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Praxisbeispiel
Umschulung eines Krankenpflegers zum Sozialversicherungs-Fachangestellten

Wo lag die Herausforderung?

Der Mann hat eine Darmerkrankung mit künstlichem Darmausgang und nutzt deshalb einen Stoma- bzw. Kolostomiebeutel. Behinderungsbedingt konnte der Mann seinen eigentlichen Beruf als Krankenpfleger nicht mehr ausführen. Nach und nach entwickelte der Mann eine Alkoholsucht. Dadurch verlor er außerdem seinen Führerschein.

Was wurde gemacht?

Nach einer Therapie bemühte sich der Mann um eine berufliche Reha-Maßnahme bei der Arbeitsagentur. Diese schlug eine Berufsfindung in einem Berufsförderungswerk (BFW) vor. Dort entschied man gemeinsam, dass der Mann eine Umschulung zum Sozialversicherungs-Angestellten absolvieren sollte. Nach einem Rehabilitations-Vorbereitungslehrgang absolvierte er die Umschulung im BFW erfolgreich. Durch das Bestehen der Medizinisch-Psychologische Untersuchung, gelang es dem Mann den Führerschein zurück zu erhalten. Mit Hilfe des Berufsförderungswerks und der Arbeitsagentur fand er schnell eine neue Stelle bei einer Krankenkasse.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Kosten für die Berufsfindung, den Rehabilitations-Vorbereitungslehrgang und die Berufsausbildung im BFW wurden von der Arbeitsagentur getragen. Die Beratung und Vermittlung erfolgte dabei ebenfalls durch die Arbeitsagentur. Die Arbeitsagentur zahlte dem Unternehmen bzw. der Krankenkasse außerdem einen Eingliederungszuschuss als Lohnkostenzuschuss.
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Telefonnummer der Arbeitsagenturen und von Berufsförderungswerken.

Unternehmen:

Das Unternehmen ist eine Krankenkasse, die einen Mitarbeiter mit Behinderung nach einer Umschulung neu einstellte.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Darmerkrankung. Die Krankheit trat auf, als er bereits als Krankenpfleger arbeitete und äußerte sich in starken Durchfällen und Blutungen. Weil sein Dickdarm mit Geschwüren übersät war, wurde ihm dieser entfernt und durch einen künstlichen Darmausgang im Bauchraum ersetzt. Der Mann trägt deshalb einen Stoma- bzw. Kolostomiebeutel. Für Tätigkeiten, die ein schweres Heben und Tragen sowie die Einnahme bestimmter Körperhaltungen erfordern, kann er nicht mehr eingesetzt werden. Dies gilt besonders bei der Handhabung von Lasten in einer gebeugten oder gebückten Körperhaltung, da es dabei zu Pressungen im Bauchbereich kommt.
Im Laufe der Zeit entwickelte er zusätzlich ein Alkoholproblem und wurde abhängig sowie unzuverlässig. Dies könnte damit zusammenhängen, dass er bestimmte Medikamente, die Opiate enthielten, einnehmen musste. Als er sie absetzte, stieg er auf Alkohol um und verlagerte so seine Sucht.

Ausbildung und Beruf:

Nach der mittleren Reife bzw. Fachoberschulreife erlernte der Mann den Beruf des Kfz-Mechatronikers. Danach verpflichtete er sich für mehrere Jahre bei der Bundeswehr als Soldat und absolvierte dort in der Zeit eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Als seine Darmerkrankung ausbrach, musste er diesen Beruf aufgeben und wurde arbeitslos. Eine Zeit lang hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, begann aber während dieser Zeit vermehrt Alkohol zu trinken.

Umschulung:

Der Mann entschloss sich eine Entwöhnungstherapie zu machen. Um nach der Entwöhnung aber nicht ins Leere zu fallen, bemühte er sich um eine Rehabilitationsmaßnahme bei der Arbeitsagentur. Dort wurde ihm vorgeschlagen, eine Berufsfindung in einem Berufsförderungswerk (BFW) zu machen. Im BFW kam man zu dem Ergebnis, dass eine Beschäftigung bei einer Krankenkasse, als Sozialversicherungs-Fachangestellter, eine berufliche Perspektive für ihn sei. Zunächst besuchte er im BFW einen dreimonatigen Rehabilitations-Vorbereitungslehrgang (RVL). Im Anschluss daran absolvierte er die eigentliche Berufsausbildung bzw. Umschulung, die er auch erfolgreich abschloss. Die Umstellung und das Lernen bereiteten ihm keine Probleme. Was die Stellensuche anbelangt, so fand er schnell mit Hilfe des Berufsförderungswerks und der Arbeitsagentur eine Stelle in seinem neuen Beruf, was er auch auf sein inzwischen selbstbewusstes Auftreten bei den Bewerbungen zurückführt. Während der Ausbildung wurde er durch den psychosozialen und medizinischen Fachdienst des Berufsförderungswerks betreut.

Arbeitsumgebung - Mobilität:

Obwohl er wegen seiner Alkoholkrankheit ein Fahrverbot ausgesprochen bekommen hatte, gelang es ihm durch das Bestehen der Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) den Führerschein zurück zu erhalten. Dies war für seine neue berufliche Tätigkeit eine wichtige Voraussetzung.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Ausdauer (psychisch)
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Kontaktfähigkeit
  • IMBA - Kritikfähigkeit
  • IMBA - Kritisierbarkeit
  • IMBA - Misserfolgstoleranz
  • IMBA - Ordnungsbereitschaft
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Teamarbeit
  • IMBA - Tragen
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Verantwortung
  • MELBA - Ausdauer (psychisch)
  • MELBA - Kontaktfähigkeit
  • MELBA - Kritikfähigkeit
  • MELBA - Kritisierbarkeit
  • MELBA - Misserfolgstoleranz
  • MELBA - Ordnungsbereitschaft
  • MELBA - Teamarbeit
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Verantwortung

Referenznummer:

R/PB1700


Informationsstand: 06.01.2021