Praxisbeispiel
Kurzbeschreibung:
Ein Gespräch des Online-Magazins „Die Neue Norm“ mit Sven Papenbrock zu seinem Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.Inhalte des Gesprächs sind die Themenbereiche:
- Angaben zur Person, Erkrankung und zum Beruf
- Übergang von der Schule in die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM)
- Im Berufsbildungsbereich der WfbM
- 13 Jahre Beschäftigung in der WfbM im Arbeitsbereich
- Mit Hilfe eines Projektes auf den allgemeinen Arbeitsmarkt über Bewerbung und Praktikum
- Festanstellung und Qualifizierung in der ersten Zeit am Arbeitsplatz mit Hilfe eines Jobcoaches
- Bemühungen um Fördermittel
- Arbeitsalltag im Job
Ein Gespräch des Online-Magazins „Die Neue Norm“ mit Sven Papenbrock zu seinem Übergang von der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zur Anstellung bei Sozialhelden e. V.
Ich gab zum Beispiel einen Workshop für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jobcenter in NRW. Dort berichtete ich von meinem ersten Termin beim Jobcenter, den ich nach Ende meiner Schulzeit hatte. Der Termin war für mich nicht positiv. Der damalige Sachbearbeiter im Jobcenter schaute mich nur einmal an. Daraufhin sagte er zu mir und meinen Eltern: „Ich habe auf Grund des hohen Hilfebedarfs für Sie nur eine einzige Lösung: Eine Fördergruppe.“ In einer Fördergruppe sind Menschen beschäftigt, die nicht mal in einer Behindertenwerkstatt arbeiten können. Das war ein ganz großer Schock, da ich mit dieser Entscheidung nicht gerechnet hatte. Ich ging davon aus, dass ich wenigstens in einer Behindertenwerkstatt arbeiten könnte. Ich wünschte mir andere Vorschläge, wie ich arbeiten kann, aber die gab es leider nicht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den Jobcentern in NRW sagten am Ende des Workshops, dass sie durch mein Erzählen viel gelernt haben.
Meine Eltern und ich entschieden uns damals gegen eine Fördergruppe.
Die Frage war: „Wie kann ich es trotzdem in die Behindertenwerkstatt schaffen, um meine Fähigkeiten zu erweitern?“ Dazu fragten wir eine Gruppenleiterin aus einer Behindertenwerkstatt, ob sie noch eine Idee hat. Sie schlug ein Pilotprojekt vor, um mich besser vorzubereiten. Das fanden wir gut. Deshalb nahmen wir nochmal Kontakt mit meiner alten Schulleiterin auf. Wir fragten sie, ob ich für ein weiteres Jahr für drei Tage in der Woche die Schule besuchen und die anderen beiden Tage in der Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten kann. Dem stimmte sie zu. Wir fanden gemeinsam eine gute Lösung für meine speziellen Bedürfnisse. Nach diesem Jahr war ich dann so weit und konnte in den Berufsbildungsbereich der Werkstatt. Der Berufsbildungsbereich ist quasi die Ausbildungszeit in der Werkstatt für behinderte Menschen. Außerdem schaffte ich in der Zeit des Pilotprojektes ich auch noch meinen Hauptschulabschluss. Ich arbeitete dann 13 Jahre in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Doch eigentlich wollte ich immer auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Da arbeiten, wo andere auch arbeiten.
2020 lernte ich die Organisation „Die Wille“ kennen. Ein Projekt dieser Organisation half Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu kommen. Mit einer Mitarbeiterin schrieb ich viele Bewerbungen an verschiedene Firmen. Obwohl ich viele Absagen auf die Bewerbungen bekam, ließ ich den Kopf nicht hängen. Ich freute mich sehr als Sozialhelden e. V. mich zu einem Bewerbungsgespräch einluden. Nach dem Gespräch boten sie mir ein Praktikum an. Darüber freute ich mich auch sehr.
Sozialhelden e. V. wollten mich nach dem Praktikum gerne anstellen. Doch um richtig gute Arbeit zu leisten, muss ich noch ganz viel lernen. Darum werde ich jetzt ausgebildet mit der Unterstützung eines Jobcoaches und einer pädagogischen Begleitung von BIS e. V.
Doch um diese Leistungen zu erhalten, begann ein Kampf mit den Ämtern. Kein Mensch kennt sich dort wirklich aus, wie Wege aus der Werkstatt aussehen können. Es gab sehr viele Gespräche mit dem Inklusionsamt. Meine Eltern und meine Kolleginnen und Kollegen bei Sozialhelden e. V. haben mich dabei besonders unterstützt.
Es gab viele große und kleine Steine auf diesem Weg. Erst nach mehr als einem halben Jahr und einer sehr anstrengenden Zeit für mich stand fest: ich werde auch Sozialheld.
Nun gebe ich bei Sozialhelden e. V. zusammen mit meinen Kolleginnen und meinen Kollegen Workshops bei Organisationen und bringe meine Erfahrung als Mensch mit Lernschwierigkeiten im Team ein. Ich prüfe Texte auf einfache Sprache. Zudem teste ich Fragebögen, die die Sozialhelden e. V. an Menschen mit Behinderung richten. Für die Wheelmap schaue ich mir Orte an, ob sie barrierefrei sind. Über meinen Weg auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gebe ich Interviews und schreibe Artikel.
Ich arbeite inzwischen seit mehr als einem Jahr mit verschiedenen Jobcoaches zusammen. Sie unterstützen mich bei verschiedenen Tätigkeiten, die ich nicht alleine ausüben kann. Ihre Aufgaben sind zum Beispiel mir beim Lesen oder Schreiben am Computer zu helfen. Durch sie habe ich erstmals gelernt am Computer zu arbeiten.
Mit den Jobcoaches reflektiere ich meinen Arbeitsalltag, damit ich manche Aufgaben besser verstehe. Das Jobcoaching ist mir sehr wichtig, weil ich dadurch viele neue und spannende Erfahrungen sammle.
In Deutschland arbeiten 320.000 Menschen mit einer Behinderung in Werkstätten.
Wenn Sie Menschen mit einer Behinderung, die in diesen Werkstätten arbeiten, bei Ihnen in der Firma einstellen möchte, rate ich Ihnen:
Es gibt das Budget für Arbeit und Andere Leistungsanbieter. Mit dem Budget für Arbeit werden bis zu 75 Prozent der Lohnkosten übernommen.
Sie können sich beraten lassen. Es gibt einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber.
Das Projekt „JOBinklusive“ von Sozialhelden e. V. setzt sich für mehr Menschen mit Behinderung im allgemeinen Arbeitsmarkt ein.
Einleitung zum Gespräch durch das Online-Magazin „Die Neue Norm“:
In Deutschland arbeiten 320.000 Menschen mit einer Behinderung in Werkstätten. Sven Papenbrock hat 13 Jahre lang in einer solchen gearbeitet. Doch eigentlich wollte er immer auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. In seinem Beitrag gibt er einige Tipps, wie Unternehmen Menschen mit Behinderung beschäftigen können.Beschreibung der Situation durch Sven Papenbrock im Gespräch:
Mein Name ist Sven Papenbrock. Ich bin Anfang 30 und komme aus Berlin. Ich lebe mit einer Behinderung. Ich arbeite bei Sozialhelden e. V. in Berlin. Dort bin ich Inklusionsexperte in Ausbildung. Das heißt, ich arbeite mit meiner Erfahrung als Mensch mit Behinderung und Lernschwierigkeiten und lerne selbst viel Neues über Inklusion. Am besten gefällt es mir mit meinen Kolleginnen und Kollegen Workshops bei Organisationen zu geben.Ich gab zum Beispiel einen Workshop für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jobcenter in NRW. Dort berichtete ich von meinem ersten Termin beim Jobcenter, den ich nach Ende meiner Schulzeit hatte. Der Termin war für mich nicht positiv. Der damalige Sachbearbeiter im Jobcenter schaute mich nur einmal an. Daraufhin sagte er zu mir und meinen Eltern: „Ich habe auf Grund des hohen Hilfebedarfs für Sie nur eine einzige Lösung: Eine Fördergruppe.“ In einer Fördergruppe sind Menschen beschäftigt, die nicht mal in einer Behindertenwerkstatt arbeiten können. Das war ein ganz großer Schock, da ich mit dieser Entscheidung nicht gerechnet hatte. Ich ging davon aus, dass ich wenigstens in einer Behindertenwerkstatt arbeiten könnte. Ich wünschte mir andere Vorschläge, wie ich arbeiten kann, aber die gab es leider nicht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den Jobcentern in NRW sagten am Ende des Workshops, dass sie durch mein Erzählen viel gelernt haben.
Meine Eltern und ich entschieden uns damals gegen eine Fördergruppe.
Die Frage war: „Wie kann ich es trotzdem in die Behindertenwerkstatt schaffen, um meine Fähigkeiten zu erweitern?“ Dazu fragten wir eine Gruppenleiterin aus einer Behindertenwerkstatt, ob sie noch eine Idee hat. Sie schlug ein Pilotprojekt vor, um mich besser vorzubereiten. Das fanden wir gut. Deshalb nahmen wir nochmal Kontakt mit meiner alten Schulleiterin auf. Wir fragten sie, ob ich für ein weiteres Jahr für drei Tage in der Woche die Schule besuchen und die anderen beiden Tage in der Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten kann. Dem stimmte sie zu. Wir fanden gemeinsam eine gute Lösung für meine speziellen Bedürfnisse. Nach diesem Jahr war ich dann so weit und konnte in den Berufsbildungsbereich der Werkstatt. Der Berufsbildungsbereich ist quasi die Ausbildungszeit in der Werkstatt für behinderte Menschen. Außerdem schaffte ich in der Zeit des Pilotprojektes ich auch noch meinen Hauptschulabschluss. Ich arbeitete dann 13 Jahre in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Doch eigentlich wollte ich immer auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Da arbeiten, wo andere auch arbeiten.
2020 lernte ich die Organisation „Die Wille“ kennen. Ein Projekt dieser Organisation half Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu kommen. Mit einer Mitarbeiterin schrieb ich viele Bewerbungen an verschiedene Firmen. Obwohl ich viele Absagen auf die Bewerbungen bekam, ließ ich den Kopf nicht hängen. Ich freute mich sehr als Sozialhelden e. V. mich zu einem Bewerbungsgespräch einluden. Nach dem Gespräch boten sie mir ein Praktikum an. Darüber freute ich mich auch sehr.
Sozialhelden e. V. wollten mich nach dem Praktikum gerne anstellen. Doch um richtig gute Arbeit zu leisten, muss ich noch ganz viel lernen. Darum werde ich jetzt ausgebildet mit der Unterstützung eines Jobcoaches und einer pädagogischen Begleitung von BIS e. V.
Doch um diese Leistungen zu erhalten, begann ein Kampf mit den Ämtern. Kein Mensch kennt sich dort wirklich aus, wie Wege aus der Werkstatt aussehen können. Es gab sehr viele Gespräche mit dem Inklusionsamt. Meine Eltern und meine Kolleginnen und Kollegen bei Sozialhelden e. V. haben mich dabei besonders unterstützt.
Es gab viele große und kleine Steine auf diesem Weg. Erst nach mehr als einem halben Jahr und einer sehr anstrengenden Zeit für mich stand fest: ich werde auch Sozialheld.
Nun gebe ich bei Sozialhelden e. V. zusammen mit meinen Kolleginnen und meinen Kollegen Workshops bei Organisationen und bringe meine Erfahrung als Mensch mit Lernschwierigkeiten im Team ein. Ich prüfe Texte auf einfache Sprache. Zudem teste ich Fragebögen, die die Sozialhelden e. V. an Menschen mit Behinderung richten. Für die Wheelmap schaue ich mir Orte an, ob sie barrierefrei sind. Über meinen Weg auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gebe ich Interviews und schreibe Artikel.
Ich arbeite inzwischen seit mehr als einem Jahr mit verschiedenen Jobcoaches zusammen. Sie unterstützen mich bei verschiedenen Tätigkeiten, die ich nicht alleine ausüben kann. Ihre Aufgaben sind zum Beispiel mir beim Lesen oder Schreiben am Computer zu helfen. Durch sie habe ich erstmals gelernt am Computer zu arbeiten.
Mit den Jobcoaches reflektiere ich meinen Arbeitsalltag, damit ich manche Aufgaben besser verstehe. Das Jobcoaching ist mir sehr wichtig, weil ich dadurch viele neue und spannende Erfahrungen sammle.
In Deutschland arbeiten 320.000 Menschen mit einer Behinderung in Werkstätten.
Wenn Sie Menschen mit einer Behinderung, die in diesen Werkstätten arbeiten, bei Ihnen in der Firma einstellen möchte, rate ich Ihnen:
Es gibt das Budget für Arbeit und Andere Leistungsanbieter. Mit dem Budget für Arbeit werden bis zu 75 Prozent der Lohnkosten übernommen.
Sie können sich beraten lassen. Es gibt einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber.
Das Projekt „JOBinklusive“ von Sozialhelden e. V. setzt sich für mehr Menschen mit Behinderung im allgemeinen Arbeitsmarkt ein.
Schlagworte
- Arbeitgebende |
- Arbeitnehmende |
- Arbeitsaufgabe |
- Arbeitstraining |
- Betriebliches Arbeitstraining |
- Bewegungskoordination |
- Budget für Arbeit |
- Dienstleistung |
- Erwerbstätigkeit |
- Gehen |
- Good Practice |
- Interview |
- Körperbehinderung |
- Körperbelastung |
- Körperhaltung |
- Körperhaltung und Körperteilbewegung |
- Lernbeeinträchtigung |
- Lernen |
- Lernen und Wissensanwendung |
- Lohnkostenzuschuss |
- Merken |
- Motorik |
- Praktikum |
- Praxisbeispiel |
- Rollstuhl |
- Rollstuhlfahrende |
- Spastik |
- Stehen |
- Teilhabe |
- Teilhabe am Arbeitsleben |
- Träger Eingliederungshilfe |
- Übergang Werkstatt für behinderte Menschen-Allgemeiner Arbeitsmarkt |
- Werkstatt für behinderte Menschen
Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung
- EFL - Gehen
- EFL - Handkoordination (rechts/links)
- EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
- EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
- ELA - Feinmotorik
- ELA - Gehen
- ELA - Stehen
- ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
- ERGOS - Fingergeschicklichkeit
- ERGOS - Handgeschicklichkeit
- ERGOS - Laufen (Gehen)
- ERGOS - Stehen
- IMBA - Feinmotorik (Fußgeschicklichkeit)
- IMBA - Feinmotorik (Hand- und Fingergeschicklichkeit)
- IMBA - Gehen/Steigen
- IMBA - Lernen/Merken
- IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
- IMBA - Stehen
- MELBA - Feinmotorik
- MELBA - Lernen/Merken
Referenznummer:
PB/111295
Informationsstand: 03.04.2025