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Praxisbeispiel
Berufliche Eingliederung eines Metallfeinbearbeiters

Wo lag die Herausforderung?

Der Jugendliche hat eine Sprachstörung, weshalb seine Kommunikation eingeschränkt ist. An seinem späteren Arbeitsplatz waren entsprechende Anpassungen zur Verbesserung der Kommunikation nötig.

Was wurde gemacht?

Da die vom Jugendlichen verrichtete Arbeit generell bei einem hohen Lautstärkepegel vollzogen wird, lässt es prinzipiell nur wenig Kommunikation mit anderen Mitarbeitern zu, was allerdings durch das weitestgehend selbstständige Arbeiten, bei dem ihm ein Gabelhubwagen zur Verfügung steht, kein Problem darstellt.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Eingliederung in den Betrieb wurde von der Arbeitsagentur mit einem Eingliederungs- bzw. Lohnkostenzuschuss gefördert.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Arbeitsagenturen.

Arbeitgeber:

Das Unternehmen mit 1200 Mitarbeitern gehört zu einem überregionalen Firmenverbund. Es produziert Getriebezahnräder und Getriebewellen für die Automobilindustrie. Im Unternehmen arbeitet auch ein behinderter Metallfeinbearbeiter. Ein Vorgesetzter bezeichnet den Metallfeinbearbeiter in einem Gespräch als zuverlässig, pünktlich und gegenüber den Kollegen als pflichtbewusst. Außerdem sei er hilfs- und kompromissbereit.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Jugendliche hat eine Sprachstörung und ist deshalb in seiner Kommunikation eingeschränkt.

Übergang Schule - Beruf:

Der Jugendliche besuchte eine Förderschule und wurde im Anschluss von der Arbeitsagentur in ein Berufsbildungswerk (BBW) vermittelt. Er holte dort zunächst den Hauptschulabschluss nach und begann anschließend eine Ausbildung zum Metallfeinbearbeiter, die er erfolgreich absolvierte. Nach der Berufsausbildung verließ der Metallfeinbearbeiter das BBW. Im Anschluss war er ca. ein Jahr arbeitslos. In diesem Zeitraum bewarb er sich bei verschiedenen Unternehmen, bis er eine Anstellung bei seinem jetzigen Arbeitgeber erhielt. Er arbeitet nun seit mehreren Jahren bei seinem Arbeitgeber.
Im ersten Jahr wurde er in der Dreherei angelernt, empfand aber die bei der Tätigkeit auftretende Geruchsbelästigung infolge der Zerspanungsprozesse zu intensiv, so dass er sich um die betriebsintern ausgeschriebene Stelle in der Schleifabteilung bewarb. Er erhielt die Stelle und arbeitet seitdem dort an Honmaschinen.
Der Metallfeinbearbeiter ist mit der Berufstätigkeit und seinem Gehalt sehr zufrieden. Nach seiner eigenen Einschätzung verlangt seine momentane Tätigkeit nur geringe Anforderungen. Er sei aber durchaus in der Lage, wie er bereits bewiesen habe, Tätigkeiten mit höheren Anforderungen durchzuführen. Insofern strebt er die Position eines Einrichters bzw. Vorarbeiters an.
In REHADAT finden Sie auch Berufsbildungswerke, in denen behinderte Jugendliche eine Berufsausbildung absolvieren können.

Arbeitsplatz:

Die Schleifabteilung ist in einer 5000 qm großen Werkhalle untergebracht, in der ca. 80 Maschinenarbeitsplätze vorhanden sind. Die Maschinen bewirken einen erhöhten Lärmpegel innerhalb der Halle, zusätzlich führen die Bearbeitungsprozesse und die dabei verwendeten Kühlflüssigkeiten beim Schleifen und Einlauföle beim Honen zu einer Geruchsbelästigung und Verschmutzung der Arbeitsplätze und der Werkhalle. Die Höhe der Raumtemperatur variiert in Abhängigkeit von der Jahreszeit und liegt im Sommer oberhalb der Behaglichkeitsgrenze.
Der Metallfeinbearbeiter bedient in der Werkhalle bzw. einer Abteilung Honmaschinen. Die Maschinengruppe für das Honen umfasst sieben Maschinenarbeitsplätze, an denen Aufträge mit hohen Stückzahlen bearbeitet werden. Der Arbeitsraum an einer Honmaschine beträgt 3 qm, links und rechts von den Maschinen können Abstellvorrichtungen (Metallkörbe) positioniert werden. Die Maschinen sind parallel zueinander angeordnet, so dass der Metallfeinbearbeiter durch eine Körperdrehung zwei Maschinen wechselweise bedienen kann.

Arbeitsaufgabe und Arbeitsablauf:

Der Metallfeinbearbeiter entnimmt das Werkstück (Getriebewelle oder Getriebezahnrad) dem Metallkorb, legt es in die Einspannvorrichtung der Maschine ein und schließt die Schutzschiebetür der Maschine.
An die Schiebetür ist ein Ein-/Aus-Schalter gekoppelt, der beim Schließen den vollautomatischen Honvorgang startet. Das Werkstück wird von der Maschine fest verspannt und durchläuft mit einer eingestellten Drehzahl einen innenverzahnten Honstein. Während dieser Bearbeitung werden die Reibflächen mit Kühlöl gespeist. Der Bearbeitungszyklus dauert eine Minute, danach stellt der Automat sich selbsttätig ab. Der Metallfeinbearbeiter öffnet die Schiebetür, entnimmt das Werkstück, kontrolliert es auf grobe Fehler und legt es in einen zweiten Metallkorb. Die durch wiederholten Arbeitsablauf erhaltenen weiteren Arbeitsobjekte werden geordnet in diesen Metallkorb abgelegt.
Bedient der Metallfeinbearbeiter zwei Maschinen, legt er die entsprechenden Werkstücke wechselweise in die jeweilige Maschine ein, so dass eine Maschine immer im Bearbeitungsvorgang ist und möglichst geringe Stillstandzeiten erzielt werden. Beim Honen von Zahnrädern wird das Werkstück zunächst auf ein Zahnradaufnehmer aufgesteckt und dann in die Maschine eingelegt. Nach Fertigstellung einer Losgröße transportiert der Metallfeinbearbeiter die aufeinander gestapelten Metallkörbe mit den bearbeiteten Werkstücken mit Hilfe eines Handhubwagens zu Zwischenstellplätzen.
Eine weitere, von dem Metallfeinbearbeiter freiwillig durchgeführte Tätigkeit, ist das Abrichten vom Honstein (Nachschleifen des Werkzeugs im Zuge von Verschleiß). Beim Abrichten wird ein Diamantrad in die Werkstückaufnahme eingespannt; anschließend wird manuell über Drehkurbeln der Maschinentisch in drei Koordinatenrichtungen justiert und ein Honvorgang durchgeführt. Die Justierung und der Honvorgang werden mehrfach wiederholt, um die gesamte Breite des Honsteininnenrings gleichmäßig zu bearbeiten. Um dabei die vertikale Laufrichtung des Diamantrades bei der erneuten Justierung berücksichtigen zu können, muss der Honvorgang genau beobachtet werden. Nach Beendigung des Abrichtens wird das Diamantrad wieder ausgebaut und der Maschinentisch auf die alte Justierung mit den Drehkurbeln manuell eingestellt. Der Metallfeinbearbeiter markiert diese Werte mit Bleistift auf den Skalenanzeigen der Drehkurbeln.

Körperliche Belastungen am Arbeitsplatz:
- Statische Arbeit (Stehen gebeugt bei der Arbeit, Halten von Arbeitsobjekten beim Bestücken und Entnehmen)
- Einseitig dynamische Arbeit (Bedienen der Kurbeln beim Abrichten, Öffnen und Schließen der Maschinentür von Hand)
- Schwere dynamische Arbeit (Gehen, Ziehen des Handhubwagens beim Wegbringen der Arbeitsobjekte, Drehen des Oberkörpers beim Bestücken)

Geistige Belastungen am Arbeitsplatz:
- Kenntnisse über Maschinenbedienung
- Abrichten der Maschine beinhaltet relativ hohe Anforderungen

Arbeitsumgebung:

- Hoher Lärmpegel durch ca. 80 Maschinen innerhalb der Werkhalle
- Erhöhte Temperatur durch Maschinen
- Schmutzige Werkhalle, Öle durch Maschinen und Arbeitsobjekte
- Geruchsbelästigung durch Dämpfe, die Folge von Schleifprozessen und der Kühlflüssigkeit sind

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • ERGOS - Sprechen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Lautabgabe/Sprechen
  • MELBA - Sprechen

Referenznummer:

R/PB2030


Informationsstand: 12.07.2011