Praxisbeispiel
Von der Förderschule zum Job bei einem Abfallwirtschaftsbetrieb

Wo lag die Herausforderung?

Der junge Mann hat eine geistige Behinderung, wodurch er Schwierigkeiten mit Lernen sowie Merken hat. Er benötigt deshalb Unterstützung beim Erlernen von bestimmten Tätigkeiten und Kompetenzen für einen Beruf. Der Jugendliche wollte nach dem Besuch einer Förderschule einen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausüben und brauchte dafür Hilfe.

Was wurde gemacht?

Noch während der Schulzeit wurde der Jugendliche im Rahmen eines Projektes zur späteren beruflichen Teilhabe bis zum Schulabschluss begleitet. Innerhalb des Projektes erfolgte eine Potenzialanalyse, bei der seine Stärken und Schwächen herausgearbeitet wurden, die Möglichkeit der Berufsfelderkundung und die Teilnahme an Praktika in Betrieben. Bei einem Praktikum bei einem Abfallwirtschaftsbetrieb konnte er mit seinen Leistungen und seiner Motivation überzeugen, so dass man ihm ein weiteres Langzeitpraktikum anbot. In dieser Zeit konnte er seine Kompetenzen noch zusätzlich erweitern, so dass er anschließend fest als Müllwerker eingestellt wurde.

Der Integrationsfachdienst (IFD) begleitete die Inklusion im Rahmen eines Projektes und war als beratende Instanz für den Jugendlichen und das Unternehmen tätig. In Bezug auf das Unternehmen gehörte dazu beispielsweise auch die Beantragung zu und Beantragung von Fördermitteln, wie das Budget für Arbeit. Im Rahmen des Budgets für Arbeit erhält das Unternehmen einen Lohnkostenzuschuss vom Träger der Eingliederungshilfe im betreffenden Bundesland.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern von Integrationsfachdiensten.

Unternehmen:

Das Unternehmen ist ein Abfallwirtschaftsbetrieb. Die Beschäftigten sorgen dafür, dass alle Abfälle entsorgt oder verwertet werden. Sie sammeln und sortieren dazu den Müll, führen ihn der Wiederverwertung zu oder entsorgen ihn umweltschonend. Im Unternehmen arbeiten 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Unternehmen stellte einen Jugendlichen aus einer Förderschule neu ein.

Behinderung und Beeinträchtigung des Jugendlichen:

Der junge Mann hat eine geistige Behinderung, die zu Beeinträchtigungen beim Lernen sowie Merken führt und sich auch auf komplexere Handlungsabläufe und Tätigkeiten auswirkt. Er benötigt deshalb Unterstützung bzw. eine intensive Einarbeitung und Begleitung zum Erlernen einer Tätigkeit.

Übergang Schule – Beruf:

Der Jugendliche besuchte eine Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung. Damit er nach seinem Schulabschluss beruflich Fuß fassen konnte, wurde er im Rahmen eines Projektes bei seiner beruflichen Orientierung begleitet und ihm damit eine berufliche Anschlussperspektive ermöglicht. Das Projekt richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen in Nordrhein-Westfalen ab der Jahrgangsstufe acht und besteht aus den Bausteinen Potenzialanalyse, Berufsfelderkundung und Praktika in Betrieben.
Im Rahmen des Projektes wurde der Jugendliche drei Jahre lang von einer Fachkraft aus dem Bereich Übergang Schule-Beruf des Integrationsfachdienstes (IFD) und den Lehrkräften der Förderschule bis zu seinem Schulabschluss begleitet. Zu Beginn wurde eine Potenzialanalyse durchgeführt, in der besondere Stärken, Fähigkeiten und Potenziale des Schülers herausgearbeitet wurden. Anschließend probierte er sich bei der Berufsfelderkundung in verschiedenen Arbeitsbereichen aus. In einem dreiwöchigen Blockpraktikum bei dem Abfallwirtschaftsbetrieb konnte er durch seine Fähigkeiten und Motivation überzeugen. Man bot ihm daraufhin ein Langzeitpraktikum an, das er annahm. Parallel wurden seine arbeitsrelevanten sozialen Kompetenzen trainiert. Das Training dazu wurde vom IFD organisiert und begleitet. Innerhalb des Trainings lernte der Jugendliche beispielsweise die eigene Rolle im Berufsleben zu reflektieren und es wurden mit ihm die Rechte sowie Pflichten des Arbeitnehmenden im Betrieb besprochen.
Der Jugendliche entwickelte im Laufe der Zeit weitere Kompetenzen für sein Tätigkeitsfeld und übernahm eigenständig immer mehr Aufgaben, auch an manchen freien Samstagen, an denen Engpässe drohten, half er beim Abfallwirtschaftsbetrieb aus.
Nach dem Langzeitpraktikum erhielt der Jugendliche einen festen Arbeitsvertrag beim Unternehmen als Müllwerker.

Kommentar des Mitarbeiters:

Er sei in seinem Traumberuf angekommen – so der junge Mann über sein neues Arbeitsverhältnis.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der junge Mann fährt auf einem Müllfahrzeug auf den Touren mit und befördert die Mülltonnen bzw. den Inhalt mit Hilfe einer Zuführeinrichtung in den Müllwagen. Je nach Art handelt es sich dabei beispielsweise um Wertstoffe oder Restmüll.

ICF-Items

Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • IMBA - Arbeitsplanung
  • IMBA - Kontaktfähigkeit
  • IMBA - Kritikfähigkeit
  • IMBA - Kritisierbarkeit
  • IMBA - Lernen/Merken
  • IMBA - Misserfolgstoleranz
  • IMBA - Ordnungsbereitschaft
  • IMBA - Problemlösen
  • IMBA - Selbständigkeit
  • IMBA - Teamarbeit
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)
  • MELBA - Arbeitsplanung
  • MELBA - Kontaktfähigkeit
  • MELBA - Kritikfähigkeit
  • MELBA - Kritisierbarkeit
  • MELBA - Lernen/Merken
  • MELBA - Misserfolgstoleranz
  • MELBA - Ordnungsbereitschaft
  • MELBA - Problemlösen
  • MELBA - Selbständigkeit
  • MELBA - Teamarbeit
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)

Referenznummer:

PB/111187


Informationsstand: 13.12.2022