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Praxisbeispiel
Gestaltung eines Arbeitsplatzes für zwei Mitarbeiter einer Druckerei

Wo lag die Herausforderung?

Die zwei schwerbehinderten Mitarbeiter können aufgrund ihrer Behinderung nicht schwer heben sowie tragen, sind nur gering belastbar und müssen gewisse Körperhaltungen vermeiden. An ihren Arbeitsplätzen waren entsprechende Anpassungen nötig.

Was wurde gemacht?

Der Arbeitgeber beabsichtigt den Arbeitsplatz umzugestalten. Die alte Schneidemaschine soll durch eine neue ersetzt werden. Zur Arbeitserleichterung soll sie zusätzlich mit programmierbaren Anschlägen ausgerüstet werden. Außerdem soll ein hydraulischer Stapelheber angeschafft werden. Zum Glattstoßen der Druckbögen vor dem Schneiden muss ein Schüttelautomat eingesetzt werden. Weitere Hilfsmittel erleichtern den Mitarbeitern ebenfalls ihren Arbeitsalltag.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrationsamt zu 40 % gefördert. Der Arbeitgeber erhält zusätzlich für den zweiten schwerbehinderten Mitarbeiter von der Arbeitsagentur einen Eingliederungszuschuss für drei Jahre, da er vorher arbeitslos war.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Arbeitsagenturen und Integrationsämter.

Arbeitgeber:

Die Firma ist ein Kleinunternehmen im Bereich des Buch- und Offsetdrucks. Sie stellt u. a. Werbebroschüren, Werbeplakate und bedruckte, gestanzte und vorgefalzte Verpackungskartons her. Darüber hinaus werden in kleinen Mengen Werbesendungen gedruckt, zusammengestellt und versandfertig aufbereitet.

Behinderung und Funktionseinschränkung des ersten Mitarbeiters:

- Magenerkrankung
- Wirbelsäulenerkrankung
- Kniegelenksverschleiß
- Parkinson mit Tremor
Der Mann ist behinderungsbedingt körperlich nur gering belastbar. Er ist durch seinen Tremor nicht fähig, Gegenstände genau abzulegen und zu positionieren. Außerdem sollten bei der Ausübung der Tätigkeit Dreh- und Bückbewegungen (Zwangshaltungen) vermieden werden.
Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 60. Sein Schwerbehindertenausweis enthält das Merkzeichen G.

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter ist ausgebildeter Buchbinder. Er ist seit vielen Jahren beim Arbeitgeber als Papierschneider beschäftigt.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Mitarbeiter ist für den Zuschnitt der bedruckten Papiere bzw. Werbekartons zuständig. Bedingt durch die Verschlechterung seines Gesundheitszustandes und der Zunahme seiner Schüttellähmungserscheinungen wurde die Tätigkeit an diesem Zuschnittsarbeitsplatz für den Mitarbeiter immer problematischer. Die Zuschneidetätigkeit musste teilweise mit Dreh- und Bückbewegungen ausgeführt werden. Darüber hinaus ergaben sich, wegen der ungenauen Abstapelung, bei den Folgearbeiten an der Falz- und Faltmaschine Probleme beim automatischen Einzug der Papierbögen, so dass hier vermehrt nachgearbeitet werden musste.

Behinderung und Funktionseinschränkung des zweiten Mitarbeiters:

- Wirbelsäulenerkrankung
Der Mann ist behinderungsbedingt körperlich nur gering belastbar. Hebe- und Tragarbeiten sowie bestimmte Zwangshaltungen sollten bei der Ausübung der Tätigkeit vermieden werden. Der Grad seiner Behinderung beträgt 50 (GdB 50).

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter hat eine Ausbildung zum Fachpraktiker für die Buchbinderei absolviert.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Mitarbeiter wird im Falz- und Faltbereich sowie in der Versandvorbereitung eingesetzt. Behinderungsbedingt ergeben sich für den Mitarbeiter durch die zu bewegenden Gewichte Probleme. Aufgrund seiner Wirbelsäulenerkrankung sollte er nicht schwer heben und tragen, um einer weiteren Schädigung vorzubeugen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Der Arbeitgeber beabsichtigt den Arbeitsplatz umzugestalten. Die alte Schneidemaschine soll durch eine neue ersetzt werden. Zur Arbeitserleichterung soll sie zusätzlich mit programmierbaren Anschlägen ausgerüstet werden. Außerdem soll ein hydraulischer Stapelheber angeschafft werden. Dieser ist mit einer Fotozellensteuerung zum automatischen Heben und Senken des zu beschneidenden Papierstapels ausgerüstet, so dass die Stapeloberkante immer auf Arbeitshöhe ist. Zusätzlich ist dieser Stapelheber mit integrierter seitlicher Bogenbelüftung ausgestattet, um für eine Belüftung der Druckbögen zu sorgen. Nur mit Hilfe dieser Belüftung kann beim nächsten Arbeitsschritt in der Schüttelmaschine ein exaktes Ausrichten der Druckbögen gewährleistet werden.
Zum Glattstoßen der Druckbögen vor dem Schneiden muss ein Schüttelautomat eingesetzt werden. Bei dem neuen Schüttelautomaten ist der Schütteltisch als Lufttisch ausgebildet und verfügt zusätzlich über eine Luftausstreichwalze.
Zur Arbeitserleichterung will der Arbeitgeber auch eine Luftfahrtischkombination anschaffen, dabei handelt es sich um spezielle Arbeitstische, in die viele kleine Luftdüsen eingebaut sind. Durch die mit Hochdruck durchgeblasene Luft wird ein Luftpolster erzeugt, über das der Stapel fast gewichtslos geschoben oder gezogen werden kann.
Mit Hilfe eines vollautomatischen Abladers entfällt das mühsame Aufnehmen der zugeschnittenen Papierstapel und Ablegen für die weitere Bearbeitung an der Falz- und Faltmaschine.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

Schlagworte

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Knien
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • EFL - wiederholte Kniebeugen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Hocken
  • ERGOS - Knien
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Knien/Hocken
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

R/PB5208


Informationsstand: 23.03.2011