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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Zweiradmechaniker bei einem Bike-Shop

Wo lag die Herausforderung?

Behinderungsbedingt sollte der Mechaniker die Fahrräder nicht mehr manuell auf die Werkbank heben und nicht ein- sowie auslagern. Auch seine Arbeiten an den Fahrrädern erfolgen ausschließlich in einer stehenden Körperhaltung.

Was wurde gemacht?

Ein hydraulisch verstellbarer Montageständer für Fahrräder ermöglicht das Positionieren der Fahrräder in einer individuell für den Mitarbeiter anpassbaren Höhe. In Verbindung mit einem Arbeitsstuhl kann nun auch ein Wechsel der Arbeitshaltung erfolgen. Zum Ein- und Auslagern der in Kartons verpackten Fahrräder wird ein Elektro- Gabelhubwagen eingesetzt.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Die Beratung erfolgte durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Unternehmen:

Das Unternehmen besteht aus einem Laden mit angeschlossener Werkstatt. Dort werden Kinderfahrräder, Rennräder, Tourenräder, Mountainbikes und E-Bikes von drei Beschäftigten verkauft, gewartet und repariert. Es besteht auch die Möglichkeit Fahrräder, die nur saisonbedingt gefahren werden, einzulagern.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat Morbus-Bechterew bzw. eine spezielle Form von Rheuma, das bei ihm hauptsächlich die Wirbelsäule betrifft und zu einer Einschränkung der Beweglichkeit im Lendenwirbelbereich führt - vor allem morgens nach dem Aufstehen. Behinderungsbedingt sollte er nicht für häufige und schwere Hebe- sowie Tragarbeiten eingesetzt werden. Dies gilt besonders bei der Einnahme von bestimmten Körperhalten, wie z. B. das Bücken. Auch dauerhaftes Stehen bei der Tätigkeitsausübung sollte vermieden werden. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 30. Er wurde von der Arbeitsagentur auf Antrag Menschen mit einer Schwerbehinderung gleichgestellt.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann ist ausgebildeter Zweiradmechaniker und ist als Mechaniker sowie Verkäufer beim Unternehmen tätig. Er arbeitete zunächst im Rahmen eins geringfügigen Beschäftigungsverhältnisses (Minijob) beim Unternehmen und wurde dann vor einiger Zeit fest auf Teilzeitbasis mit einer 30-Stundenwoche eingestellt.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Mechaniker arbeitet im Laden und in der dem Laden angeschlossenen Werkstatt. Die Werkstatt ist mit Werktischen, Fahrradständern, Werkzeugen und Fahrradregalen ausgestattet. Zu seinen Aufgaben rund ums Fahrrad gehört Folgendes:
- Reparatur und Wartung
- Aufbau und Ausstellung
- Einlagerung und Auslagerung
- Beratung und Verkauf

Der Arbeitsplatz ist in der Werkstatt mit mehreren Werktischen, Werkzeugen und Fahrradregalen ausgestattet. An einem Arbeitstag hob der Mechaniker dort 15 bis 20 Räder auf einen Ständer zur Reparatur. Die vorhandenen Ständer waren nicht verstellbar und standen auf den Werkbänken. Die Fahrräder mussten deshalb vom Boden auf eine Höhe von ca. 1,50 Meter gehoben werden. Außerdem mussten die Fahrräder zum Ein- und Auslagern manuell gehoben werden.
Da die mit der Tätigkeit verbundenen Hebe- und Tragearbeiten in gebückter Haltung sowie über Schulterhöhe erfolgten und fast den ganzen Tag gestanden werden musste, wurde:
- ein höhenverstellbarer Arbeitsstuhl,
- ein höhenverstellbarer Montageständer und
- ein Elektro-Gabelhubwagen
eingesetzt.
Mit dem nun eingesetzten Montageständer ist der Hebevorgang wesentlich vereinfacht. Der Ständer ist hydraulisch höhenverstellbar und wird in die niedrigste Stellung gefahren. Das Fahrrad wird über eine Rampe aufgeschoben und dann fixiert. Der Ständer wird dann in der erforderlichen Montagehöhe hydraulisch positioniert. Der Mechaniker kann in Verbindung mit dem Arbeitsstuhl wahlweise in stehender oder sitzender Körperhaltung am Fahrrad arbeiten. Da der Montageständer und der Arbeitsstuhl über Rollen verfügen, können die Arbeiten an beliebigen stellen in der Werkstatt ausgeführt werden. Der auch mit Rollen versehene Werkstatt- / Montagwagen mit den Werkzeugen muss dazu entsprechend mitgenommen werden. Größere Werkzeuge und handgeführte Maschinen befinden sich im Bereich der Werkbänke, sodass Montageständer und Arbeitsstuhl entsprechend dorthin geschoben bzw. gestellt werden können.
Der Elektro-Gabelhubwagen erleichtert erheblich das Abladen der Fahrräder im Karton und das Ein- und Auslagern. Zum Entladen der Lkws kann mit dem Gabelhubwagen auf die abgesenkte Hebebühne des LKWs gefahren, die Hebebühne auf die Höhe der Ladefläche positioniert, die Kartons auf Paletten mit den Gabeln aufgenommen, die Hebebühne abgesenkt und die Kartons mit dem Gabelhubwagen in den Lagerbereich transportiert werden. Auch im Lagerbereich der Werkstatt können die Kartons mit dem Gabelhubwagen zum Lagerplatz gefahren und abgestellt werden - somit ist kein manuelles Heben und Tragen mehr erforderlich.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Stehen
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Stehen
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

Pb/111102


Informationsstand: 23.06.2021