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Praxisbeispiel
Arbeitsassistenz für einen selbständigen Architekten mit Epilepsie

Wo lag die Herausforderung?

Beim Mann können täglich epilepsiebedingte Anfälle auftreten, die ein bis zwei Minuten dauern. Dabei kommt es zu einem absoluten Kontrollverlust und er ist anschließend orientierungslos. Seine psychischen und physischen Belastbarkeiten sind, auch bei vollem Bewusstsein, ebenfalls eingeschränkt. Der Mann benötigt bei Tätigkeiten Hilfe, die er wegen eines Anfalls nicht alleine machen kann.

Was wurde gemacht?

Da er selbst nicht Auto fahren darf, fährt seine Frau als Arbeitsassistenz ihn zu den Terminen bei der Kundschaft oder er nutzt öffentliche Verkehrsmittel. Außerdem erklärt sie im Falle eines Anfalls bei Telefonaten der Kundschaft, weswegen der Anruf unterbrochen wurde. Zusätzlich übernimmt sie Dinge im Büro, zu denen der Mann nicht mehr fähig ist.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Arbeitsassistenz für den Unternehmer wird vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Der Unternehmer muss dem Integrations- bzw. Inklusionsamt dazu eine genaue Auflistung der von der Arbeitsassistenz auszuführenden Tätigkeiten mit Zeitaufwand vorlegen.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Der Mann arbeitet als selbständiger Unternehmer. Er vermittelt und akquiriert Aufträge im Bauwesen.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mannes:

Der Mann ist an Epilepsie erkrankt. Es können täglich Anfälle auftreten, die ein bis zwei Minuten dauern. Dabei kann es zur Atemnot, zum Verlust der räumlichen Zuordnung und zur Verminderung der Einschätzungen von Proportionen kommen. Überdies kann der Mann während eines Anfalls weder agieren noch reagieren. Die Reorientierung erfolgt innerhalb weniger Minuten nach einem Anfall, wobei ihm manchmal danach nicht bewusst ist wo er ist und aus welchem Grund er dort ist. Behinderungsbedingt sind außerdem seine kognitiven Fähigkeiten (z. B. Aufmerksamkeit, Konzentration, verbales Gedächtnis und Lerngeschwindigkeit) und seine psychische Belastbarkeit eingeschränkt. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 70. Der Schwerbehindertenausweis enthält die Merkzeichen B und G.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann studierte Architektur und machte sich im Anschluss mit einem Architekturbüro selbstständig. Da er behinderungsbedingt nicht mehr in der Lage war seinen Beruf als Architekt auszuüben, schloss er das Architekturbüro und eröffnete ein Aquisebüro. Dies ermöglichte ihm einen Teil seiner Kenntnisse und Kontakte zur Vermittlung von Finanzierungen für Bauvorhaben weiter einzusetzen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Architekt arbeitet bei der Kundschaft vor Ort oder in seinem Büro bzw. Arbeitszimmer in seiner Wohnung. Er kann bestimmte Bürotätigkeiten, wie die Bearbeitung des Posteingangs sowie Buchungen und den Telefondienst, nicht mehr allein bewältigen. So ist es in Bezug auf den Telefondienst möglich, dass er während des Telefonierens einen Anfall bekommt und nicht mehr mit der Kundschaft sprechen und bezüglich der Bürotätigkeiten möglich, dass die erhöhte und dauerhaft erforderliche Konzentration anfallsauslösend sein kann.

Arbeitsumgebung:

Zu Terminen bei der Kundschaft vor Ort ist es ihm nach der Fahrererlaubnisverordnung (FeV) und medizinischem Gutachten nicht gestattet selbst mit dem Pkw zu fahren. Für die erforderlichen Fahrten benutzt der Architekt deshalb die öffentlichen Verkehrsmittel oder wird von seiner Frau gefahren.

Arbeitsorganisation:

Eine Arbeitsassistenz bzw. seine Frau als solche übernimmt täglich für vier Stunden bestimmte Tätigkeiten, die vom Architekten nicht mehr ausgeführt werden können. So übernimmt sie beispielsweise:
- beim Auftreten eines Anfalls während des Kontaktes mit der Kundschaft das Gespräch und erklärt warum das Gespräch unterbrochen wurde,
- die anfallenden Büro- und Verwaltungsaufgaben (Buchungen und Posteingang),
- den Fahrdienst zu Außenterminen, die schwer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind und
- die telefonische Hilfestellung zur Orientierung nach einem Anfall bei Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Schlagworte

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • IMBA - Arbeitsplanung
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Auffassung
  • IMBA - Aufmerksamkeit
  • IMBA - Ausdauer (psychisch)
  • IMBA - Führungsfähigkeit
  • IMBA - Konzentration
  • IMBA - Lernen/Merken
  • IMBA - Problemlösen
  • IMBA - Selbständigkeit
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Unfallgefährdung
  • IMBA - Verantwortung
  • IMBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)
  • MELBA - Arbeitsplanung
  • MELBA - Auffassung
  • MELBA - Aufmerksamkeit
  • MELBA - Ausdauer (psychisch)
  • MELBA - Führungsfähigkeit
  • MELBA - Konzentration
  • MELBA - Lernen/Merken
  • MELBA - Problemlösen
  • MELBA - Selbständigkeit
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Verantwortung
  • MELBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)

Referenznummer:

Pb/110752


Informationsstand: 12.08.2019