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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für Beschäftigte mit eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit auf einem Friedhof

Wo lag die Herausforderung?

Die vier schwerbehinderten Mitarbeiter können aufgrund ihrer Behinderung nicht schwer heben sowie tragen, sind nur gering belastbar und müssen gewisse Körperhaltungen vermeiden. An ihren Arbeitsplätzen waren entsprechende Anpassungen nötig.

Was wurde gemacht?

Damit die Mitarbeiter beim Grabausbau keine schweren Bohlen und Spindeln tragen und halten müssen, wird ein Gleitschalkasten eingesetzt. Zum Transport und Lagern der Boden- und Fahrbleche sowie der Grablaufroste wurden zwei spezielle, niedrigere Transportwagen angeschafft. Für den Transport des überschüssigen Erdaushubs und aller im Grabfeld benötigten Baustoffe musste ein Motorkipper mit hydraulisch unterstützter Kippvorrichtung angeschafft werden. Darüber hinaus musste ein Transportfahrzeug mit einem Ladekran ausgerüstet werden. Für das Abräumen zurückgegebener Grabstätten wird zur Erleichterung der Arbeit ein Steintransportwagen eingesetzt.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung wurde von dem Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert, dabei wurde auch berücksichtigt, dass die Beschäftigungsquote für Menschen mit Schwerbehinderung mit 7 Prozent über der gesetzlich vorgeschriebenen liegt. Der Arbeitgeber erhielt deshalb eine Förderung in Höhe von 75 Prozent der Kosten. Die Beratung erfolgte durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber sind die Technischen Betriebe einer Stadt, zu deren Aufgabe die Pflege sowie Unterhaltung der Grünanlagen sowie Forstgebiete und Entsorgung gehören. Zu den Grünanlagen zählen Parks und Friedhöfe, wobei alleine die acht Friedhöfe eine Fläche von 58 Hektar ausmachen.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiter:

1. Mitarbeiter
Der Mann hat eine Rückenerkrankung, ein Schulter-Arm-Syndrom, Bluthochdruck und eine eingeschränkte Lungenfunktion. Bedingt durch diese Behinderungen sollte der Mann keine schweren körperlichen Tätigkeiten ausführen. Insbesondere sollte er das Bücken und Heben oder Tragen von schweren Lasten vermeiden. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 50.

2. Mitarbeiter
Der Mann hat ebenfalls eine Rückenerkrankung. Auch er sollte Zwangshaltungen (häufiges Bücken und Beugen) und das Heben sowie Tragen schwerer Lasten vermeiden. Der Grad der Behinderung beträgt 40 (GdB 40).

3. Mitarbeiter
Der Mann hat eine chronische Magenschleimhauterkrankung und Epilepsie. Er sollte auf Dauer keinen hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt werden. Der Grad der Behinderung beträgt 70 (GdB 70).

4. Mitarbeiter
Der Mann hat eine chronische Bronchitis und eine Rückenerkrankung. Der Grad der Behinderung beträgt 50 (GdB 50).

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Zusammen mit fünf weiteren Kollegen arbeiten die vier Männer auf einem 15 Hektar (150.000 Quadratmeter) großen Friedhof. Dort führen sie folgende Tätigkeiten aus:
- Einrichten des offenen Grabes mit einer Garnitur Grablaufroste (Gewicht ca. 100 kg) sowie das Auslegen von Kanthölzern, Dielen und massiven Holzbühnen.
- Transport und Verlegung von Boden- und Fahrblechen im Grabfeld sowie allen Rasenwegen, die vom Friedhofsbagger befahren werden.
Für den Transport der Grablaufroste sowie der Boden- und Fahrbleche gibt es auf dem Friedhof nur einen Mini-Kipper. Für die Mitarbeiter hat dies zur Folge, dass sie die Bleche bei Bedarf immer an der Garage aufladen müssen, um sie vor Ort auslegen zu können. Wenn der Mini-Kipper zwischendurch für andere Tätigkeiten benötigt wird, müssen ihn die Mitarbeiter erst wieder entladen.
- Einbringen des Verbaumaterials zur Abstützung des Grabes.
Beim Grabausbau in den sog. "schwierigen Böden" fallen besonders in den Regenperioden die Stirn- und Seitenwände häufig ein. Die Arbeiten werden besonders durch einströmendes Wasser und Schlamm erschwert, ein Verbau von Hand ist kaum möglich. Die aufwändigen Ausbauarbeiten mit Bohlen und Spindeln lassen sich dann nur unter größten körperlichen Anstrengungen ausführen.
- Abräumen alter Grabsteine, Platten und Grabmäler.
Zurzeit erfolgt das Abräumen der alten Grabsteine von Hand, die Männer müssen die bis zu 500 kg schweren Steine ca. 3 bis 10 m weit tragen bzw. schleifen und sie auf der ca. 80 cm hohen Ladefläche des Mini-Kippers ablegen. Das Abladen der Steine an der Sammelstelle erfolgt ebenfalls von Hand.
- Verladung und Transport von Alleebäumen, Ballenpflanzen und Containerwaren. Dabei müssen Gewichte von bis zu 250 kg gehoben und getragen werden.
- Rodungsarbeiten von Bäumen und Sträuchern, Transport und Verladung des Schnittholzes.
- Verladung von Geräten (Rüttelplatten, Betonmischern, Stromaggregaten, Bewässerungsfässern, Schlauchwagen, Steintrennmaschinen usw.), die ein Gewicht von bis zu 150 kg haben, auf den Lkw und Anhänger.
- Verladung und Transport von Düngemitteln und Bodenverbesserungsstoffen (Kalk, Torf, Humus, Zement, Pflanzenbehandlungsmittel usw.) in Säcken von 25 bis 50 kg.
Sämtliche Verladearbeiten auf bzw. vom Kipper müssen von Hand erledigt werden. Der Kipper hat weder eine Ladehilfe noch eine hydraulisch unterstützte Kippvorrichtung.
- Steinverlegearbeiten an Grabfeldern und Wallgräben. Die zu verlegenden Formsteine und Steinplatten haben ein Gewicht von bis zu 80 kg.
Das Heranholen und Bereitstellen der Steine und Platten erfolgt von Hand, da am Transportwagen keine Hebehilfe angebracht ist. Auf dem alten Teil des Friedhofes müssen die Steine und Platten bis zu 15 m weit getragen werden, ein Anfahren mit dem Kipper ist aufgrund der schmalen Wege nicht möglich.
- Transport von Schüttgütern (Hartkalkstein, Sand usw.) erfolgt mit Schubkarren oder dem Mini-Kipper.
- Fahren des Großflächenmähers und des Mini-Kippers.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Damit die Mitarbeiter beim Grabausbau keine schweren Bohlen und Spindeln tragen und halten müssen, wird ein Gleitschalkasten eingesetzt. Dieser wird vor Arbeitsbeginn auf dem Grabfeld aufgestellt und gleitet mit dem Fortschreiten der Aushubarbeit in das Grab. Dadurch entfällt das schwere Hantieren mit den Bohlen und Metall-Spindeln.
Zum Transport und Lagern der Boden- und Fahrbleche sowie der Grablaufroste wurden zwei spezielle, niedrigere Transportwagen angeschafft. Auf diesen können die Ausrüstungsgegenstände zu jedem Ort gefahren und ohne großen Aufwand ab- bzw. aufgeladen werden. Darüber hinaus können die Bleche und Roste auf dem Transportwagen verbleiben und müssen nicht ständig auf- und abgeladen werden.
Für den Transport des überschüssigen Erdaushubs und aller im Grabfeld benötigten Baustoffe musste ein Motorkipper mit hydraulisch unterstützter Kippvorrichtung angeschafft werden. Darüber hinaus musste ein Transportfahrzeug mit einem Ladekran ausgerüstet werden, um den Arbeitern das schwere Heben der Steinplatten oder Grabsteine auf die bzw. von der Ladefläche zu erleichtern. Für das Abräumen zurückgegebener Grabstätten, speziell für den Abtransport alter Grabmäler, wird zur Erleichterung der Arbeit ein Steintransportwagen eingesetzt. Mit diesem können die Steine mit geringem Kraftaufwand beseitigt bzw. transportiert werden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

R/PB4833


Informationsstand: 08.08.2019