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Praxisbeispiel
Kaufmann für Büromanagement beim WDR

Es gibt eine Abbildung zu diesem Praxisbeispiel:
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Wo lag die Herausforderung?

Der Kaufmann hat eine Paraspastik, weshalb er einen Rollstuhl nutzen muss und seine Motorik, sein Greifraum sowie seine Mobilität eingeschränkt sind. Das Erreichen des Arbeitsplatzes sowie die Nutzung der Gebäudeeinrichtungen (Türen, Toilette usw.) müssen barrierefrei möglich sein und der Arbeitsplatz muss entsprechend behinderungsgerecht gestaltet werden.

Was wurde gemacht?

Der Kaufmann arbeitet in einem Büro an einem höhenverstellbaren Schreibtisch und noch im ebenerdigen Eingangsbereich, wo er Besucherinnen und Besuchern mit Hilfe eines Tablets Auskünfte erteilt. Den WDR erreicht er durch einen Fahrdienst. Die sonstigen Wege dort legt er mit seinem Elektrorollstuhl zurück. Entsprechend behinderungsgerechte Toiletten sind in jedem Gebäude vorhanden. Alle nötigen Zugänge und Wege wurden barrierefrei gestaltet und auch die Evakuierung mit Hilfe eines Evakuierungsstuhl aus dem Büro wurde berücksichtigt.

Schlagworte und weitere Informationen

Während der Ausbildung benötigte der Kaufmann tätigkeitsbeding stundenweise eine Arbeitsassistenz, die wie auch der Fahrdienst, ein Zuschuss zur Ausbildungsvergütung und die Hilfsmittel (Arbeitstisch und Evakuierungsstuhl) von der Arbeitsagentur gefördert wurden. Die kosten für den Fahrdienst werden in der Zukunft vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert werden, da noch nicht die entsprechenden Versicherungszeiten bzw. Wartezeiten zur Kostenübernahme durch die Rentenversicherung vorliegen.
Unterstützt wurde der Übergang von der Schule in die Ausbildung und anschließend von der Ausbildung in die Festanstellung von der Schwerbehindertenvertretung. Die Schwerbehinderung war außerdem beratend eingebunden in Bezug auf die barrierefreie Gestaltung und der Entwicklung des Bewerbungsverfahrens, unter dem Aspekt der Beteiligung bzw. Bewerbung von Menschen mit Behinderung.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Arbeitsagenturen, Integrations- bzw. Inklusionsämter und Rentenversicherung.

Arbeitgeber:

Der Westdeutsche Rundfunk bzw. WDR beschäftigt rund 4.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in knapp 150 Berufen - u. a in den Bereichen Verwaltung, kaufmännische Berufe, Redaktion, Technik und IT. Im Rahmen der Beschäftigung spielen Vielfalt und Inklusion - speziell von Menschen mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung - eine wichtige Rolle. Dies wird besonders durch die Förderung der Beschäftigung und Realisierung der Chancengleichheit unterstütz, wobei beispielsweise Instrumente wie eine Zielvereinbarung zur Barrierefreiheit und das Betriebliche Eingliederungsmanagement helfen dies in die Praxis umzusetzen.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Spastik in den unteren Extremitäten (Paraspastik) und ist auf die Nutzung eines Rollstuhls angewiesen. Seine Motorik, Greifraum und die Mobilität sind eingeschränkt.

Ausbildung und Beruf:

Er besuchte zunächst eine Schule mit Förderschwerpunkt Körperliche und motorische Entwicklung und wechselte anschließend auf ein Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung, wo er erfolgreich die Handelsschule absolvierte. Danach bewarb er sich beim WDR um einen Ausbildungsplatz als Kaufmann für Büromanagement und nahm mit Erfolg am Auswahlverfahren bzw. barrierefreien Online-Berufseignungstest, Interview per Telefon / Skype, Assessment Center sowie Vorstellungsgespräch teil. Nach seiner Berufsausbildung erhielt der Kaufmann für Büromanagement eine befristete Anstellung im Bereich Human Resources und wurde dann, nach Bewerbung auf eine offene Stelle, fest für den Besucher-Service und die Telefonzentrale angestellt. Zu Beginn seiner Tätigkeit wurde er, wie andere Kolleginnen und Kollegen auch, eingearbeitet und in der Gesprächsführung mit Personen - telefonisch oder persönlich vor Ort - geschult.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Im Rahmen seiner Tätigkeit in der Telefonzentrale arbeitet der Kaufmann in einem Mehrpersonenbüro mit ausreichend Bewegungsfläche für den Rollstuhl. Er arbeitet dort an einem Bildschirm-Arbeitsplatz bzw. höhenverstellbaren Schreibtisch, den er mit seinem Elektrorollstuhl unterfahren kann. An seinem Arbeitsplatz nimmt er über den PC Anfragen zu möglichen Ansprechpersonen sowie zur Vermittlung mit Hilfe einer Software per Telefon und Headset entgegen, gibt erste Infos an interessierte Personen, führt Buchungen für die angebotenen Führungen durch und disponiert zusammen mit seinem Gruppenleiter die führungsleitenden Personen.
Der Arbeitsplatz des Kaufmanns im sog. Besucher-Service liegt im Eingangsbereich eines anderen Gebäudes, wo Kundschaft und interessierte sowie Geschäftspersonen usw. empfangen werden. Dort können u. a. Fragen zum Rundfunk-Beitrag im Rahmen der Funktion als Informationsbüro für den Beitragsservice gestellt, Auskünfte erteilt und besuchende Personen angemeldet werden. Um diese Aufgaben übernehmen zu können, nutzt er ein Tablet, das über eine Halterung am Rollstuhl befestigt werden kann. Mit Hilfe des Tablets sucht er die für die besuchenden Personen benötigten Informationen aus dem System des WDR.

Arbeitsumgebung - Mobilität:

Von seiner Wohnung in der Nachbarstadt erreicht der Kaufmann den Sitz des WDR bzw. die Gebäude mit seinen Arbeitsplätzen, die nicht weit voneinander entfernt liegen, durch einen Fahrdienst. Die sonstigen Wege dort legt er mit seinem Elektrorollstuhl zurück, den er über einen Joystick am Rollstuhl steuert. Entsprechend behinderungsgerechte Toiletten sind in jedem Gebäude vorhanden.
Der Arbeitsplatz in der Telefonzentrale befindet sich in den oberen Etagen des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, so dass Maßnahmen zur Barrierefreiheit immer im Kontext zum Denkmalschutz betrachtet werden müssen. Der Mitarbeiter erreicht seinen Arbeitsplatz barrierefrei mit dem Elektrorollstuhl über einen Nebeneingang mit einer ausreichend breiten Tür, da er den Haupteingang nicht nutzen kann und keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden dürfen. Zur Etage mit seinem Arbeitsplatz gelangt er über einen ausreichend dimensionierten Aufzug mit erreichbaren Bedienelementen im eingeschränkten Greifraum, den nur autorisierte Personen mit einem Schlüssel für diesen nutzen können. Die anderen Kolleginnen und Kollegen nutzen das Treppenhaus oder den Paternosteraufzug. Da auf der Etage der Zugang zum Arbeitsplatz über die vorhandene und zu schmale Tür nicht möglich war, wurde ein ausreichend breiter Zugang über den Aufenthaltsraum mit seinen ausreichend breiten Türen geschaffen. Die zu öffnenden und schließenden Türen auf dem Weg zum jeweiligen Arbeitsplatz und zur behinderungsgerechten Toilette verfügen über elektrisch angetriebene Türöffner und -schließer und können somit ohne Schwierigkeiten passiert werden.
Im Fall einer Evakuierung, z. B. bei einem Brand, steht ein Evakuierungsstuhl (sog. Evac Chair) zur Verfügung. Mit dessen Einsatz eine festgelegte Evakuierungshelferin bzw. ein festgelegter Evakuierungshelfer den Kaufmann über das Treppenhaus evakuieren kann – dies wird regelmäßig trainiert und ist Teil eines Evakuierungskonzeptes für Menschen mit Behinderung bzw. Mobilitätseinschränkungen.
Der andere Arbeitsplatz im Besucher-Service befindet sich ebenerdig im dortigen Empfangsbereich und ist barrierefrei mit dem Rollstuhl zu erreichen und zu befahren.
Der Zugang, die Wege und das Erreichen des jeweiligen Arbeitsplatzes wurde vorab in einer “Begehung“ mit ihm getestet und entsprechende Anpassungen vorgenommen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

Schlagworte

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Stehen
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Stehen

Referenznummer:

Pb/111063


Informationsstand: 29.04.2021