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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für eine Verkäuferin in einem Supermarkt

Wo lag die Herausforderung?

Die Frau kann behinderungsbedingt nur sehr schlecht Gegenstände erkennen, weshalb sie sehr starke Brillengläser besitzt. Außerdem kann sie nicht schwer heben oder tragen. Ihr Arbeitsplatz musste den Umständen entsprechend angepasst werden.

Was wurde gemacht?

Der Arbeitgeber hat einen neuen Käseteiler gekauft. Der neue Käseteiler ist ein Einbaumodell, das in die Arbeitsplatte der Käsetheke integriert werden kann. Er ist mit einem ausziehbaren Messersegmenttisch ausgerüstet. So kann die Mitarbeiterin den Käselaib von oben auf den Messersegmenttisch auflegen und anschließend unter das Messer schieben. Dadurch entfällt das Verletzungsrisiko für die Mitarbeiterin. Zusätzlich wird ein Gabelhubwagen und ein Transportwagen eingesetzt, wodurch die Frau nicht mehr selbst heben oder tragen muss.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrations- bzw. Inklusionsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Vom Hauptsitz des Unternehmens aus werden die 75 in der BRD verteilten Filialen des Kaufhauses geleitet. In der betreffenden Filiale mit 71 Mitarbeitern werden unter anderem Lebensmittel, Haushaltsartikel, Möbel, Unterhaltungselektronik und Heimwerkerprodukte verkauft.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiterin:

Die Frau hat eine Rückenerkrankung und eine Sehbehinderung. Sie kann Gegenstände nur unzureichend erkennen. Deshalb trägt sie eine Brille mit sehr starken Brillengläsern. Für Tätigkeiten, die das Bücken, Tragen und Transportieren von Lasten erfordern, ist sie wegen ihrer Rückenerkrankung nur sehr eingeschränkt einsetzbar. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 60.

Beruf:

Die Frau arbeitet seitdem Verlassen der Schule als angelernte Verkäuferin in der Käseabteilung der Filiale.
In REHADAT finden Sie auch Ausbildungseinrichtungen für sehbehinderte Menschen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Die Frau arbeitet als Verkäuferin in der Käseabteilung. Zu den Aufgaben der Mitarbeiterin gehört die Bedienung und Beratung der Kunden an der Käsetheke. Darüber hinaus muss sie die Verkaufstische mit frischen Käsestücken auffüllen. Diese müssen jedoch zuerst aus ganzen Käselaiben portioniert und abgepackt werden. Die Käselaibe werden in Gitterboxen, die auf Paletten stehen, angeliefert. In jeder Gitterbox befinden sich ca. 32 Käselaibe. Zum Portionieren entnimmt sie die Käselaibe aus den auf dem Boden stehenden Gitterboxen und legt jeweils fünf davon in einen Einkaufswagen. Die Entnahme der ca. 12-13 kg schweren Käselaibe aus der Gitterbox erfolgt mit vorgebeugtem Oberkörper. Anschließend fährt die Verkäuferin den Einkaufswagen in die ca. 30 m entfernte Metzgerei, um die Käselaibe mithilfe einer Käsezerteilmaschine zu portionieren. Die 80x80x150 cm große Käsezerteilmaschine konnte wegen Platzmangel nicht an der Käsetheke aufgestellt werden. Nach dem Portionieren legt die Mitarbeiterin die Käsestücke in einen anderen Käsewagen ab, fährt zur Käsetheke zurück, verpackt die Käsestücke, wiegt sie ab, klebt das Preisschild auf und legt die Käsestücke auf den Verkaufstisch. Die Mitarbeiterin verarbeitet pro Tag zwei Gitterboxen, also ca. 64 Käselaibe mit einem Gewicht von jeweils 12-13 kg. Aufgrund der oben beschriebenen Tätigkeiten hebt, trägt und transportiert sie ein Gewicht von ca. 4000 kg/Tag.
Bei der vorhandenen Käsezerteilmaschine besteht eine erhöhte Unfallgefahr. Der Käselaib wird auf den Segmenttisch gelegt. Oberhalb des Segmenttisches befinden sich feststehende Messer. Da der Segmenttisch nur auf und ab bewegt werden kann, ist die Mitarbeiterin gezwungen, den Käselaib auf den Segmenttisch aufzuschieben. Beim Zurückziehen der Hände kann sie sich die Hand bzw. die Finger an den Messern aufschneiden.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Infolge der zu bewegenden Massen, des Verletzungsrisikos, des eingeschränkten Sehvermögens und der vorhandenen Rückenbelastung, musste der Arbeitsplatz behinderungsgerecht gestaltet werden. Der Arbeitgeber hat einen neuen Käseteiler gekauft. Der neue Käseteiler ist ein Einbaumodell, das in die Arbeitsplatte der Käsetheke integriert werden kann. Er ist mit einem ausziehbaren Messersegmenttisch ausgerüstet. So kann die Mitarbeiterin den Käselaib von oben auf den Messersegmenttisch auflegen und anschließend unter das Messer schieben. Dadurch entfällt das Verletzungsrisiko für die Mitarbeiterin. Zusätzlich wird ein Gabelhubwagen und ein Transportwagen mit einer Höhe von ca. 80-90 cm eingesetzt, um das Heben und Tragen der Käselaibe zu erleichtern. Für die Mitarbeiterin entfällt dadurch das schwere Heben und Tragen der Käselaibe.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Sehen
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Sehen
  • IMBA - Tragen
  • IMBA - Unfallgefährdung

Referenznummer:

R/PB4393


Informationsstand: 04.06.2018