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Praxisbeispiel
Übergang aus einer Werkstatt für behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt

Wo lag die Herausforderung?

Behinderungsbedingt hat der Jugendliche Schwierigkeiten beim Lernen sowie Merken und er kann nicht schwer Heben sowie Tragen. Er benötigt Unterstützung, um später auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten zu können.

Was wurde gemacht?

In der Schreinerei einer Werkstatt für behinderte Menschen wurde der Jugendliche zum Holzarbeiter angelernt und qualifiziert. Über einen Sozialarbeiter der Werkstatt bekam er schließlich eine Arbeit bei seinem jetzigen Arbeitgeber. Er arbeitet dort nun seit einigen Jahren im Holzzuschnitt des Betriebs als Produktionshelfer. Sein Arbeitsplatz wurde außerdem mit entsprechenden Hilfsmitteln ausgestattet, um den Jugendlichen selbstständig und belastungsfrei arbeiten lassen zu können. Dafür stehen ihm unter anderem ein Stehsitz und ein Gabelstapler zur Verfügung.

Schlagworte und weitere Informationen

Das Integrations- bzw. Inklusionsamt förderte die Arbeitsgestaltung zu 40%.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist ein Hersteller für Möbelteile mit 40 Mitarbeitern - von den 40 Mitarbeitern sind vier schwerbehindert. Der Arbeitgeber erfüllt damit die gesetzliche Pflichtquote zur Beschäftigung von Menschen mit einer Schwerbehinderung.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Jugendliche ist geistig behindert und hat eine Wirbelsäulenerkrankung. Behinderungsbedingt hat er Schwierigkeiten beim Lernen, Merken und dem manuellen Transport von Lasten.

Übergang Schule - Werkstatt für behinderte Menschen - Beruf:

Der Jugendliche besuchte eine Förderschule für geistig und körperlich behinderte Kinder. Nach der Schule kam er in eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). In der Schreinerei der WfbM, in der u. a. Spielzeug hergestellt wird, wurde er zum Ausführen von Holzarbeiten angelernt bzw. zum Holzarbeiter qualifiziert. Er lebte damals in der Außenwohngruppe einer Behinderteneinrichtung und fuhr von dort mit seinem eigenen Auto zur WfbM. Über einen Sozialarbeiter der WfbM konnte ihm schließlich sein jetziger Arbeitsplatz vermittelt werden. Der Arbeitgeber war bereit den Holzarbeiter einzustellen, obwohl die Pflichtquote zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen schon erfüllt war. Seit einigen Jahren arbeitet er nun im Holzzuschnitt des Betriebes als Produktionshelfer und lebt in seiner eigenen Wohnung.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Holzarbeiter kam sofort mit seinen neuen Kollegen und Vorgesetzten gut klar. Den Anforderungen seiner neuen Stelle war er gewachsen. Seine Aufgabe war es, 2 m lange Kanthölzer an der Bandsäge in bestimmte vorgegebene Längen zu schneiden. Dabei musste er darauf achten, Fehlstellen im Holz auszulassen. Die Kanthölzer wurden von einem Gabelstapler neben seinem Arbeitsplatz auf einer Palette abgelegt. Er hob die einzelnen Hölzer, wendete sie und schob sie unter die Säge. Die auf Länge gesägten Stücke stapelte er auf einem Transportwagen. Mit der Zeit traten jedoch starke Rückenschmerzen auf. Immer öfter musste er kurze Pausen einlegen. Behinderungsbedingt war dem Mitarbeiter das ständige Heben und Drehen der Kanthölzer nicht mehr möglich.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Um den Arbeitsplatz des Holzarbeiters erhalten zu können, mussten technische Änderungen vorgenommen werden, die das Heben und freihändige Führen der Kanthölzer überflüssig machten. Da der Betrieb auch im Bereich Zuschnitt modernisieren wollte, wurde in Zusammenarbeit mit dem technischen Beratungsdienst des Integrationsamtes eine komplett neue Arbeitsplatzgestaltung entwickelt. Eine neue Kappsäge wurde installiert. Jetzt werden die Paletten mit den Kanthölzern vom Gabelstapler auf einen Hebetisch abgesetzt. Der Holzbearbeiter kann mit einem Fußschalter die Kanthölzer auf die ideale Greifhöhe fahren. Das Bücken und Heben entfällt. Er zieht die einzelnen Hölzer über eine Rolle auf seinen Arbeitsplatz. Statt wie früher die Fehlstellen herauszusägen, markiert er sie jetzt nur noch mit einem Signierstift. Der Sägevorgang läuft dann unter Berücksichtigung der signierten Stellen vollautomatisch ab. Sensoren erfassen die Länge des Werkstücks und die Fehlstellen. Der Holzarbeiter wählt auf einer Bedientafel nur noch das gewünschte Programm aus. Der Rechner hat verschiedene Vorgaben gespeichert, z. B. welche Längen in welcher Stückzahl benötigt werden. Die entsprechenden Angaben sind auf einem Monitor abzulesen. Auf Knopfdruck zieht die Säge die markierten Kanthölzer ein, tastet die Strichmarkierungen mit Sensoren ab und rechnet die optimalen Schnittlängen aus. Während der Holzarbeiter schon die nächsten Kanthölzer vorbereiten kann, läuft der Sägevorgang vollautomatisch ab. Der Verschnitt geht in einen Container. Die auf Länge geschnittenen Teile werden über ein Förderband auf Boxen verteilt. Wenn die Boxen gefüllt sind, werden sie von einem Kollegen zur Weiterverarbeitung transportiert. Mit der neuen Kappsäge lässt sich wesentlich effektiver arbeiten als vorher an der Bandsäge, der Holzarbeiter entscheidet aber weiterhin über die Qualität. Da er im Stehen arbeitet, wurde sein Arbeitsplatz zur weiteren Entlastung der Wirbelsäule mit einem elastischen Fußbodenbelag und einem Stehsitz als Stehhilfe ausgestattet. Seiner Arbeit im Zuschnitt kann er so weiterhin nachgehen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

Schlagworte

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Stehen
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitsplanung
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Auffassung
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Lernen/Merken
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Problemlösen
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Stehen
  • IMBA - Tragen
  • IMBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)
  • MELBA - Arbeitsplanung
  • MELBA - Auffassung
  • MELBA - Lernen/Merken
  • MELBA - Problemlösen
  • MELBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)

Referenznummer:

R/PB1458


Informationsstand: 06.05.2011