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Praxisbeispiel
REHADAT Wissensreihe Mukoviszidose - Chronische Talente fördern

Es gibt eine Abbildung zu diesem Praxisbeispiel:
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Das Interview mit Volker Potthoff führte Patricia Traub für die REHADAT-Wissensreihe Mukoviszidose.

Zur Person:

Volker Potthoff ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Stiftung "aktion luftsprung - Stiftung für schwerstkranke Kinder und Jugendliche" sowie ehemaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Börse AG. Derzeit ist er unter anderem als Vorstandsvorsitzender der Vereinigung " Aufsichtsräte Mittelstand in Deutschland" (ArMiD) sowie als "Business Angel" in einem Start-up-Unternehmen zum Klimawandel tätig.

REHADAT
Wie ist die Stiftung aktion luftsprung entstanden?

Volker Potthoff:

Ich bin selbst Vater einer Tochter mit Mukoviszidose und habe die Stiftung 2012 gegründet, um von Mukoviszidose betroffene Familien und deren Angehörige in Notlagen zu unterstützen.

REAHADAT:
Welche Ziele verfolgt Ihre Stiftung?

Volker Potthoff:

Wir möchten junge Menschen mit chronischer Erkrankung, also nicht nur mit Mukoviszidose, in Ausbildung, Studium und Beruf, in ihren beruflichen Ambitionen, Neigungen und Leidenschaften fördern und damit einen Beitrag zur Chancengleichheit und zu einem selbstbestimmten Leben leisten - daher das Motto "Chronische Talente fördern".

REHADAT:

Was bieten Sie konkret an?

Volker Potthoff:

Die Stiftungsarbeit beruht auf vier Säulen. "luftsprung direkt" bietet finanzielle Unterstützung für Betroffene mit Mukoviszidose bei Geldnot an. "luftsprung pro" begleitet junge Menschen in das Berufsleben durch gezielte Beratung und Trainingsangebote wie zum Beispiel Potenzialanalysen, Bewerbungstrainings und Interventionsberatung im Job. Derzeit entwickeln wir ein Workshop-Konzept (Arbeitstitel: luftsprung fit4job) mit einem Team aus Coaches, Psychologen und Psychologinnen. "luftsprung campus" vergibt einmal jährlich fünf Stipendien für Ausbildung und Studium an besonders talentierte und resiliente junge Menschen mit chronischer Erkrankung. "luftsprung live" ist ein Förderprogramm für junge Musiker und Musikerinnen mit Workshops und Auftritten der "luftsprung live band".

REHADAT:

Mit wem kooperieren Sie?

Volker Potthoff:

Wir kooperieren unter anderem mit Unternehmen wie die Deutsche Börse AG, mit Verbänden wie Mukoviszidose e.V., Rheuma-Liga e.V., Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV), mit der Popakademie Mannheim und mit dem Projekt REHADAT.

REHADAT:

Wie rekrutieren Sie die jungen Menschen und Betriebe?

Volker Potthoff:

Wir sind in Kontakt mit den Selbsthilfevereinen, CF-Ambulanzen, Schulen sowie Universitäten für die Stipendienvergabe und nutzen Social Media. Wir bauen den persönlichen Kontakt zu Arbeitgebern über Veranstaltungen wie den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit oder der IHK, über Inklusionsmessen oder die Verleihung des Inklusionspreises auf.

REHADAT:

Wie sind Ihre Erfahrungen mit jungen Menschen mit CF im Arbeitsleben?

Volker Potthoff:

Meistens läuft es sehr gut. Die jungen Menschen sind aufgrund ihrer Erkrankung und der täglichen Therapiemaßnahmen sehr diszipliniert und Gleichaltrigen im Verhalten häufig voraus. Es ist aber für diese Personengruppe schwieriger, eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz zu finden, wenn sie schon im Bewerbungsschreiben offen über ihre chronische Erkrankung sprechen. Eine Ausnahme bilden öffentliche Arbeitgeber. "Outing" ist deshalb ein komplexes Thema. Für manche Arbeitgeber zählt nur die Qualifikation, für andere ist die Erkrankung und die Höhe des Behinderungsgrades schon abschreckend.

REHADAT:

Was empfehlen Sie jungen Menschen mit CF für das Arbeitsleben?

Volker Potthoff:

Sich auf die eigenen Stärken zu fixieren und sich nicht über die Erkrankung zu definieren. Sie haben viel vorzuweisen. Mit dieser Haltung gehen sie aufrecht in eine Bewerbung und können dann offen über ihre Erkrankung reden.

REHADAT:

Was empfehlen Sie Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen?

Volker Potthoff:

Geregelte Arbeitszeiten sind wichtig, aber ansonsten sollten Arbeitgeber Beschäftigte mit CF wie alle anderen auch behandeln. Homeoffice ist vor allem während einer Grippewelle oder Antibiose-Infusionstherapie von großem Vorteil. Wichtig sind zudem Pausen für die regelmäßige Nahrungsaufnahme und die Hygiene am Arbeitsplatz.

REHADAT:

Wo sehen Sie die größten Probleme bei der beruflichen Inklusion?

Volker Potthoff:

Problematisch ist die fehlende Aufklärung von Führungskräften zu unsichtbaren chronischen Erkrankungen wie CF. Sie sind unsicher, was auf sie zukommen könnte und entscheiden sich deshalb eher für einen Bewerber oder eine Bewerberin mit erkennbaren und aus ihrer Perspektive einschätzbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

REHADAT:

Was trägt zum Gelingen der beruflichen Inklusion bei?

Volker Potthoff:

Ein Umdenken bei Führungskräften, dass auch Menschen mit unsichtbarer chronischer Erkrankung nach ihrer Leistung beurteilt werden sollten und für das Wirtschaftsleben genauso wertvoll sind wie alle anderen. Wichtig wäre, die leuchtenden Beispiele zu zeigen.

REHADAT:

Welche Zukunftsvisionen hat Ihre Stiftung?

Volker Potthoff:

Die Stiftung ist seit ihrer Gründung stetig gewachsen. Da unsere Mitarbeiter zunehmend selbst unter einer chronischen Erkrankung leiden, können sie die Stiftungsarbeit sehr authentisch vertreten. Wir möchten auch, dass mehr Betroffene bei unserer Arbeit mitwirken, damit wir sie als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einstellen können.

REHADAT:

Vielen Dank für das Gespräch!

Schlagworte und weitere Informationen

Es liegen keine Informationen zur Förderung vor.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)

Referenznummer:

PB/111128


Informationsstand: 25.03.2021

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