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Praxisbeispiel
Arbeitsplatz­gestaltung für einen Produktionshelfer

Wo lag die Herausforderung?

Der Produktionshelfer sollte aufgrund einer Rückenerkrankung nicht schwer heben sowie tragen und es vermeiden, bestimmte Körperhaltungen einzunehmen. Bei der Ausübung seiner Tätigkeit musste er jedoch unter anderem schwere Säcke häufig manuell heben und tragen sowie dabei auch stark belastende Arbeitshaltungen einnehmen. Eine Gefährdungsbeurteilung mittels der sogenannten Leitmerkmalmethode für das Heben und Tragen verdeutlichte die Dringlichkeit einer behinderungsgerechten Arbeitsplatzgestaltung.

Was wurde gemacht?

Zur behinderungsgerechten Gestaltung wurden folgende Hilfsmittel eingesetzt:
handgeführte industrielle Transportgeräte (Tischwagen)
Förderer (Saugförderer)
Manipulatoren und Gewichtsbalancer (Vakuumheber)
Hebe- und Positionierungssysteme

Die Rentenversicherung förderte die medizinische Rehabilitation und die Hilfsmittel zur Teilhabe am Arbeitsleben, wobei der Technische Beratungsdienst des Integrations- beziehungsweise Inklusionsamtes die Rentenversicherung im Rahmen der Amtshilfe in Bezug auf die Arbeitsgestaltung unterstützte.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter und der Deutschen Rentenversicherung.

Unternehmen:

Das mittelständische Pharmazieunternehmen stellt mit seinen 150 Beschäftigten Nahrungsergänzungsmittel, Fertigarzneimittel, Kosmetika und ätherische Öle her.

Behinderung und Beeinträchtigung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Rückenerkrankung. Er sollte deshalb nicht schwer heben sowie tragen und es vermeiden, bestimmte Körperhaltungen (Bücken/Beugen oder Drehen des Oberkörpers) bei der Ausübung einer Tätigkeit einzunehmen. Er nahm bereits an einer medizinischen Rehabilitation zur Verbesserung des Gesundheitszustandes teil und wurde von der Arbeitsagentur Menschen mit einer Schwerbehinderung gleichgestellt.

Beruf:

Der Mann arbeitet seit einigen Jahren beim Unternehmen als Produktionshelfer.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Produktionshelfer ist beim Unternehmen im Reinraumbereich zur Tablettenherstellung tätig. Der Reinraumbereich besteht aus einzelnen Reinräumen, in denen jeweils eine Tablettenpressmaschine steht. Je nach Rezeptur transportierte der Produktionshelfer die erforderlichen 25 Kilogramm schweren Pulversäcke von einer Schleuse, wo die verschiedenen Pulversäcke bzw. Pulversorten gelagert werden, zum Abwiegen bzw. Portionieren. Dazu legte er per Hand vier bis fünf Säcke aus unterschiedlichen Höhen auf einen Rollwagen und fuhr sie anschließend in den Reinraumbereich zu einer Tafelwaage. Auf diese in den Boden eingearbeitete Waage musste der Produktionshelfer jeden Sack einzeln heben und wiegen, um das genaue Gewicht zur Portionierung festzustellen. Danach wurden die Säcke mit dem Rollwagen zu den Tablettenpressmaschinen transportiert. Je nach Rezeptur und Auftragsmenge wurden die Pulversäcke anschließend in die Tablettenpressmaschinen gefüllt. Die fertigen Tabletten fielen in einen Plastiksack mit bis ca. zehn Kilogramm Gewicht, der auf einem nicht höhenverstellbaren und viel zu niedrigen Tisch gehoben sowie stehend mit stark vorgebeugtem Oberkörper gewogen und abschließend etikettiert werden musste. Je nach Auftragssituation arbeitet der Produktionshelfer parallel an drei Tablettenpressmaschinen in unterschiedlichen Räumen. Diesen Arbeitsablauf wiederholte der Produktionshelfer für bis zu 30 Säcke am Tag.
Der von der Rentenversicherung im Rahmen der Amtshilfe eingeschaltete technische Berater des Integrations- bzw. Inklusionsamtes ermittelte mit Hilfe der Leitmerkmalmethode für das Heben und Tragen zur Gefährdungsbeurteilung, dass ohne Hilfsmittel eine Gefahr für die Gesundheit bzw. eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes besteht. Der Arbeitsplatz musste deshalb für den behinderungsbedingt beeinträchtigten Produktionshelfer angepasst werden.
Für das Heben und Transportieren der Pulversäcke in der Schleuse wurde ein an einem Schienensystem verfahrbarer Vakuum-Schlauchheber installiert, der durch einfache Bedienung das Arbeiten ohne körperliche Anstrengung ermöglicht. Die Pulversäcke werden mit dem Vakuumhebegerät auf einen Rollwagen gehoben, mit dem der Produktionshelfer anschließend in den Reinraumbereich zur Tafelwaage fährt. In dem Raum mit der Tafelwaage wurde ein weiterer Vakuum-Schlauchheber (an einer Wand an einem schwenkbaren Ausleger) zum Heben der Pulversäcke auf die im Boden eingelassene Tafelwaage installiert. Nach dem genauen Abwiegen werden die Pulversäcke wieder mit dem Vakuum-Schlauchheber auf den Rollwagen gehoben und anschließend zu den Räumen mit den Tablettenpressmaschinen geschoben. Je nach Rezeptur und bestellter Menge werden die Tablettenpressmaschinen in einem der drei Räume befüllt. Über Saugförderer wird das Pulver aus den Säcken in die jeweilige Tablettenpresse transportiert und die fertigen Tabletten werden in die Plastiksäcke mit bis zu zehn Kilogramm Gewicht gefüllt. Auf höhenverstellbaren Packtischen mit Memoryfunktion, zum Positionieren auf die vorher eingestellte individuelle Arbeitshöhe, werden die Plastiksäcke mit den fertig gepressten Tabletten in einer ergonomischen Arbeitshöhe ohne Zwangshaltung etikettiert und zur Kontrolle gewogen. Der Arbeitsablauf wurde mit Hilfe der Arbeitsmittel so umgestaltet, dass der Produktionshelfer seine Tätigkeit auf Dauer weiter ohne größere Belastungen ausüben kann.

Eingesetzte Hilfsmittel – Anzeigen der Produkte:

handgeführte industrielle Transportgeräte (Tischwagen)
Förderer (Saugförderer)
Manipulatoren und Gewichtsbalancer (Vakuumheber)
Hebe- und Positionierungssysteme

ICF-Items

Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ELA - Bücken/Aufrichten
  • ELA - Heben
  • ELA - Tragen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

Pb/110706


Informationsstand: 10.03.2026