhaltungen vermieden.

Die Hilfsmittel zur behinderungsgerechten Gestaltung wurden komplett vom Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt gefördert. Da die Hilfsmittel zum Konzept des neuen Arbeitsplatzes an den Bearbeitungszentren gehören und nur so auch insgesamt eine Reduzierung der Belastungen für den Zerspaner erreicht werden konnte, wurden auch die Bearbeitungszentren gefördert. Diese wurden aber vom Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt nur zu 10 Prozent gefördert, da dem Unternehmen durch den höheren Automatisierungsgrad ein wesentlicher wirtschaftlicher Vorteil entsteht. Außerdem wurde der Arbeitsplatz an den Bearbeitungszentren in Bezug auf die Förderung für sechs Jahre als Schwerbehindertenplätze gebunden.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter.

Unternehmen:

Das metallverarbeitende Unternehmen ist mit seinen 48 Beschäftigten auf dem Gebiet der Zerspanungstechnik tätig.

Behinderung und Beeinträchtigung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Blasenerkrankung und besitzt einen künstlichen Harnleiterausgang an der rechten Bauchwandseite. Zum Auffangen des Urins trägt er einen Urinbeutel mit Katheter am Körper. Er sollte behinderungsbedingt nicht für Tätigkeiten eingesetzt werden, die einen häufigen und schweren Lastentransport erfordern. Dies gilt besonders bei Arbeitshaltungen, die ein Beugen sowie Bücken erfordern und somit zu einer erhöhten Pressung im Bauchraum führen. Der Grad der Behinderung (GdB) beträgt 80.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann ist ausgebildeter Zerspanungsmechaniker und arbeitet in der Produktion des Unternehmens.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Zerspanungsmechaniker arbeitete an einer CNC-Drehmaschine, auf der er Werkstücke mit einem Gewicht bis zu fünf Kilogramm in hoher Taktfolge bearbeitete. Zum Einlegen bzw. Herausnehmen der Werkstücke musste die Maschinentür der Haube geöffnet werden. Mit weit ausgestreckter Armhaltung sowie vorgebeugtem Oberkörper wurden dann die Werkstücke aus dem Spannfutter entnommen und neben der CNC-Drehmaschine in Lagerkästen auf dem Boden abgelegt. Danach mussten neue Werkstücke aus anderen Lagerkästen vom Boden entnommen, mit Hilfe des Spannfutters gespannt, die Maschinentür geschlossen und das Bearbeitungsprogramm gestartet werden.
Einige der bearbeiteten Werkstücke wurden stichpunktartig nachgemessen bevor sie in die Lagerkästen gelegt werden. Dabei mussten die Werkstücke und die Messwerkzeuge in den Händen gehalten werden.
Die Tätigkeit war verbunden mit einer häufigen Lastenhandhabung, bei ungünstigen Bewegungsabläufen bzw. Arbeitshaltungen. Behinderungsbedingt führten die vorhandenen Arbeitsanforderungen bzw. Arbeitsbedingungen zu erhöhten Belastungen und somit zu einer körperlichen Überforderung des Zerspaners.
Das Unternehmen richtete neue Vertikal-Einspindel-Drehzentren bzw. Bearbeitungszentren mit Werkzeugträgersystemen, Qualitätssicherungssystem, Werkstückspeicher- und Transportsystem, Wendeeinheit sowie Kühlmittel- und Entsorgungssystem ein. Zur Vermeidung der vorher behinderungsbedingt erhöhten Belastungen arbeitet nun der Zerspanungsmechaniker an den Bearbeitungszentren. Dort übernimmt er die Einstellung der Maschinen, den Werkzeugwechsel sowie die Materialzu- und Materialabführung. In den Bearbeitungszentren werden Bremsscheiben mit einem Gewicht von bis zu ca. zwei Kilogramm spanabhebend bearbeitet. Die Bremsscheiben werden von einem Hebetisch aus einem Lagerbehälter entnommen und in die Aufnahmevorrichtung des Werkstückspeichers gelegt. Der Hebetisch kann dazu auf eine ergonomische Entnahmehöhe positioniert werden. Die Werkstücke bzw. Bremsscheiben im Werkstückspeicher werden von der ersten Station bearbeitet und von dem Werkstückspeicher automatisch zur mechanischen Übergabe- und Wendestation transportiert. Hier wird das Werkstück mechanisch aufgenommen, gewendet und in den Speicher der zweiten Maschine eingelegt. Nach der Bearbeitung in der zweiten Maschine werden die Werkstücke vom Band heruntergezogen und in eine Messvorrichtung gelegt. Dazu müssen die Werkstücke nicht angehoben, sondern über eine Röllchenbahn in die Messvorrichtung geschoben werden. Nach Überprüfung der Abmessungen werden die Werkstücke weiter über eine Röllchenbahn auf ein Transportband geschoben und auf einen weiteren Hebetisch in Lagerkästen abgelegt. Die Lagerkästen liegen auf dem Hebetisch auf Paletten und können ebenfalls mit Hilfe des Hebetisches auf eine ergonomische Ablagehöhe positioniert werden.

Eingesetzte Hilfsmittel – Anzeigen der Produkte:

intermittierender Katheter, eingeführt durch die Harnröhre
Urinbeutel ohne Ablassöffnung
Urinbeutel mit Ablassöffnung
Förderer (Rollenbahnen)
Hebe- und Positionierungssysteme (Hebetische)

ICF-Items

Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Handkoordination (rechts/links)
  • EFL - Handumwendebewegungen (rechts/links)
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ELA - Bücken/Aufrichten
  • ELA - Feinmotorik
  • ELA - Gehen
  • ELA - Heben
  • ELA - Reichen
  • ELA - Stehen
  • ELA - Tragen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Handgeschicklichkeit
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Stehen
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Feinmotorik (Hand- und Fingergeschicklichkeit)
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Stehen
  • IMBA - Tragen
  • MELBA - Feinmotorik

Referenznummer:

R/PB5135


Informationsstand: 10.12.2025