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Praxisbeispiel
Arbeitsgestaltung für eine Lageristin mit einer Spastik und Epilepsie bei einem Kunststoffunternehmen

Wo lag die Herausforderung?

Die Bürokauffrau hat eine Mono-Spastik, von der der linke Arm betroffen ist und Epilepsie. Daher kann sie nur eingeschränkt Lasten mit beiden Händen heben/tragen und Faktoren, welche einen epileptischen Anfall begünstigen, sollten an ihrem Arbeitsplatz vermieden werden. Allerdings muss sie bei ihrer Arbeit im Lager eines Unternehmens zur Verarbeitung von Kunststoffen oft große Mengen von Granulat handhaben und die Beleuchtung des Unternehmens neigt bei starkem Stromverbrauch zum Flackern.

Was wurde gemacht?

Zum Handhaben von Lasten beim Ein- und Auslagern von Granulat wurde ein Minilifter angeschafft. Auch wurden neue LED-Arbeitsleuchten für die Beleuchtung des Unternehmens angeschafft, welche aufgrund ihres geringen Stromverbrauchs auch bei Spitzenbelastungen des Netzes nicht flackern. So konnte eine Kündigung vermieden werden.

Schlagworte und weitere Informationen

Der Arbeitsplatz konnte durch die behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung erhalten und die Kündigung somit vermieden werden. Das Integrations- bzw. Inklusionsamt förderte dabei das dazu erforderliche Hilfsmittel. Die Beratung erfolgte durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Integrationsämter.

Arbeitgeber:

Das Unternehmen stellt mit seinen 121 Beschäftigten Präzisions-Spritzgussteile und Verschlüsse aus Kunststoff, von der Kundenanfrage über die Projektentwicklung, den Werkzeugbau bis zur Serienfertigung, für die Automobilindustrie, Verpackungsindustrie, Steuerungstechnik usw. her. Von den 121 Beschäftigten haben drei eine Schwerbehinderung.
Der Arbeitgeber beantragte beim Integrations- bzw. Inklusionsamt die Zustimmung zur Kündigung von einer Mitarbeiterin mit einer Schwerbehinderung.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiterin:

Die Frau hat eine Mono-Spastik, von der der linke Arm betroffen ist und eine Epilepsie. Sie sollte durch ihre behinderungsbedingt eingeschränkten Fähigkeiten nicht für den manuellen Lastentransport eingesetzt werden, der das Heben, Tragen und Handhaben von Lasten mit beiden Händen / Armen erfordert. Aufgrund der Epilepsie sollten Faktoren, die eine Auslösung eines Anfalls (z. B. durch das Flackern der Beleuchtung) begünstigen, vermieden werden. Die Frau ist schwerbehindert und hat einen Grad der Behinderung (GdB) von 60.

Ausbildung und Beruf:

Die Frau absolvierte beim Arbeitgeber eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Nach der Ausbildung erhielt sie vom Arbeitgeber einen Arbeitsvertrag bzw. eine Vollzeitstelle als Lageristin.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Zur Herstellung der Kunststoffteile wird mit verschieden farbigem Granulat gearbeitet. Mehr als 1000 Sorten Granulat in verschiedenen Farben werden dazu von der Mitarbeiterin im Lager verwaltet und in verschieden Verpackungen (Plastiksack, Karton oder Plastikbehälter) in Regalen gelagert. Über den PC erhält die Mitarbeiterin den Tagesbedarf (Menge und Farbe) an Granulat für die Produktion. Danach stellt sie das erforderliche Granulat auf einem Regal zur Abholung durch die Beschäftigten in der Produktion bereit. Das bereitgestellte Granulat wird über den PC mit Hilfe einer Lagerverwaltungssoftware aus dem Warenbestand ausgebucht. In einem anderen Regal stellen die in der Produktion Beschäftigten das nicht verbrauchte Granulat hinterher wieder ab. Die Mitarbeiterin bucht diese Mengen nach dem Wiegen wieder in den Warenbestand ein. Das Ein- und Ausbuchen erfolgt über den Barcode auf den Verpackungen mit einem speziellen kabellosen Lager-Handscanner mit zusätzlicher Eingabemöglichkeit (z. B. für das Gewicht), der die Informationen per Funk zum PC mit der Lagerverwaltungssoftware sendet.
Für den Transport zum Ein-/ Auslagern sowie Wiegen des Granulates stand ein nicht ausreichend geeigneter Gabelhubwagen zur Verfügung. Aus diesem Grund kam es vor, dass die Mitarbeiterin in bestimmten Situationen bis zu zwölfmal pro Stunde Granulat mit einem Gewicht von 15 kg und mehr tragen und heben musste - was behinderungsbedingt vermieden werden sollte.
Bei der Arbeitsplatzbesichtigung wurden die Arbeitsbedingungen und -belastungen vom Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes analysiert und dabei festgestellt, dass die Hebe- und Tragevorgänge mit einem geeigneten Hilfsmittel von der Mitarbeiterin zu bewältigen sind. Zunächst erprobt und später eingesetzt dazu wurde ein sog. Minilifter mit einer Plattform aus Edelstahl und drei Ladehilfsrollen. Mit Hilfe des Minilifter können auch die engen Gänge zwischen den Regalen gut befahren werden. Zum Ein- und Auslagern wird die Plattform des Minilifters elektromotorisch auf die Ladehöhe gefahren und das Ladegut wird über die Rolle auf die Plattform gezogen oder von dieser auf die Regalflächen geschoben.

Arbeitsumgebung:

Bei starkem Stromverbrauch kommt es in Bereichen des Unternehmens, z. B. auch im Lager, zum Flackern der Beleuchtung. Da diese Situation nicht nur für die an Epilepsie erkrankte Mitarbeiterin nicht tragbar ist, erfolgte eine Umrüstung der Beleuchtung auf LED-Technik mit einem niedrigen Stromverbrauch. Auch bei höherem Stromverbrauch in den Verbrauchsspitzen kommt es nun nicht mehr zum Flackern der Beleuchtung.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Licht
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

Pb/110945


Informationsstand: 08.10.2019