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Praxisbeispiel
Weg in die Selbständigkeit für einen arbeitslosen Bäckermeister

Wo lag die Herausforderung?

Behinderungsbedingt kann der Bäckermeister nachts nicht mehr tätig sein und es kommt bei länger andauernden Arbeiten zu Erschöpfungszuständen mit Lähmungserscheinungen an den Armen. Er benötigt deshalb längere Erholungspausen während der Arbeitszeit. Bei seinem alten Unternehmen konnte er aus diesen Gründen nicht weiter beschäftigt werden.

Was wurde gemacht?

Der Bäckermeister machte sich selbstständig und kann so die Arbeitsgeschwindigkeit, Arbeitsabläufe und erforderlichen Pausen selbst festlegen. Er spezialisierte sich außerdem auf Backwaren aus Teig mit langen Ruhezeiten. So ist es ihm möglich den Teig an einem Tag herzustellen und erst am Tag darauf zu backen. Durch die Umstellung und die damit verbundene Flexibilität konnten Stress und Erschöpfung vermieden werden. Das für den Transport der Backwaren eingesetzte Fahrzeug wurde zur Verringerung der Belastungen bei der Lastenhandhabung mit einer Verladerampe ausgerüstet.

Schlagworte und weitere Informationen

Den Gründungszuschuss und das zinslose Darlehen erhielt der Bäckermeister von der Arbeitsagentur. Das Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt förderte die Verladerampe für den Transporter. Der Weg in die Selbständigkeit wurde beratend durch ein Existenzgründerzentrum und einen Fachberater einer Handwerkskammer zur Beschäftigung von Menschen mit Schwerbehinderungen begleitet.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Arbeitsagenturen, Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter und Fachberater der Kammern.

Unternehmen:

Das beschäftigende Unternehmen war vorher eine Bäckereikette.

Behinderung und Beeinträchtigung des Mannes:

Der Mann ist an Multipler Sklerose (MS) mit krankheitsbedingten Schüben erkrankt und nimmt deshalb Medikamente ein. Behinderungsbedingt kann er nachts nicht mehr tätig sein und es kommt bei länger andauernden Arbeiten zu Erschöpfungszuständen mit Lähmungserscheinungen an den Armen - besonders rechts. Er benötigt deshalb, wegen der Erschöpfungszustände, längere Erholungspausen während der Arbeitszeit.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann ist Bäckermeister und arbeitete in einem befristeten Arbeitsverhältnis. Nach dem Ablauf des Arbeitsvertrages wurde er vom Unternehmen nicht weiter beschäftigt bzw. nicht in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen, da er unter den vorliegenden und für den Beruf üblichen Arbeitsbedingungen die Tätigkeit nicht weiter ausüben konnte. Nach dem Ende der befristeten Beschäftigung wurde der Bäckermeister arbeitslos.

Weg in die Selbständigkeit:

Der Bäckermeister meldete sich bei der Arbeitsagentur arbeitssuchend. Bereits während des letzten Beschäftigungsverhältnisses entwarf er für sich ein Konzept zur Existenzgründung, mit dem Ziel durch eine entsprechende Arbeitsorganisation weiter als Bäcker erwerbstätig sein zu können. Er stellte schließlich sein Konzept mit dem Weg in die Selbständigkeit bei der Arbeitsagentur vor. Die Arbeitsagentur vermittelte den Kontakt zur Handwerkskammer und einer Existenzgründungsberatung, die das Konzept bzw. den Businessplan überprüfte und Hinweise gab.
Die Idee war regionale Backwaren über eine erzeugende Gemeinschaft, über direkte Bestellungen der Kundschaft (z. B. für Veranstaltungen) oder auf dem Markt und vor einer anzumietenden Backstube (ohne Laden) zu vertreiben bzw. zu verkaufen.
Der Businessplan wurde von der Arbeitsagentur für umsetzbar befunden und ein Gründungszuschuss sowie zinsloses Darlehen bewilligt. In Zusammenarbeit mit dem Fachberater der Handwerkskammer erhielt der Bäckermeister eine technische Beratung und Unterstützung bei der Beantragung der einzusetzenden technischen Arbeitshilfe für den anzuschaffenden Transporter beim Integrations- bzw. Inklusionsamt. Mit Hilfe des Gründungszuschusses und des Darlehens konnte der Bäckermeister eine leerstehende Backstube anmieten, die benötigten Arbeitsgeräte und Maschinen (z. B. Backofen und Knetmaschine) gebraucht anschaffen und das erforderliche Transportfahrzeug ebenfalls gebraucht kaufen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Bäckermeister stellt Teigwaren (Brot, Brötchen und Stollen usw.) in der gemieteten Backstube her und verkauft diese u. a. auf Bestellung sowie einmal wöchentlich vor der Backstube und an einem anderen Tag auf dem Markt. Das für den Transport der Backwaren eingesetzte Fahrzeug wurde zur Verringerung der Belastungen bei der Lastenhandhabung mit einer Verladerampe zum Be- und Entladen ausgerüstet.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

Arbeitsorganisation:

Durch die Selbständigkeit kann der Bäckermeister Arbeitsgeschwindigkeit, Arbeitsabläufe und erforderliche Erholungsphasen bzw. Pausen selbst festlegen. Er spezialisierte sich auf Brot und Brötchen mit Mehl aus der Region und Teig mit langen Ruhezeiten. Durch die Umstellung ist es ihm möglich Teig an einem Tag herzustellen und erst am Tag darauf zu backen. Infolge dieser Umstellung und der damit verbundenen Flexibilität konnten Stressfaktoren und Erschöpfungszustände vermieden werden - so verbesserte sich auch der Gesundheitszustand des Mannes.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Handkoordination (rechts/links)
  • EFL - Handumwendebewegungen (rechts/links)
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Dreipunktgriff
  • ERGOS - Fingergeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgreifkraft
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Schlüsselgreifkraft
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Feinmotorik (Hand- und Fingergeschicklichkeit)
  • IMBA - Führungsfähigkeit
  • IMBA - Hand-/Fingerbewegungen
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • MELBA - Feinmotorik
  • MELBA - Führungsfähigkeit

Referenznummer:

Pb/110882


Informationsstand: 28.12.2021