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Praxisbeispiel
Beschäftigungssicherungs-Zuschuss für einen Altenpfleger

Wo lag die Herausforderung?

Der Mann ist gelernter Altenpfleger und arbeitet in einem Altenheim. Durch einen privaten Motorradunfall musste ein Unterschenkelamputation durchgeführt werden. Der Mann trägt eine Prothese und ist gehfähig. Behinderungsbedingt sollte jedoch auf langes Gehen oder Stehen sowie das Tragen und Heben von Lasten vermieden werden. Dies ist im Altenheim jedoch oft nicht möglich. Da der Mann mehr Ruhepausen benötigt, ist seine Arbeitsleistung gegenüber Kollegen und Kolleginnen ohne Behinderung um 1/3 vermindert.

Was wurde gemacht?

Da alle technischen Arbeitshilfen, wie Patientenlifter und Hubbadewannen, bereits vorhanden, aber nicht ausreichend sind, erhält der Arbeitgeber eine finanzielle Unterstützung, um die außergewöhnliche Belastung zu kompensieren.

Schlagworte und weitere Informationen

Dem Arbeitgeber wird vom Integrations- bzw. Inklusionsamt ein monatlicher Beschäftigungssicherungszuschuss zur Kompensation der außergewöhnlichen Belastung durch die verringerte Leistung des Mitarbeiters, begrenzt auf zwei Jahre, gewährt. Nach den zwei Jahren erfolgt eine Überprüfung der Situation und ggf. eine weitere Fortzahlung des Beschäftigungssicherungszuschusses.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Das Altenheim wird von 108 alten Menschen bewohnt, von denen 88 in unterschiedlichem Maße pflegebedürftig sind. Im Hause stehen 76 Einzel- und 15 Doppelzimmer zur Verfügung. Das Altenheim beschäftigt 85 Personen.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Bei dem Mann liegt eine Unterschenkelamputation vor, die aufgrund eines privaten Motorradunfalls durchgeführt werden musste. Er trägt eine Prothese und ist gehfähig. Das Heben sowie Tragen von Lasten und das Lange Gehen sowie Stehen sollten bei der Ausübung einer Tätigkeit vermieden werden. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 70. Der Schwerbehindertenausweis trägt das Merkzeichen G.

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter war bei der Bundeswehr als Leiter eines Sanitätsbereiches tätig, verlies aber aufgrund des Unfalls die Bundeswehr. Vor einigen Jahren wurde er vom Arbeitgeber als Altenpfleger eingestellt. Eine Ausbildung zum Altenpfleger hatte er zuvor bei der Bundeswehr absolviert.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Behinderungsbedingt ist die Arbeitsleistung des Altenpflegers gegenüber nichtbehinderten Kollegen deutlich gemindert. Die Pflege von alten, teilweise bettlägerigen Menschen erfordert trotz vorhandener Patientenlifter und Hubbadewannen immer wieder ein schweres Heben und Tragen, z. B. beim Toilettengang oder beim täglichen Bad. Ohne die Hilfe von Kolleginnen oder Kollegen ist der Mitarbeiter hierzu nicht in der Lage.
Die starken Belastungen durch das Heben und Tragen sowie ständiges Gehen und Stehen führen zu Hautreizungen und sogar Entzündungen des vernarbten Beinstumpfes durch die Prothese und bedingen häufiger Ruhepausen während der Arbeitszeit und führen auch öfter zu Ausfallzeiten. Allein die zusätzlichen Pausenzeiten von durchschnittlich 45 Minuten pro Arbeitstag ergeben eine verringerte Leistung von ca. 10%.
Lange Wege bedingen auch die sehr weitläufigen Stationen des vorwiegend aus recht großen Einzelzimmern bestehenden Gebäudes. Eingesetzt ist der Altenpfleger auf einer Station mit 26 Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Flurlänge dieser Station beträgt ca. 50 - 60 m. Behinderungsbedingt benötigt der Altenpfleger für diese langen Wege wesentlich mehr Zeit als ein nichtbehinderter Kollege. In der Gesamtheit dürfte die verringerte Leistung des Mitarbeiters gegenüber den Kolleginnen und Kollegen bei ca. 1/3 liegen. In dem Altenheim sind alle denkbaren technischen Arbeitshilfen wie Patientenlifte und Hubbadewannen bereits vorhanden und werden auch, soweit wie möglich, eingesetzt. Die verringerte Leistung und damit die außergewöhnliche Belastung für den Arbeitgeber lässt sich somit nur finanziell kompensieren.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Stehen
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Stehen
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

R/PB4610


Informationsstand: 09.01.2019