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Praxisbeispiel
Betriebliches Eingliederungsmanagement bei der orthopädischen Klinik Kassel gGmbH

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1 Unternehmen

Die orthopädische Klinik Kassel ist eine gemeinnützige GmbH. Die Klinik bietet ein komplettes Angebot für alle Teilbereiche der operativen und konservativen Behandlung. Die Aufgliederung in verschiedene Spezialgebiete garantiert einen hohen Wissens- und Leistungsstand auf dem Gebiet der Orthopädie, Traumatologie, Schmerztherapie und Rheumatologie. Das Haus verfügt über 180 Betten, einschließlich einer Intensivstation mit 6 Betten und ist ganz auf die Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates spezialisiert. 260 Mitarbeiter kümmern sich jährlich um 5000 stationär aufgenommene und 12000 ambulant behandelte Patienten. Von den Mitarbeitern sind 8,62% schwerbehindert.

2 Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)

Anlass und Ziel
Die rechtliche Grundlage des BEM bildet das SGB IX bzw. SGB XI § 167. Darüber hinaus war sich die Klinikleitung bewusst, dass sie auf die demografische Entwicklung reagieren und aktive Gesundheitsförderung betreiben muss, um als Dienstleister im Gesundheitswesen leistungsfähig zu bleiben.

Verfahrensablauf
Die Organisation des BEM obliegt dem Integrationsteam. Die Initiative zur Einleitung eines BEM kann vom Mitarbeiter selbst, seinem Vorgesetzten, dem Integrationsteam oder, im Falle einer langandauernden Erkrankung, von der Personalabteilung ausgehen. Den Erstkontakt zum Mitarbeiter übernimmt ein Mitglied des Integrationsteams. Neben der Bereitstellung von Informationen dient das Erstgespräch dazu, eine Vertrauensbasis herzustellen und die Ziele, Lösungsideen und Perspektiven des Mitarbeiters kennen zu lernen und die Bereitschaft des Mitarbeiters zur Mitwirkung am BEM abzuklären. Soweit der Mitarbeiter einverstanden ist, wird in den meisten Fällen, nach einer arbeitsmedizinischen Untersuchung, mit dem Mitarbeiter besprochen, welche Maßnahmen (betriebsinterne oder außerbetriebliche) zur dauerhaften Wiederherstellung oder zum Erhalt der Leistungsfähigkeit eingeleitet werden können. Dazu wird eine Vereinbarung getroffen. Ziel ist immer der Erhalt des Arbeitsplatzes. Im Rahmen des Qualitätsmanagements werden bestimmte Parameter zur Validierung des Prozesses erhoben und kritisch bewertet.

Besonderheiten
Der Klinikleitung ist es wichtig, das BEM eng mit besonderen Angeboten zur Gesundheitsprävention zu verbinden. Begünstigte Thermalbadkarten, Nordic Walking Kurse, verbilligte Mitgliedschaft in der Sportgemeinschaft sind Beispiele für dieses Bemühen. Weiterhin ist ihnen wichtig, in ihrer Klinik ein Klima der Gesundheitsförderung herzustellen, welches Patienten und Mitarbeiter gleichermaßen einbezieht.

Wirkung/Erfahrung
Bereits vor Abschluss der Betriebsvereinbarung zum BEM wurden einzelfallbezogene Erfahrungen gemacht. Die Institutionalisierung schafft eine wichtige Transparenz und Verlässlichkeit für alle Beteiligten. Dies äußert sich insbesondere darin, dass das Vertrauen der Mitarbeiter und die Bereitschaft zur Beteiligung an diesem Prozess ansteigen. Vielfältige Schulungsmaßnahmen des Integrationsteams und der Führungskräfte führen zu einer Professionalisierung des Eingliederungsmanagements und der Gesundheitsprävention. Inzwischen finden neben den Einzelfallbesprechungen regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen statt.

Beteiligte
Das Integrationsteam besteht aus:
- einem Inklusionsbeauftragten des Arbeitgebers,
- einem Mitglied der Schwerbehindertenvertretung ( SBV) und
- drei Mitgliedern des Betriebsrates (BR).

Bei Bedarf können noch hinzugezogen werden:
- die Betriebsärztin,
- die Fachkraft für Arbeitssicherheit,
- ein Vertreter des Integrationsamtes oder des Integrationsfachdienstes,
- die Suchtberatungsstellen und
- sonstige Beratungsstellen.

Verantwortlichkeit
Die Verantwortung für das BEM hat der Arbeitgeber im Rahmen seiner arbeitsvertraglichen Fürsorgepflicht. Da das betriebliche Eingliederungsmanagement unter dem Vorbehalt der Freiwilligkeit steht und viele präventive Gesundheitsangebote enthält, wird auch der Eigenverantwortung des Mitarbeiters ein hohes Gewicht beigemessen.

Schlagworte und weitere Informationen

Nach dem SGB IX § 167 Abs. 3 können die Rehabilitationsträger (z. B. Rentenversicherungsträger und Berufsgenossenschaften) und die Integrations- bzw. Inklusionsämter Unternehmen, die ein Betriebliches Eingliederungsmanagement einführen, durch Prämien oder einen Bonus fördern. Die orthopädische Klink Kassel wurde deshalb für die Einführung eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements vom Landeswohlfahrtsverband Hessen (Integrations- bzw. Inklusionsamt), zusammen mit weiteren Unternehmen, prämiert. Jedes Unternehmen erhielt eine Prämie in Höhe von 3000 Euro.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nr. der Integrations- bzw. Inklusionsämter, der Deutschen Rentenversicherung und der Berufsgenossenschaften.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • IMBA - Arbeitszeit

Referenznummer:

R/PB5409


Informationsstand: 17.09.2007