Inhalt

Praxisbeispiel
Arbeitsgestaltung und Beschäftigungs­sicherungs­zuschuss für einen Produktionshelfer mit einer Rückenerkrankung und Gehbehinderung

Wo lag die Herausforderung?

Behinderungsbedingt ist die Arbeitsleistung verringert. Bestimmte Körperhaltungen, wie langes Sitzen sowie Stehen oder Bücken, sollten vermieden werden. Außerdem sollten keine Lasten manuell getragen bzw. transportiert werden.

Was wurde gemacht?

Es wurde eine CNC-gesteuerte Säge mit Leistenzuführung, für den Weitertransport der Leisten wurde ein fahrbares Rundregal und ein Lagersystem angeschafft. Außerdem wurden an den Gehrungssägen Ablage- bzw. Bereitstellmöglichkeiten angeordnet, auf denen Sichtlagerkästen für die gesägten Bilderrahmenleisten abgestellt bzw. bereitgestellt werden können, damit der Mitarbeiter sich nicht bücken muss. Zusätzlich benötigt er einen gepolsterten Arbeitshochstuhl mit Unterarmstützen. Die verbleibende verringerte Arbeitsleistung konnte nur durch einen finanziellen Ausgleich kompensiert werden.

Schlagworte und weitere Informationen

Zur Sicherung des Arbeitsverhältnisses des Mitarbeiters erhält der Arbeitgeber einen Beschäftigungssicherungszuschuss und eine Betreuungsaufwandsentschädigung für die personelle Unterstützung als Ausgleich der außergewöhnlichen Belastung für den Zeitraum von 12 Monaten (Abschluss der geplanten Baumaßnahme) vom Integrations- bzw. Inklusionsamt. Die dann erforderlichen Hilfsmittel zur behinderungsgerechten Gestaltung werden vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Die Beratung erfolgte durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrations- bzw. Inklusionsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Das Unternehmen fertigt industriell Bilderrahmen und Leisten für Bilderrahmen.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Rückenerkrankung und ist schwerbehindert. Sein Gang ist stark verlangsamt und unsicher - er stürzte deshalb bereits einige Male. Außerdem hat er Probleme beim Heben sowie Tragen - selbst bei leichten Gewichten und muss wegen schneller Erschöpfung häufiger Pausen einlegen.

Beruf:

Der Mann arbeitet teilweise im Lager sowie überwiegend als Produktionshelfer.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Mann arbeitet zusammen mit einem Kollegen in der Sägerei im Produktionsbereich. Der Kollege arbeitet die Aufträge mit großen Stückzahlen ab, damit die anderen Fertigungsbereiche zur Weiterverarbeitung mit ausreichend Material versorgt sind. Der Mitarbeiter mit Schwerbehinderung bearbeitet entsprechend die Aufträge mit kleineren Stückzahlen und kann daher bei der Abwicklung der Aufträge auf Lieferwünsche flexibel reagieren. Diese Arbeiten erfordern jedoch eine gewisse körperliche Beweglichkeit. Durch seine körperlichen Einschränkungen ist der Mitarbeiter nicht in der Lage alle erforderlichen Arbeitsschritte selbständig auszuführen. Für die Entnahme der Holzleisten aus dem Lager und den Weitertransport ist er auf die Hilfe einer Kollegin angewiesen, die dies auf Zuruf für ihn erledigt. Weiterhin sind die von ihm benötigten Maschinen nur im Stehen bedienbar, was ihm aber auf Grund seiner Behinderung Probleme bereitet.

Im Zusammenhang mit dem Bau einer neuen Produktionshalle soll auch der Arbeitsbereich des Mitarbeiters behinderungsgerecht ausgestattet werden. An der Doppelgehrungssäge soll ein Magazin eingesetzt werden, so dass der Mitarbeiter immer mit einer ausreichenden Zahl von Werkstücken versorgt ist und nicht auf die unmittelbare Zuarbeit der Kollegin angewiesen ist. Außerdem ist der Einsatz einer CNC-gesteuerten Säge mit Leistenzuführung geplant. Diese Lösung ermöglicht auch das Sitzen an der Säge und erleichtert dem Mitarbeiter die Arbeit. Für den Weitertransport der Leisten wird ein fahrbares Rundregal angeschafft. Außerdem werden an den Gehrungssägen Ablagetische angeordnet, auf denen Sichtlagerkästen für die gesägten Bilderrahmenleisten abgestellt bzw. bereitgestellt werden können, damit der Mitarbeiter sich nicht bücken muss. Zusätzlich benötigt er einen gepolsterten Arbeitshochstuhl mit Unterarmstützen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

Arbeitsorganisation:

Bereits nach wenigen Arbeitsstunden fühlt sich der Mann erschöpft und muss Pausen einlegen. Sein Bewegungsablauf ist verlangsamt und demzufolge seine Arbeitsleistung vermindert. Er selbst beurteilt seine Arbeitsleistung um mehr als 30 Prozent vermindert gegenüber der Normalleistung. Des Weiteren ist es ihm nicht möglich die Profilleisten aus dem Lager zu holen. Hierfür benötigt er mehrmals pro Tag die Hilfe einer Kollegin. Die oben beschriebene behinderungsgerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes ist unter Berücksichtigung der geplanten Baumaßnahme kurzfristig nicht realisierbar. Demzufolge wird versucht, dem Mitarbeiter die erforderlichen Pausen zur Erholung zu ermöglichen.

Schlagworte

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Stehen
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Selbständigkeit
  • IMBA - Stehen
  • IMBA - Tragen
  • IMBA - Umstellung
  • MELBA - Selbständigkeit
  • MELBA - Umstellung

Referenznummer:

R/PB4221


Informationsstand: 11.11.2019