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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Produktionshelfer

Wo lag die Herausforderung?

Nach einer Knieoperation kann der Mitarbeiter nicht mehr für Tätigkeiten eingesetzt werden, die das Heben sowie Tragen von Lasten, das Knien und langes Stehen sowie Gehen erfordern. Für die Versetzung des Arbeitnehmers auf einen körperlich weniger belastenden Arbeitsplatz fehlen die Möglichkeiten.

Was wurde gemacht?

Der Arbeitsplatz wurde zur behinderungsgerechten Gestaltung mit folgenden Hilfsmitteln ausgestattet:
- ein elektromotorischer höhenverstellbarer Arbeitstisch
- ein Minilifter (Gabelhubwagen)
- ein weiterer Scherenhubtisch und
- eine Stehhilfe.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert - dabei entstand für den Arbeitgeber kein wirtschaftlicher Vorteil. Die Beratung erfolgte durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber stellt mit seinen weltweit rund 5.500 Beschäftigten Sanitärprodukte aus Keramik her.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Laut ärztlicher Aussage kann der Mitarbeiter nach einer Knieoperation und medizinischen Reha nicht mehr für Tätigkeiten eingesetzt werden, die das Heben sowie Tragen von Lasten über 10 kg, das Knien und langes Stehen sowie Gehen erfordern. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 50. Der Schwerbehindertenausweis beinhaltet die Merkzeichen G.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann arbeitet als angelernter Produktionshelfer im Schichtbetrieb beim Arbeitgeber.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Mitarbeiter wird in der Produktion in der Reparaturabteilung eingesetzt. Die zu reparierenden Sanitärprodukte bzw. Keramikprodukte werden auf fahrbaren Transportwagen mit Zwischenboden von Kollegen bereitgestellt. Die einzelnen bis zu 20 kg schweren Keramikprodukte müssen vom Transportwagen manuell auf den Arbeitstisch getragen werden. Am Arbeitstisch steht jeweils ein Scherenhubtisch zum anheben des Transportwagens zur Verfügung, so dass die Keramikprodukte in einer ergonomischen Höhe von den jeweiligen Zwischenböden aufgenommen werden können. Zum Ausbessern der schadhaften Stellen werden die Keramikprodukte auf dem Arbeitstisch abgelegt, an den entsprechenden Stellen mit einer pneumatisch betriebenen Schleifmaschine geschliffen, mit einer Reparaturmasse ausgebessert und abschließend mit einer Maschine poliert. Anschließend trägt der Mitarbeiter die ausgebesserten Keramikprodukte auf einen weiteren Transportwagen. Aufgrund der Behinderung ist dem Mitarbeiter die Ausübung der Tätigkeit so nicht mehr möglich.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Für die Versetzung des Arbeitnehmers auf einen körperlich weniger belastenden Arbeitsplatz fehlen im Produktionsbereich die Möglichkeiten. Auch die Möglichkeit der Versetzung in einen administrativen Bereich entfällt aufgrund der mangelnden beruflichen Qualifikation.
Der Arbeitsplatz wurde deshalb mit:
- einem elektromotorisch höhenverstellbaren Arbeitstisch zur besseren ergonomischen Anpassung an die Arbeitshaltung während der Ausbesserungsarbeiten,
- einem Minilifter (Gabelhubwagen) mit Lastenaufnahme (Ladeplattform mit Ladehilfsrollen) zum Umsetzen der Keramikprodukte vom Transportwagen auf den Arbeitstisch (ohne Kraftaufwand und Zwangshaltungen),
- einem weiteren Scherenhubtisch für einen zweiten Transportwagen, wodurch ausgebesserte Keramikprodukte einfacher vom Minilifter umgeladen werden können und
- einer Stehhilfe, um Belastungen durch längere Stehphasen zu vermeiden,
ausgestattet.
Nach der positiven Erprobung der Hilfsmittel konnte die Arbeitsplatzsituation für den Mitarbeiter entscheidend verbessert werden. Die körperlichen Belastungen konnten erheblich reduziert und eine Weiterbeschäftigung des Mitarbeiters im Unternehmen erreicht werden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Knien
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • EFL - wiederholte Kniebeugen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Knien
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Stehen
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Knien/Hocken
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Schichtarbeit
  • IMBA - Stehen
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

Pb/110926


Informationsstand: 13.02.2020