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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Materialprüfer bei einem Press- und Stanzwerk

Wo lag die Herausforderung?

Der Mann hat eine Wirbelsäulenerkrankung und Polyneuropathie, die zu einer Störung der Arm- und Beinbewegung, Missempfindungen und Schmerzen führt, weshalb er nicht schwer heben sowie tragen und bestimmte Körperhaltungen vermeiden sollte. An seinem Arbeitsplatz waren entsprechende Anpassungen nötig.

Was wurde gemacht?

Der Arbeitgeber hat den Kontrollraum mit einer CNC-gesteuerten Koordinatenmessmaschine, einem elektromotorisch höhenverstellbaren Arbeitstisch, einem ergonomischen Bürostuhl zur Unterstützung des dynamischen Sitzens, PC und Drucker ausgestattet.

Schlagworte und weitere Informationen

Das Integrations- bzw. Inklusionsamt förderte zu 25% die Anschaffung der CNC-gesteuerten Koordinatenmessmaschine und zu 100 % den höhenverstellbaren Arbeitstisch sowie ergonomischen Bürostuhl. Die Beratung erfolgte durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes. Der Arbeitgeber erhielt außerdem von der Arbeitsagentur einen Lohkostenzuschuss zur Unterstützung der Eingliederung des vorher arbeitslosen und schwerbehinderten Mannes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Arbeitsagenturen und Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Das Kleinunternehmen stellt als Zulieferer Press-, Zieh- und Stanzteile für die Automobilindustrie, den Stahl- und Maschinenbau sowie Heizungs- und Sanitärbereich her.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Wirbelsäulenerkrankung und Polyneuropathie - eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die zu einer Störung der Arm- sowie Beinbewegung, Missempfindungen und Schmerzen führt. Behinderungsbedingt sollte er nur sehr eingeschränkt für den manuellen Lastentransport und das Arbeiten in bestimmten Körperhaltungen (z. B. langes Stehen und häufiges Bücken) eingesetzt werden. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 50. Der Schwerbehindertenausweis trägt das Merkzeichen G.

Ausbildung und Beruf:

Nach dem Besuch der Hauptschule begann der Mann eine Ausbildung zum Handformer für Metallguss. Er musste diese jedoch, wie auch die nachfolgende Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher, aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Drei Jahre lang war er dann als Produktionshelfer an einem CNC-Bearbeitungszentrum tätig - konnte diese Tätigkeit aber behinderungsbedingt nicht weiter ausüben. Im Rahmen einer beruflichen Rehamaßnahme wurde er vom Reha-Team der Arbeitsagentur an ein Berufsförderungswerk (BFW) vermittelt, wo er zu Beginn an einem Reha-Vorbereitungslehrgang teilnahm und abschließend zum Güte- und Materialprüfer qualifiziert wurde. Danach war der Mann arbeitslos, bevor er einen neuen Arbeitsplatz als Mitarbeiter in der Qualitätssicherung bei seinem jetzigen Arbeitgeber fand.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Materialprüfer ist in den Produktionsbereichen, die sich über mehrere Geschosse erstrecken, für die Maßkontrolle zur Qualitätssicherung und für die Wareneingangsprüfung zuständig. Im Rahmen seiner Tätigkeit muss er mehrmals täglich den Kontrollraum, Wareneingangsbereich und Fertigungsbereiche für Kontrollmessungen aufsuchen, was mit dem Zurücklegen größerer Strecken und dem häufigen Steigen von Treppen verbunden ist. Im Kontrollraum selbst werden nur stichprobenartig Messungen an Teilen aus der laufenden Produktion oder umfangreichere Qualitätsprüfungen ausgeführt, bei einem Neuanlauf von Serien oder völlig neuen Teilen ist eine Kontrolle vor Ort unumgänglich. Hierzu sind die benötigten Messwerkzeuge und -geräte vom Materialprüfer mitzubringen. Drei Jahre arbeitete der Materialprüfer unter den für ihn hohen Belastungen (ständiges Stehen und Gehen bei gleichzeitigem Tragen von mittleren Gewichten) bis dies so für nicht länger möglich war.
Wegen der hohen Anforderungen an die Produkte, der Sicherung der Qualität durch eine umfangreichere Qualitätskontrolle und vor allem der damit verbundenen detaillierten Dokumentation der Messergebnisse, beabsichtigt der Arbeitgeber den Kontrollraum mit einer CNC-gesteuerten Koordinatenmessmaschine, einem elektromotorisch höhenverstellbaren Arbeitstisch, einem ergonomischen Bürostuhl zur Unterstützung des dynamischen Sitzens, PC und Drucker auszustatten und den Mitarbeiter an der Koordinatenmessmaschine einzusetzen. Seine Aufgabe besteht dann darin, die zu vermessenden etwa 3 bis 4 kg wiegenden Teile und stichprobenartig aus Serien entnommenen Einzelteile nach Vorgabe der Kunden mit Hilfe der Maschine zu vermessen. Nach dem Aufspannen der Werkstücke erfolgt das Vermessen (bis 50 und mehr Messpunkte pro Teil) mit einem motorisch verfahrbaren Tastkopf. In sitzender und stehender Körperhaltung können hier auf einem Monitor sämtliche Messergebnisse verfolgt werden. Ein Wechsel der Körperhaltung wird auch durch den höhenverstellbaren Arbeitstisch ermöglicht. Die zu prüfenden Werkstücke werden jeweils zum Kontrollraum gebracht, so dass für den Materialprüfer keine längeren Wegstrecken mehr anfallen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
  • EFL - Steigen (Leiter/Treppe)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Stehen
  • ERGOS - Tragen
  • ERGOS - Treppensteigen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Stehen
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

R/PB4679


Informationsstand: 29.11.2018