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Praxisbeispiel
Integrationsprojekt bei den Berliner Stadtreinigungsbetrieben

Es gibt eine Abbildung zu diesem Praxisbeispiel:
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1 Unternehmen

Bei den Berliner Stadtreinigungsbetrieben sind zur Zeit ca. 5850 Mitarbeiter beschäftigt. Davon sind 649 Mitarbeiter schwerbehindert oder gleichgestellt. Das entspricht einer Quote von über 11 %. Ungefähr 800 Mitarbeiter haben einen GdB (Grad der Behinderung) unter 50. Im vergangenen Jahr haben etwa 290 Mitarbeiter einen Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung gestellt. Das Durchschnittsalter lag bei 48 Jahren und dies in einem Bereich, in dem überwiegend körperlich schwere Arbeit geleistet wird.

2 Unternehmenskultur

Zusätzlich zu den Aktivitäten, die von der Schwerbehindertenvertretung des Betriebes ausgehen, wird innerhalb des Unternehmens großen Wert darauf gelegt, die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten und zu fördern.
Betriebsärztliche Betreuung, ausführliche Unterrichtung aller Beschäftigten über arbeitsbedingte Gesundheits- und Unfallgefahren sowie aktive Gesundheitsförderung sind Bestandteil der Unternehmenspolitik. Eine Dienstvereinbarung zur Suchtprävention und zum Nichtraucherschutz, arbeitsplatzbezogene Rückenschulprogramme, Gesundheitstage und Ernährungsberatung sind Ausdruck dieser betrieblichen Gesundheitspolitik. Vor dem Abschluss ist eine verbindliche Regelung zum betrieblichen Eingliederungsmanagement zur Prävention nach SGB IX § 167 gesetzlich festgelegt worden. Darüber hinaus gibt es weitere Initiativen, die Aufgaben einzelner Geschäftsbereiche wieder in das Unternehmen zurück zu holen. Besonders hervorzuheben ist die Ausbildung von zwei Mitarbeitern aus der Gesamtschwerbehindertenvertretung zum Disability Manager sowie die Beteiligung durch das Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (ISO) und durch das vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) aufgelegten Projekt "Integrationsmanagement - Qualifizierung für Führungskräfte". Insgesamt hat das Engagement aller betrieblichen Partner innerhalb der Stadtreinigungsbetriebe dazu geführt, dass mittlerweile viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert wurden und sowohl aus dem Vorgesetzten- als auch dem Mitarbeiterkreis interessante Ideen an die beteiligten Akteure herangetragen, geprüft und wenn möglich umgesetzt werden.

3 Das Projekt Papierkorbwerkstatt

Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe haben in der Stadt über 20.000 Papierkörbe aufgestellt. Diese Papierkörbe müssen nicht nur täglich mindestens einmal geleert werden, sondern auch in regelmäßigen Abständen gewartet, das heißt von Graffiti befreit oder aufgrund von starken Vandalismusschäden völlig ausgetauscht werden. Diese Aufgaben (ausgenommen der täglichen Leerungen) wurden in der Vergangenheit durch ein von den Stadtreinigungsbetrieben beauftragtes Unternehmen übernommen. Der Kostenaufwand für diese Aufgabe lag bei ca. 2 Millionen Euro jährlich.

Durch die Schwerbehindertenvertretung des Unternehmens wurden, in Zusammenarbeit mit dem Integrationsamt, dem Arbeitgeber bzw. Inklusionsbeauftragten des Arbeitgebers und den anderen Interessenvertretungen im Betrieb (Betriebsrat), mehrere Projekte zur Integration behinderter Menschen geplant und durchgeführt. Das Konzept für das Projekt Papierkorbwerkstatt wurde durch die Gesamtschwerbehindertenvertretung des Betriebes entwickelt. Für die genannten Aufgaben wurde die Schaffung von 15 Arbeitsplätzen notwendig. Diese Arbeitsplätze sollten ausschließlich von schwerbehinderten Mitarbeitern, Mitarbeitern, die einen Unfall hatten und Mitarbeitern, die nicht mehr so leistungsfähig sind, besetzt werden. Zur Durchführung des Projektes war eine Lackiererei vorgesehen, in der die beschädigten Papierkörbe gereinigt, gegebenenfalls geschliffen und lackiert werden. Mehrere Kollegen sind täglich unterwegs in der Stadt, um verschmutzte Körbe zu reinigen oder ausgebeulte Schlösser zu ersetzen. Bei größeren Mängeln tauschen die Mitarbeiter die alten Behälter aus und bringen sie zum Schleifen und Lackieren in die Werkstatt. Alle Fahrzeuge sind mit Navigationssystemen ausgestattet, was die Arbeit sehr erleichtert.
Die Werkstatt genügt modernen ergonomischen Ansprüchen. So wurden Hebewerkzeuge für schwere Geräte angeschafft. Geplant sind Arbeitsplatzmatten an den Schleifarbeitsplätzen und Stehhilfen zur Entlastung der Wirbelsäule. In REHADAT finden Sie auch Hubhilfen, Transportfahrzeuge, Stehsitze und Arbeitsplatzmatten.
Da es sich bei allen Mitarbeitern, einschließlich der Vorgesetzten, um schwerbehinderte Menschen handelte, die ihre Behinderungen alle während ihrer Tätigkeit bei den Stadtreinigungsbetrieben erworben hatten, wurde schon in der Konzeptionsphase das Integrationsamt beratend hinzugezogen.

Nach einem Jahr Laufzeit konnte das Projekt Papierkorbwerkstatt der Stadtreinigungsbetriebe sehr positiv bewertet werden:
- Die Produktivität der älteren und gleichzeitig schwerbehinderten Mitarbeiter kann sich durchaus mit dem Ergebnis der vormals extern beauftragten Firma messen lassen.
- Besonders bemerkenswert ist, dass der Krankenstand in diesem Bereich innerhalb eines Jahres um 5 % gesenkt werden konnte.
- Insgesamt konnten bei sehr guten Arbeitsergebnissen die Kosten des Betriebes für externe Leistungserbringung erheblich gesenkt werden.
- Aufgrund der erfolgreichen Maßnahme, werden weitere Projekte für schwerbehinderte Mitarbeiter
geplant und befinden sich bereits in der Konzeptions- oder Umsetzungsphase.

Förderung uns Mitwirkung
Beim Integrationsamt wurden Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben beantragt. Das Integrationsamt gewährte abschließend einen Zuschuss von 90 Prozent. Sie finden auch die Adresse und Tel.-Nr. der Integrationsämter in REHADAT.

Bemerkung:

Das aufgeführte Beispiel wurde von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) mit einem Sonderpreis zur betrieblichen Wiedereingliederung ausgezeichnet.

Schlagworte und weitere Informationen

Es liegen keine Informationen zur Förderung vor.

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  • IMBA - Arbeitszeit

Referenznummer:

R/PB5327


Informationsstand: 11.10.2005