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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Friedhofsgärtnergehilfen mit Epilepsie

Wo lag die Herausforderung?

Der Mann nimmt regelmäßig Medikamente gegen die Epilepsie ein, wodurch er deutlich seltener Anfälle erleidet, dieser aber nicht ausgeschlossen ist. Deshalb muss die Sicherheit beim bedienen von Maschinen und Fahrzeugen an seinem Arbeitsplatz jederzeit gewährleistet sein. Dafür waren entsprechende Anpassungen nötig.

Was wurde gemacht?

Es wurde ein speziell gesichertes Geh-Zugfahrzeug mit Elektroantrieb angeschafft, welches ihm mit Hilfe des entsprechend eingebauten Zubehörs ermöglicht, selbstständig und sicher zu arbeiten. Das Geh-Zugfahrzeug wurde so umgebaut, dass es bei einem Anfall sofort stehen bleibt.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Friedhofsgärtnerei.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist an Epilepsie erkrankt. Er nimmt regelmäßig Medikamente ein, wodurch die Anfallshäufigkeit stark nachgelassen hat. Das Auftreten eines Anfalls kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund müssen spezielle Aspekte des Arbeitsschutzes bei der Ausübung der Tätigkeit, z. B. bei der Nutzung von Fahrzeugen und Maschinen, berücksichtigt werden. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 90.

Arbeitsplatz und Arbeitsschutz:

Der Mitarbeiter säubert Gehwege, entleert Papierkörbe und pflegt Gräber. Aufgrund der Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem epilepsiebedingten Anfall kommen kann, darf der nach dem Ergebnis einer durchgeführten Gefährdungsbeurteilung nicht an schnelllaufenden Maschinen arbeiten, welche sich beim Loslassen nicht automatisch abschalten und keine Schlepper (Transportfahrzeuge) selbständig fahren. Ein Einsatz an den vorhandenen Maschinen und Fahrzeugen kam deswegen nicht in Betracht. Für den täglichen Arbeitsablauf bedeutete diese Auflage eine stark eingeschränkte Einsatzmöglichkeit. Insbesondere die Entsorgungsarbeiten zogen sich durch die Beschränkung auf Handarbeit umständlich in die Länge. Der Mitarbeiter musste drei verschiedene Handwagen nacheinander durch die Friedhofsanlage ziehen. Die Anzahl der Wagen ergibt sich aus der getrennten Abfallsammlung und Entsorgung, ein Teil des Abfalls wird gehäckselt und kompostiert. Die anfallenden großen Mengen an Laub und Abfällen ließen sich durch den scheinbar zwangsläufigen Verzicht auf Maschineneinsatz nicht wirtschaftlich entsorgen.
Es wurde deshalb ein speziell gesichertes Geh-Zugfahrzeug mit Elektroantrieb angeschafft, an das mehrere Wagen angekoppelt werden können. Die Lenkung des Fahrzeuges wurde auf Deichselbedienung umgestellt und die Höchstgeschwindigkeit auf 6 km/h begrenzt. Beim Loslassen der Führungsdeichsel bremst das Fahrzeug automatisch. Wenn die Deichsel bei einem Anfall zu Boden geht, bleibt der Wagen sofort stehen. Gleichzeitig wurde das Fahrzeug an der Frontseite mit einer großflächigen Kontaktleiste ausgerüstet. Bei Berührung eines Hindernisses schaltet sich das Fahrzeug sofort selbsttätig ab. Sollte der Mitarbeiter über einen größeren Zeitraum Anfallsfrei bleiben, so wird eine Nutzung der auf dem Friedhof üblichen motorisierten Schlepper möglich.
Dem Mitarbeiter wurde es durch den Einsatz der Hilfsmittel ermöglicht selbständig, sicher und wirtschaftlich zu arbeiten.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Ausdauer (psychisch)
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Unfallgefährdung
  • IMBA - Verantwortung
  • MELBA - Ausdauer (psychisch)
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Verantwortung

Referenznummer:

R/PB4132


Informationsstand: 29.07.2019