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Praxisbeispiel
REHADAT Wissensreihe Autismus - Das ist insgesamt gut gelaufen

Es gibt eine Abbildung zu diesem Praxisbeispiel:
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Das Interview mit Herrn Boecker führte Heike Knaak für die REHADAT-Wissensreihe Autismus.

Zur Person und zum Unternehmen:

Kai Boecker ist Wirtschaftsinformatiker und hat neben seinem Hauptberuf 2015 in Köln das Unternehmen „Bierlager“ gegründet. Der Betrieb unterhält einen Einzelhandel mit zwei Filialen, betreibt einen Onlinehandel und beliefert darüber hinaus Gastronomie und Lebensmitteleinzelhandel mit Bierspezialitäten und Craftbeer. Die wechselnd 16- bis 17-köpfige Belegschaft besteht aus zwei Vollzeitkräften, zwei Halbzeitkräften, darunter ein Mitarbeiter aus dem Autismus-Spektrum, sowie Studierenden und 450-Euro-Jobbern.

REHADAT:

Wann haben Sie den Mitarbeiter eingestellt und wie sieht sein Aufgabenbereich aus?

Kai Boecker:

Der Mitarbeiter, der zuvor ein Fach im Bereich Geisteswissenschaften studiert hat, wurde vor etwas mehr als einem Jahr bei uns eingestellt. Er kümmert sich im Wesentlichen um das Rechnungswesen, ist aber auch zuständig für anfallende Verwaltungsaufgaben.

REHADAT:

Hatten Sie bereits Erfahrung mit der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung?

Kai Boecker:

Ich bin als Schüler auf eine integrierte Gesamtschule gegangen, habe also durchaus Erfahrung mit behinderten Menschen, aber nicht im Kontext als Arbeitgeber.

REHADAT:

Was hat Sie bewogen, einen Mitarbeiter aus dem Autismus-Spektrum einzustellen?

Kai Boecker:

Ich habe nach einem Mitarbeiter gesucht, der zuverlässig ist und der regelmäßig kommt. Durch Zufall bin ich auf die Möglichkeit gestoßen, behinderte Menschen einzustellen und dafür gegebenenfalls auch eine Förderung zu bekommen.

REHADAT:

Welche Stellen waren beim Rekrutierungsprozess beteiligt?

Kai Boecker:

Eine Bekannte, die Mitarbeiterin der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) ist, stellte den Kontakt her zur Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn. Diese vermittelt auch schwerbehinderte Akademiker und Akademikerinnen. Die ZAV schlug mir dann den Bewerber vor.

REHADAT:

Wurde die Belegschaft auf den neuen Kollegen vorbereitet, fand eine Beratung statt?

Kai Boecker:

Ja, ich habe mein Team informiert. Eine explizite Beratung hat aber nicht stattgefunden. Das Feedback der anderen Mitarbeiter war im Nachhinein, dass man dem neuen Kollegen eigentlich gar nichts anmerkt. Es gibt sicherlich die eine oder andere Tätigkeit, die er nicht so gerne macht, aber ansonsten ist seine Behinderung nicht so offensichtlich.

REHADAT:

Gibt es Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, die im Zusammenhang mit der Behinderung stehen?

Kai Boecker:

Ja, natürlich tauchen bei der Beschäftigung immer wieder Schwierigkeiten auf, die spezifisch auf die Behinderung zurückzuführen sind. Es besteht zum Beispiel die Tendenz, sich in Details zu verlieren, und es erfordert manchmal ein bisschen Mehraufwand zu erklären, was mit einer Aufgabe genau gemeint ist.

REHADAT:

Was läuft gut am Arbeitsplatz?

Kai Boecker:

Es gibt eine sehr große Genauigkeit, die ich auf diese Weise bei keinem anderen Mitarbeiter habe und die meiner Meinung nach behinderungstypisch ist. Die Detailtreue und Zuverlässigkeit bei der Durchführung der Aufgaben sind sehr hoch; es wird eher ein bisschen zu tief gegraben als zu oberflächlich. Ich kann mich darauf verlassen, dass die Aufgaben auch erledigt oder Rückfragen gestellt werden. Das läuft sehr gut. Wenn man die Aufgabenstellung etwas genauer spezifiziert und generell eher Arbeiten überträgt, die klar definiert und wiederholend sind, werden diese sehr gut erledigt. Vergibt man also Aufgaben, die eher standardisiert sind, in denen man sich weniger verlieren kann, dann kommt man sicherlich gut zurecht.

REHADAT:

Haben Sie finanzielle Förderleistungen in Anspruch genommen?

Kai Boecker:

Ja, ich erhalte für eine gewisse Zeit von der Arbeitsagentur einen Eingliederungszuschuss, das heißt, ich bekomme einen gewissen Prozentsatz vom Lohn erstattet.

REHADAT:

Werden Sie und Ihre Mitarbeiter jetzt noch fachlich begleitet?

Kai Boecker:

Ja, wir werden vom Integrationsfachdienst Köln betreut und sind gerade dabei, ein Job-Coaching aufzusetzen, um ein bisschen mehr Routine in die Arbeitsgestaltung und die Arbeitsabläufe zu bekommen, damit das Ganze noch etwas runder läuft. Das Job-Coaching wird von einem externen Anbieter aus Düsseldorf übernommen.

REHADAT:

Gibt es etwas, das Sie rund um die Einstellung des Mitarbeiters als besonders hilfreich empfunden haben?

Kai Boecker:

Also, ich fand meine Mitarbeiter sehr unterstützend. Sie haben den Kollegen ganz normal aufgenommen. Das war wunderbar und so, wie man es sich erhofft. Da wurde aus der Behinderung kein Thema gemacht. Das ist sehr schön gelaufen. Was im Rahmen von offizieller Unterstützung sehr gut läuft, ist der Kontakt zum Integrationsfachdienst. Da ist wirklich jemand, der sich bemüht. Wir hatten auch bereits den ersten Termin zum Arbeitscoaching. Ich denke, dass wir auch dadurch noch mal Fortschritte machen, was die Effizienz beziehungsweise die Aufteilung und Koordination der Aufgaben unseres Mitarbeiters angeht.

REHADAT:

Haben Sie als Arbeitgeber ein bestimmtes Motto, mit dem Sie Ihre Arbeit angehen?

Kai Boecker:

Ein spezielles Motto haben wir nicht. Ich denke, man sollte mit Spaß bei der Arbeit sein, Dinge tun, die einem Spaß machen und ein gutes Miteinander pflegen

Schlagworte und weitere Informationen

Es liegen keine Informationen zur Förderung vor.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • IMBA - Kontaktfähigkeit
  • IMBA - Kritikfähigkeit
  • IMBA - Kritisierbarkeit
  • IMBA - Misserfolgstoleranz
  • IMBA - Ordnungsbereitschaft
  • IMBA - Teamarbeit
  • MELBA - Kontaktfähigkeit
  • MELBA - Kritikfähigkeit
  • MELBA - Kritisierbarkeit
  • MELBA - Misserfolgstoleranz
  • MELBA - Ordnungsbereitschaft
  • MELBA - Teamarbeit

Referenznummer:

Pb/111073


Informationsstand: 20.05.2020

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