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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Bäckerwerker

Wo lag die Herausforderung?

Der Jugendliche hat eine Geistige Behinderung. Sein Auffassungsvermögen und die Fähigkeit Sachverhalte zu analysieren sowie daraus entsprechend gezielte Vorgehensweisen abzuleiten sind eingeschränkt. Speziell unter Zeitdruck unterlaufen ihm Fehler. Die Arbeit sollte dementsprechend gut strukturiert sein und nicht zu häufig wechseln. Der Jugendliche machte eine Ausbildung zum Bäckerwerker. Es kommt jedoch vermehrt zu Minderleistungen. Diese sind auf die langsamere Arbeitsausführung zurück zu führen, wodurch Zeitdruck entsteht. Dadurch unterlaufen dem Jugendlichen noch mehr Fehler.

Was wurde gemacht?

Damit der Jugendliche selbstständig arbeiten kann, schaffte der Arbeitgeber Maschinen an, die die Produktion des Brotes automatisieren. Nach einer Einarbeitungszeit kann der Jugendliche so den Bereich der Brotherstellung eigenständig abdecken. Der Betreuungsaufwand kann langfristig verringert werden.

Schlagworte und weitere Informationen

Das Integrationsamt gewährte einen Zuschuss in Höhe von 70% der entstandenen Kosten zur Anschaffung der Maschinen und damit zum Ausgleich der Minderleistung des Jugendlichen.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Inklusions- bzw. Integrationsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Bäckerei, die Backwaren und Konditoreierzeugnisse herstellt und verkauft.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Jugendlichen:

Der schwerbehinderte Jugendliche ist geistig behindert. Sein Auffassungsvermögen und die Fähigkeit Sachverhalte zu analysieren sowie daraus entsprechend gezielte Vorgehensweisen abzuleiten sind eingeschränkt. Speziell unter Zeitdruck neigt er außerdem dazu bestimmte ihm bekannte Abläufe zu vergessen. Abläufe sollten deshalb nicht häufig wechseln und einfach strukturiert sein, um ein selbständiges Arbeiten zu ermöglichen.

Ausbildung und Beruf:

Der Jugendliche besuchte eine Förderschule und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Bäckerwerker in einem Berufsbildungswerk (BBW). Seit einigen Jahren ist er in einer Bäckerei als Bäckerwerker beschäftigt.
In REHADAT finden Sie auch Ausbildungseinrichtungen für geistig behinderte Menschen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Jugendliche arbeitet in der Backstube der Bäckerei. In der Backstube stellt er, unter Anleitung eines Kollegen, die zur Produktion von Brotteig benötigten Zutaten bereit. Außerdem befüllt er die Teig-Knetmaschine und trägt den fertigen Teig zur Waage. Dort portioniert der Meister bzw. sein Arbeitgeber den Teig. Anschließend übergibt er die Teigportionen an einen Kollegen, der daraus Brotlaibe rollt bzw. formt und sie dann auf dem Rollbrett ablegt.
Die Minderleistung des Jugendlichen ist in erster Linie auf eine erheblich langsamere Arbeitsausführung zurückzuführen, da er Probleme hat den Arbeitsablauf bzw. mehrere Tätigkeiten hintereinander gedanklich und auch praktisch auszuführen. Er gerät darüber dermaßen unter Druck, dass er sogar Aufgaben vergisst oder falsch ausführt. Dies führ dazu, dass die Kollegen ihn oft unterstützen müssen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Um dem Jugendlichen ein selbstständigeres Arbeiten zu ermöglichen, hat der Arbeitgeber vor Arbeitsschritte zu automatisieren und eine vollautomatische Universal-Rund- und Langwirkmaschine anzuschaffen. Die Maschinen sollen so in der Backstube aufgestellt werden, dass sie direkt von der Teig-Knetmaschine aus befüllt und bedient werden können. Durch die Anordnung der Maschinen soll der Bäckerwerker nach einer gewissen Einarbeitungszeit in die Lage versetzt werden, diesen Bereich der Brotherstellung fast selbständig abzudecken. Vorab werden in Zusammenarbeit mit dem Vorarbeiter oder dem Arbeitgeber die Teigzutaten zusammengestellt und die Maschinen entsprechend programmiert. Der Betreuungsaufwand müsste sich mit Anschaffung der Maschine auf das Einstellen der Maschine, überprüfen und kontrollieren reduzieren.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • IMBA - Arbeitsplanung
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Auffassung
  • IMBA - Aufmerksamkeit
  • IMBA - Konzentration
  • IMBA - Lernen/Merken
  • IMBA - Problemlösen
  • IMBA - Selbständigkeit
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)
  • MELBA - Arbeitsplanung
  • MELBA - Auffassung
  • MELBA - Aufmerksamkeit
  • MELBA - Konzentration
  • MELBA - Lernen/Merken
  • MELBA - Problemlösen
  • MELBA - Selbständigkeit
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)

Referenznummer:

R/PB4019


Informationsstand: 02.07.2010