Praxisbeispiel
Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen bei einem Chemieunternehmen

Wo lag die Herausforderung?

Das Unternehmen suchte nach einer Lösung, um Menschen mit Behinderungen, die sonst nur bedingt einen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausüben können, ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu ermöglichen.

Was wurde gemacht?

Bereits vor vielen Jahren wurde dazu eine spezielle Betriebsabteilung gegründet. Ein achtköpfiges Team ist dort dafür zuständig, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderungen zu führen, anzuleiten, zu begleiten und zu betreuen. In der Abteilung werden unter anderem Arbeiten ausgeführt, die nicht automatisiert werden können oder bei denen nach der maschinellen Bearbeitung ein manueller Nachbearbeitungsbedarf besteht.

Das Unternehmen erhält zur Kompensation der außergewöhnlichen Belastung für die erforderliche personelle Unterstützung und zur Sicherung der Beschäftigung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Gleichstellung oder Schwerbehinderung vom Integrations- bzw. Inklusionsamt einen monatlichen Zuschuss.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter.

Unternehmen:

Das Unternehmen gehört zu einem internationalen Konzern und stellt in Deutschland an seinem Standort mit seinen rund 2.000 Beschäftigten u. a. Medikamente für die Behandlung von Atemwegserkrankungen, Allergien, Stoffwechselerkrankungen und Herzkreislauferkrankungen her.
Seit vielen Jahren gehört zum Unternehmen eine spezielle Betriebsabteilung, in der Menschen mit Behinderungen, die nur bedingt auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eingesetzt werden können, in einem regulären Beschäftigungsverhältnis auf Tarifbasis arbeiten. Für dieses Engagement und die nachhaltige Initiative wurde das Unternehmen vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) mit dem Responsible-Care-Preises ausgezeichnet.

Behinderung und Beeinträchtigung der Beschäftigten in der Betriebsabteilung:

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben geistige und teilweise auch körperliche Behinderungen. Behinderungsbedingt haben sie Beeinträchtigungen beim Lernen und Merken von neuen sowie komplexeren Aufgaben. Sie benötigen daher zusätzliche sowie einfach aufbereitete Erklärungen sowie eine gezielte Unterstützung und Begleitung, um bestimmte Aufgaben ausführen zu können. Die Beschäftigten mit einer zusätzlichen Körperbehinderung sollten nicht für das manuelle Heben und Tragen schwerer Lasten eingesetzt werden. Dies gilt besonders, wenn dabei bestimmte Körperhaltungen wie das Bücken eingenommen werden müssen.

Ausbildung und Beruf:

Die Beschäftigten haben keinen Beruf erlernt und arbeiten als angelernte Hilfskräfte im Unternehmen.

Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation:

In der Betriebsabteilung arbeiten auf einer Fläche von etwa 1.000 Quadratmetern 30 Beschäftigte mit Behinderungen und ein achtköpfiges Team, das sie führt, anleitet, begleitet und unterstützt. Zu diesem Team gehören ein Leitungsduo, vier Sozialarbeiterinnen bzw. Sozialarbeiter und zwei Arbeitsvorbereiterinnen.
An ergonomisch eingerichteten Arbeitsplätzen in einem barrierefreien Umfeld werden dort unter anderem folgende Aufgaben von ihnen übernommen, die sie täglich zu Arbeitsbeginn mit Hilfe eines einfachen Ampelsystems und Piktogrammen an einer Magnettafel angezeigt bekommen:
  • das Verpacken und die Umkonfektionierung der Medikamente bzw. Tablettenblister,
  • der Austausch und das Falzen von Packungsbeilagen,
  • das Aufkleben von Etiketten und
  • die Abwicklung der Unternehmenspost.
Sollten Fragen oder Schwierigkeiten bei den Aufgaben auftreten, so erhalten die betreffenden Beschäftigten die erforderliche Unterstützung durch das Leitungs- und Betreuungsteam.
Trotz der automatisierten Prozesse und Abläufe im Unternehmen sind die manuell auszuführenden Arbeiten in der Abteilung erforderlich, da nicht alle Packungsbeilagen maschinell gefalzt und in die Verpackung geschoben werden können, ohne dass Tablettenblister beschädigt werden. Es kann auch vorkommen, dass Medikamente maschinell falsch etikettiert oder dass maschinell zu viele oder zu wenige Tablettenblister in eine Packung geschoben wurden.

ICF-Items

Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ELA - Bücken/Aufrichten
  • ELA - Heben
  • ELA - Tragen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitsplanung
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Auffassung
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Lernen/Merken
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Problemlösen
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Selbständigkeit
  • IMBA - Tragen
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)
  • MELBA - Arbeitsplanung
  • MELBA - Auffassung
  • MELBA - Lernen/Merken
  • MELBA - Problemlösen
  • MELBA - Selbständigkeit
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)

Referenznummer:

Pb/111314


Informationsstand: 12.08.2025