Praxisbeispiel
Arzt im Rollstuhl in der Notaufnahme eines Krankenhauses

Wo lag die Herausforderung?

Der Arzt ist kleinwüchsig und auf die Nutzung eines Elektrorollstuhls angewiesen. Seine Mobilität, seine Körperkraft und sein Greifraum sind eingeschränkt. Um seinen Beruf als Notarzt ausüben zu können, wurden entsprechende Hilfsmittel eingesetzt, die es ihm ermöglichen, seinen Arbeitsplatz zu erreichen und seine täglichen Aufgaben in der Notaufnahme auszuführen.

Was wurde gemacht?

Für den Arbeitsweg nutzt er einen umgebauten Van und einen Elektrorollstuhl. Der Elektrorollstuhl verfügt zusätzlich über eine Liftfunktion für den Sitz, sodass er sich mit den Patientinnen und Patienten auf Augenhöhe unterhalten und alle Untersuchungen durchführen kann.
Damit der Arzt seinen Van mit Automatikgetriebe nutzen kann, wurde das Fahrzeug entsprechend angepasst und mit folgenden Hilfsmitteln ausgestattet:

Der Arbeitsrollstuhl und die Kfz-Anpassung zur behinderungsgerechten Gestaltung wurden vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Da der Mediziner Fachmann in eigener Sache ist und somit die Auswirkungen seiner Behinderung sowie die Möglichkeiten zur Kompensation durch Hilfsmittel am Arbeitsplatz selbst beurteilen kann, war keine weitere technische Beratung in Bezug auf den Arbeitsplatz erforderlich. Die Kfz-Anpassung erfolgte durch ein darauf spezialisiertes Unternehmen, das auch die Beratung übernahm.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefonnummern der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter und von fahrzeugumrüstenden Unternehmen.

Unternehmen

Es handelt sich um eine Universitätsklinik mit etwa 5.000 Forschenden und Mitarbeitenden im ärztlichen Bereich sowie über 6.000 Pflegekräften. Mehr als 100 Kliniken und Institute gehören zur Universitätsklinik, die das gesamte Spektrum der modernen Medizin abdecken.

Behinderung und Beeinträchtigung des Mitarbeiters:

Der Mitarbeiter ist kleinwüchsig und auf die Nutzung eines Elektrorollstuhls angewiesen. Aufgrund seiner Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen ist er schwerbehindert. Seine Mobilität, seine Körperkraft und sein Greifraum sind eingeschränkt, was sich wiederum auf das Handhaben und Betätigen von Bedienelementen sowie die Nutzung von Arbeitsmitteln auswirkt.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann studierte nach dem Abitur Medizin. Während seiner Studienzeit gab es an der Universität viele ältere Gebäude, die nicht barrierefrei waren. Durch eine gezielte Planung konnte er im Vorfeld jedoch klären, in welchen Gebäuden und Räumlichkeiten er alternativ mit seinem Rollstuhl u. a. Vorlesungen und Seminare besuchen konnte. Nach seiner Doktorarbeit auf dem Gebiet der Anästhesiologie begann er seine Tätigkeit als Assistenzarzt in einer der Universitäts-Klinik angeschlossenen Kliniken, zunächst in der Anästhesiologie und wechselte dann in die Notaufnahme. Beruflich absolviert er zusätzlich eine Weiterbildung für Allgemeinmedizin, bei der er auch ein längeres Praktikum in einer niedergelassenen Praxis für Allgemeinmedizin absolvieren muss. Da seine Eltern solch eine Praxis im ländlichen Bereich führen, absolviert er sein Praktikum dort.

Kommentar des Leiters der Notaufnahme:

Als er sich hier beworben hatte, dachte ich in der Notaufnahme und dann im Rollstuhl – da war ich zunächst ein bisschen skeptisch. Dann haben wir uns kennengelernt und es war dann irgendwie so, dass er mich und das Team von vornherein überzeugt hat und auch alle gesagt haben: „Den nehmen wir.“

Kommentar des Mitarbeiters:

Arzt sein bedeutet mir sehr viel. Es ist ein sehr sehr erfüllender Job und er macht mir viel Spaß. An der Arbeit in der Notaufnahme mag ich vor allem, dass man nie weiß, was kommt. Man kann den Leuten auch meistens direkt helfen und das ist sehr schön.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

In der Notaufnahme behandelt das darauf spezialisierte Team akute Erkrankungen und Verletzungen im Vierundzwanzigstundenbetrieb. Dazu gehören ärztliche Untersuchungen, Blutentnahmen, notwendige Eingriffe und Röntgenuntersuchungen rund um die Erstversorgung. Um dies gewährleisten zu können, besteht das Notfallteam in der jeweiligen Schicht, zu dem der Arzt mit Kleinwuchs gehört, mindestens aus einer weiteren Ärztin oder einem weiteren Arzt und sechs bis acht Pflegekräften. Die Notaufnahme ist entsprechend mit den verschiedenen klinischen Bereichen für eine evtl. weitere Behandlung nach der Erstversorgung vernetzt.
Bei der Untersuchung von Patientinnen und Patienten am Krankenbett oder in speziellen Räumen nutzt der Arzt einen wendigen Elektrorollstuhl mit Liftfunktion für den Rollstuhlsitz als Arbeitsrollstuhl. Damit kann er seine eingeschränkte Mobilität und seinen eingeschränkten Greifraum kompensieren und Untersuchungen, wie beispielsweise das Abhören oder das Setzen eines Katheters, am Krankenbett oder auf Liegen vornehmen. Er fährt dazu nah genug heran und positioniert sich bzw. den Rollstuhlsitz auf die erforderliche Höhe. Dies funktioniert ebenso bei der Anwendung von Geräten, wie beispielsweise bei einer Ultraschalluntersuchung. Durch die Positionierungsmöglichkeit über die Liftfunktion des Elektrorollstuhls kann der Arzt sich bei der Untersuchung auch mit den Patientinnen und Patienten auf Augenhöhe unterhalten.

Arbeitsumgebung und Mobilität:

Für den Arbeitsweg zur Klinik in der Großstadt oder im Rahmen des Praktikums im ländlichen Bereich zur Praxis nutzt der Arzt einen umgerüsteten Van. Der Van wurde seitlich mit einer elektrischen Rampe ausgestattet. Per Knopfdruck auf einer Fernbedienung öffnet der Arzt zunächst die Seitentür elektrisch, dann wird die Rampe elektrisch ausgefahren und schließlich per weiterem Knopfdruck wird der Rollstuhl mit ihm auf Höhe des Innenraums des Fahrzeugs positioniert. Abschließend erfolgt im Fahrzeug das Umsetzen auf den elektrischen Fahrersitz. Dieser wird dazu in die hintere Lage gefahren und anschließend wieder elektrisch in die Fahrposition gebracht, sodass die Bedienelemente des Fahrzeugs erreicht werden können. Bei dem Automatikfahrzeug mussten dazu das Brems- und das Fußpedal entsprechend verlängert werden.
Nachdem er vom Fahrersitz in seinen Elektrorollstuhl umgesetzt hat, erreicht er seinen Arbeitsplatz in der Notaufnahme der Klinik und ebenso den in der Praxis ohne Barrieren.
Gelegentlich nutzt er auch die öffentlichen Verkehrsmittel der Großstadt für den Arbeitsweg zur Klinik, die entsprechend eine Nutzung durch rollstuhlfahrende Personen unterstützen.

Eingesetzte Hilfsmittel – Anzeigen der Produkte:

Elektrorollstühle (Elektrorollstühle mit Sitzlift)
Hilfsmittel zur Beförderung von im Rollstuhl sitzenden Personen in Fahrzeuge oder aus Fahrzeugen
Kraftfahrzeugzubehör und -anpassungen zur Steuerung der Geschwindigkeit

ICF-Items

Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Handkoordination (rechts/links)
  • EFL - Handumwendebewegungen (rechts/links)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
  • ELA - Feinmotorik
  • ELA - Gehen
  • ELA - Handgreifkraft
  • ELA - Reichen
  • ELA - Stehen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Dreipunktgriff
  • ERGOS - Fingergeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgreifkraft
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Schlüsselgreifkraft
  • ERGOS - Stehen
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Feinmotorik (Fußgeschicklichkeit)
  • IMBA - Feinmotorik (Hand- und Fingergeschicklichkeit)
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Hand-/Fingerbewegungen
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Stehen
  • MELBA - Feinmotorik

Referenznummer:

Pb/111326


Informationsstand: 28.10.2025