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Praxisbeispiel
Berufliche Eingliederung für eine Hilfskraft in einer Dachdeckerei

Wo lag die Herausforderung?

Der Mann ist sehr introvertiert und ihm mangelt es an Selbstvertrauen. Behinderungsbedingt hat er Einschränkungen beim Lernen und Merken und ist nicht fähig komplexe Sachverhalte zu erfassen und entsprechend selbständig zu handeln. In seinem Job beim Dachdeckerbetrieb kann der Mann deshalb nicht für komplexe und verantwortungsvolle Aufgaben eingesetzt werden. Außerdem ist er ausgebildeter Fachpraktiker für Metallbau und kann seine Fachkenntnisse in seinem Job nicht nutzen.

Was wurde gemacht?

Er wird deshalb als Hilfskraft für Nischentätigkeiten bzw. Anreich- und einfache Zuarbeiten eingesetzt. Er wurde dazu entsprechend zu Beginn intensiv eingearbeitet. Die Anreich- und Zuarbeiten verschaffen Inhaber bzw. Meister und Gesellen mehr zeitlichen Spielraum für anspruchsvollere Arbeiten. Bedingt durch sich wiederholenden Abläufe sind die Arbeiten im Team mittlerweile gut eingespielt.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Ausbildung im BBW wurde von der Arbeitsagentur gefördert. Die Arbeitsagentur vermittelte den jungen Mann auch an das BBW. Der Inhaber des Dachdeckerbetriebs erhielt von der Arbeitsagentur eine Eingliederungshilfe als Lohnkostenzuschuss.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Arbeitsagenturen und Berufsbildungswerke.

Unternehmen:

Der Dachdeckerbetrieb führt Außenarbeiten an Dachstühlen durch und fertigt Holzfassaden sowie -konstruktionen. Neben einem Mitarbeiter mit Behinderung beschäftigt der Inhaber bzw. Meister noch einen Gesellen.

Kommentar des Inhabers zur beruflichen Inklusion des Mitarbeiters:

Für verantwortungsvolle oder komplexe Aufgaben, wie zum Beispiel den Umgang mit mindergefährlichen Betriebsmitteln oder das Arbeiten an Maschinen, die ein gewisses Maß an Planung voraussetzen, kann der behinderte Mitarbeiter nicht eingesetzt werden. Nach Meinung des Inhabers überfordern diese Arbeiten die geistigen Fähigkeiten des Mitarbeiters. Fast alle Tätigkeiten werden im Team ausgeführt. Die Zuarbeit des Mitarbeiters verschafft dem Inhaber und seinem Gesellen mehr zeitlichen Spielraum für anspruchsvollere Arbeiten. Aus betrieblicher Sicht wird der Mitarbeiter im Rahmen seiner Fähigkeiten als eingegliedert angesehen. Er erfüllt die an ihn gestellten Aufgaben als Hilfskraft zur Zufriedenheit seines Inhabers. Sich wiederholende Tätigkeiten sind im Team mittlerweile so abgestimmt, dass sie ohne weitere erforderliche Einweisung selbstständig ausgeführt werden - was Zeit spart.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine geistige Behinderung. Er ist sehr introvertiert und ihm mangelt es an Selbstvertrauen. Behinderungsbedingt hat er Einschränkungen beim Lernen und Merken und ist nicht fähig komplexe Sachverhalte zu erfassen und entsprechend selbständig zu handeln.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann absolvierte eine spezielle Ausbildung für Menschen mit Behinderungen zum Fachpraktiker für Metallbau in einem Berufsbildungswerk (BBW). Die im Rahmen seiner Ausbildung erworbenen Fachkenntnisse kann er bei seiner jetzigen Tätig nicht nutzen. Er wird deshalb als Hilfskraft für Nischentätigkeiten bzw. einfache Zuarbeiten eingesetzt - dazu wurde er vorher entsprechend eingearbeitet.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Mann arbeitet im Team mit dem Gesellen und dem Meister zusammen. In der Halle des Betriebes werden die Elemente der Holzfachwerke hergestellt, die später vor Ort montiert werden. Der Mitarbeiter unterstützt dabei den Herstellungsprozess durch Hilfs- bzw. Nischenarbeiten und arbeitet dem Meister und Gesellen zu. Die Fertigung eines Fachwerkes nimmt einen halben Arbeitstag in Anspruch und ist mit einer starken Beanspruchung des Stütz- und Bewegungsapparates verbunden. Bei Dachdeckerarbeiten und Aufbauten vor Ort transportiert er überwiegend Material (wie z. B.: Dachpappe, Isoliermaterial, Balken, Ziegel, Werkzeug und Gerüstelemente) und reicht Werkzeug bzw. Arbeitsgegenstände an.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • IMBA - Arbeitsplanung
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Auffassung
  • IMBA - Kontaktfähigkeit
  • IMBA - Kritikfähigkeit
  • IMBA - Kritisierbarkeit
  • IMBA - Lernen/Merken
  • IMBA - Misserfolgstoleranz
  • IMBA - Ordnungsbereitschaft
  • IMBA - Problemlösen
  • IMBA - Selbständigkeit
  • IMBA - Teamarbeit
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)
  • MELBA - Arbeitsplanung
  • MELBA - Auffassung
  • MELBA - Kontaktfähigkeit
  • MELBA - Kritikfähigkeit
  • MELBA - Kritisierbarkeit
  • MELBA - Lernen/Merken
  • MELBA - Misserfolgstoleranz
  • MELBA - Ordnungsbereitschaft
  • MELBA - Problemlösen
  • MELBA - Selbständigkeit
  • MELBA - Teamarbeit
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)

Referenznummer:

R/PB1873


Informationsstand: 11.01.2021