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Praxisbeispiel
Berufliche Rehabilitation bei der ThyssenKrupp Steel Europe AG

Es gibt 5 Abbildungen zu diesem Praxisbeispiel:

  1. Logo|(p521201)Prüfverfahren zur Einsatzmöglichkeit|(p521202)Zusammensetzung Reha-Team|(p521203)Unternehmen im Unternehmen|(p521204)Organisationsstruktur
  2. Logo|(p521201)Prüfverfahren zur Einsatzmöglichkeit|(p521202)Zusammensetzung Reha-Team|(p521203)Unternehmen im Unternehmen|(p521204)Organisationsstruktur
  3. Logo|(p521201)Prüfverfahren zur Einsatzmöglichkeit|(p521202)Zusammensetzung Reha-Team|(p521203)Unternehmen im Unternehmen|(p521204)Organisationsstruktur
  4. Logo|(p521201)Prüfverfahren zur Einsatzmöglichkeit|(p521202)Zusammensetzung Reha-Team|(p521203)Unternehmen im Unternehmen|(p521204)Organisationsstruktur
  5. Logo|(p521201)Prüfverfahren zur Einsatzmöglichkeit|(p521202)Zusammensetzung Reha-Team|(p521203)Unternehmen im Unternehmen|(p521204)Organisationsstruktur

1 Wege der beruflichen Rehabilitation bei der ThyssenKrupp Steel Europe AG

1.1 Reha-Team

Berufliche Reha-Maßnahmen für schwerbehinderte Menschen werden in Zusammenarbeit mit den Reha-Trägern nach Möglichkeit innerbetrieblich durchgeführt. Den Dienstleistungen (DL) kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Sie sind geschäftsführend im Reha-Team und zentraler Dienstleister im Konzern, denn die Werkstätten bzw. Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) dienen/dient der Rehabilitation und damit der Rückführung der Mitarbeiter(innen) an den ursprünglichen oder einen anderen Arbeitsplatz.
Hier steht das Konzept Einsatzpolitik gesundheitlich Beeinträchtigter unter besonderer Berücksichtigung der WfbM. Zur Förderung schwerbehinderter Menschen im Unternehmen hat die ThyssenKrupp Steel Europe AG mit dem Betriebsrat und der Schwerbehindertenvertretung Rahmenbedingungen in einer Inklusionsvereinbarung festgelegt. Schwerbehinderte Menschen und ihnen gleichgestellte Personen werden im Sinne des SGB IX durch innerbetriebliche Maßnahmen bzw. durch ein Eingliederungsmanagement gefördert. In REHADAT finden Sie noch weitere rechtliche Aspekte und Literatur zum betrieblichen Gesundheits- bzw. Eingliederungsmanagement.
Leitgedanke hierbei ist, dass gesundheitlich eingeschränkte Mitarbeiter(innen) an einem behindertengerecht gestalteten Arbeitsplatz ähnlich leistungsfähig sein können, wie gesunde Mitarbeiter(innen). Hieraus ergibt sich die Verpflichtung der Betriebe und Abteilungen, bei eintretender Schwerbehinderung zunächst angemessene Möglichkeiten, hinsichtlich Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsorganisation, zu prüfen. Versetzungen in andere Betriebe und Abteilungen, so auch zu DL, können nur in begründeten Ausnahmefällen erfolgen.
Ob ein Einsatz in DL hilfreich und erforderlich ist, wird fürsorglich und sorgfältig geprüft (Abb. 1) .
Mitarbeiter(innen), die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen ihre Stammtätigkeit nicht mehr ausüben können, werden über die verschiedensten Wege dem Personalbereich (PB) benannt; dies kann durch Eigeninitiative, aber auch durch Initiative des Betriebes, des Betriebsarztes oder der Interessenvertretungen geschehen. Der PB prüft alle Möglichkeiten eines künftigen Einsatzes. Oberstes Ziel ist, die Mitarbeiter(innen) im Rahmen ihrer verbliebenen Einsatzmöglichkeiten weiter im Stammbetrieb einzusetzen. Der Betriebsärztliche Dienst stellt dem Betrieb ein Einsatzprofil ( Fähigkeitsprofil) zur Verfügung, so dass dieser gezielt Beschäftigungsmöglichkeiten im eigenen Umfeld prüfen kann. Dabei werden auch, je nach Einzelfall, arbeitsorganisatorische Änderungen, technische Hilfsmittel für eine behindertengerechte Arbeitsplatzgestaltung oder interne Umsetzungen in Betracht gezogen. Nur wenn die fürsorgliche Bemühungen des Stammbetriebes ohne Erfolg bleiben sollten, wird ein Einsatz in anderen Betrieben gesucht. Sollten diese Bemühungen keinen Erfolg bringen, klärt das Reha-Team (Vertreter von DL, PB, Betriebsärztlicher Dienst, Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung und Reha-Trägern) die Chance für eine berufliche Rehabilitation. Bei positivem Ergebnis und nach Ablauf einer maximal einjährigen Reha-Phase setzt der Stammbetrieb den/die Mitarbeiter(in) wieder entsprechend ein bzw. kümmert sich bei Bedarf um einen anderweitigen Einsatz. Nur wenn dies trotz abgeschlossener Rehabilitation nicht möglich ist, kann ( allerdings nur im Ausnahmefall) neben anderen, möglichst sozialverträglich abzuwickelnden Alternativen, eine Versetzung zu DL erfolgen.
Voraussetzungen dafür:
- Die Auftragslage bei DL muss eine abgesicherte Beschäftigung zulassen,
- ein Arbeitsplatz, der den Fähigkeiten des Mitarbeiters entspricht, muss bei DL vorhanden sein,
- der/die Mitarbeiter(in) muss seine/ihre Bereitschaft zur Mitarbeit in der Reha-Phase bewiesen haben.

1.2 Aufbau des Reha-Teams am Beispiel Duisburg

Die bei der ThyssenKrupp Steel Europe AG vorgegebene Einsatzpolitik gesundheitlich beeinträchtigter Mitarbeiter( innen) wird im Reha-Team koordiniert (Abb. 2). Es entspricht in seiner Funktion dem Fachausschuss der Werkstatt für behinderte Menschen.
Dem Leiter DL ist der Gesamtauftrag Rehabilitation übertragen worden; er überwacht die durchzuführenden Reha-Maßnahmen. Dabei ist der Geschäftsführer als Mittler zwischen den mitwirkenden Fachabteilungen, Reha-Trägern und außerbetrieblichen Stellen für die organisatorische Abwicklung der Reha-Maßnahmen zuständig.
Der Technische Berater hat die Aufgabe, Arbeitsplatz, Arbeitsumgebung und Arbeitsablauf behindertengerecht zu gestalten und technische Hilfsmittel, wenn erforderlich, einzusetzen. Er nimmt die Beantragung von Fördermitteln für diese Arbeitsplatzgestaltung vor.
Der Betriebsarzt erstellt ein Einsatz- bzw. Fähigkeitsprofil (Festlegung der möglichen körperlichen Belastungen) und bestimmt die therapeutischen Maßnahmen zur Verbesserung der Belastungsfähigkeit. Jede Reha-Maßnahme wird von ihm medizinisch begleitet.
Das im Reha-Team vertretene Betriebsratsmitglied hat die Aufgabe, den jeweils zuständigen Bereichsbetriebsrat über den Stand der Reha-Maßnahmen zu unterrichten. Die Vertrauensperson vertritt im Reha-Team direkt die Interessen der schwerbehinderten Mitarbeiter(innen). Er hat von allen Mitgliedern die besten Kenntnisse über den persönlichen und auch betrieblichen Hintergrund der zu rehabilitierenden Mitarbeiter(innen).
Der Inklusionsbeauftragte des Arbeitgebers achtet auf die Einhaltung der Verpflichtungen, die sich aus dem SGB IX ergeben. Er ist Mittler zwischen Unternehmen und außerbetrieblichen Stellen in allen Schwerbehindertenangelegenheiten.
Der Personalreferent übt hier unmittelbar seine Fachfunktion aus. Auf Basis einer detaillierten Analyse aller Arbeitsplätze, die für gesundheitlich beeinträchtigte Mitarbeiter(innen) geeignet sind, ist ihm eine gezielte Einsatzdisposition möglich. Durch die direkte Zusammenarbeit mit den Reha-Trägern (Berufsgenossenschaften, Integrationsämter, usw.) sowie der Novitas Vereinigte BKK (Betriebskrankenkasse) kann das Reha-Team schon in einem sehr frühen Stadium den Übergang von der medizinischen zur beruflichen Rehabilitation, im Sinne des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin, begleiten und unterstützen.

1.3 Arbeitserprobung

Arbeitserprobungen sind Reha-Maßnahmen zur Prüfung der Einsatzmöglichkeiten eines leistungsgeminderten Mitarbeiters. Sie werden dann erforderlich, wenn Mitarbeiter(innen) beispielsweise nach langer Ausfallzeit durch Krankheit oder Unfall wieder an die Arbeit herangeführt werden müssen; sie unterliegen der Zuständigkeit des Reha-Teams. Sobald im Reha-Team eine Arbeitserprobung mit Durchführung in DL beschlossen wurde, erfolgt die Kontaktaufnahme mit dem Stammbetrieb und dem Rehabilitanden. Es werden in einem zeitlich begrenzten Rahmen künftige Einsatzmöglichkeiten festgestellt. Der praktische Einsatz in den verschiedenen Fertigungs- und Dienstleistungsbereichen erfolgt unter Anleitung der Fach- und Führungskräfte und arbeitsmedizinischer Begleitung. Gesundheitliche Einschränkungen werden genauso berücksichtigt wie Neigungen und Fähigkeiten.
Rehabilitanden bleiben während der gesamten Reha-Maßnahme Mitarbeiter(innen) ihres Stammbetriebs. Im Gegensatz zu einer Versetzung oder Verleihung erfolgt die Entlohnung weiterhin zulasten des Stammbetriebes. Zur Abdeckung des Aufwandes, der sich aus einer Arbeitserprobung für DL ergibt, wird eine monatliche Betreuungspauschale gezahlt. Oberste Zielsetzung einer Arbeitserprobung ist grundsätzlich die Rückführung des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin an den alten Arbeitsplatz. Arbeitserprobungen können auch für externe Reha-Träger durchgeführt werden.

1.4 Fördermittel

Ausschlaggebend für eine dauerhafte Rehabilitation ist nicht zuletzt die behindertengerechte Arbeitsplatzgestaltung. Auf Grundlage des SGB IX, in Verbindung mit der
Ausgleichsabgabeverordnung, können aus der Ausgleichabgabe Fördermittel gewährt werden. Diese werden vom Integrationsamt bzw. der Fürsorgestelle oder der Arbeitsagentur zur institutionellen und zur personenbezogenen Förderung bewilligt. Dabei bezieht sich die institutionelle Förderung auf Unternehmen und Einrichtungen, die personenbezogene Förderung direkt auf die schwerbehinderte Person. Im Fall eines Arbeitsunfalls ist die Berufsgenossenschaft (BG) als Träger für individuelle Hilfsmaßnahmen zuständig.
In der betrieblichen Praxis bedeutet dies, dass der Technische Berater des Reha-Teams in Zusammenarbeit mit dem Betrieb ein Konzept zur Arbeitsplatzgestaltung erarbeitet. Im Bedarfsfall wird zusätzlich der Technische Berater des Integrationsamtes oder der Arbeitsagentur hinzugezogen; auch der Reha-Träger (wie beispielsweise die BG) wird bereits im Vorfeld mit an der Planung beteiligt.
Das fertige Konzept wird der zuständigen Stelle zur Bezuschussung vorgelegt. Bei Arbeitsmitteln, die ausschließlich behinderungsbedingt bezuschusst werden, kann die Förderung bis zu 100% des Gesamtaufwandes betragen.
Die Vorgänge werden von der Planung über Antragstellung bis hin zur Kontierung der eingehenden Zuschüsse vom Technischen Berater überwacht und koordiniert.
Sie finden auch Informationen zum Thema Fördermittel in REHADAT.

2 Dienstleistungen

Bei der ThyssenKrupp Steel Europe AG ist es Tradition, Mitarbeiter(innen), die durch Krankheit oder Unfall ihre bisherige Tätigkeit nur noch eingeschränkt oder nicht mehr ausführen können, unternehmensintern zu rehabilitieren und den vorhandenen Einsatzmöglichkeiten entsprechen zu beschäftigen. So entwickelten sich aus ursprünglichen Werkstätten für behinderte Menschen moderne leistungsfähige Werkstätten mit viel Erfahrung und Know-how.
Dienstleistungen (DL) steht bei der ThyssenKrupp Steel Europe AG für Produktion, Leistung, und Dienstleistung im Rahmen einer speziellen Personalpolitik. Diese besondere Personalpolitik bzw. personalwirtschaftliche Aufgabe wird dadurch betont, dass die Produktion und Dienstleistungsbetriebe von DL im Vorstandsressort Personal/ Soziales angesiedelt sind. Die duale Aufgabenstellung, Rehabilitation und Werkstattfertigung, beinhaltet eine soziale und eine wirtschaftliche Komponente (Abb. 3).
Kunden von DL sind auch bei der Rehabilitation in erster Linie die betrieblichen Bereiche der ThyssenKrupp Steel Europe AG. Fertigungs- und Dienstleistungsaufgaben werden nicht alleine für eigene, sondern auch für externe Betriebe durchgeführt. Termingerechte Produktion in gewünschter Qualität zu marktüblichen Konditionen sind die Vorgaben für DL, um als Dienstleister ernst genommen zu werden. Die besondere Aufgabenstellung liegt im Einsatz und der Rehabilitation gesundheitlich beeinträchtigter Mitarbeiter(innen). Hierzu stellt die Belegschaft ihre fachliche Qualifikation, ihr Leistungsvermögen und ihre Leistungsbereitschaft in einem örtlichen und funktionalen Wirkungsverbund an den Standorten Duisburg, Dortmund und Bochum zur Verfügung (Abb. 4). Die Werkstätten in Duisburg, Dortmund und Bochum bieten verschiedene Leistungen und Dienstleistungen an. Die Palette des Produktionsprogramms umfasst den metallischen und nichtmetallischen Bereich. Die Werkstätten sind in der Lage die Produkte kundengerecht nach Vorgabe zu entwickeln und zu erstellen. So vielschichtig wie die Fertigungsbereiche sind auch die Produkte. In erster Linie ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Produktionsbetriebe des Unternehmens wird das Auftragsbild geprägt von stahltypischen Verschleißteilen, Stahlbau und Blechteilfertigung sowie Wartungs- und Reparaturaufträgen. Reserveteilfertigung, Einzel- und Serienanfertigung, Fertigungen mit wechselnden Abmessungen sowie Großaufträge werden termingerecht und zuverlässig erledigt. Die Kernprozesse von DL, in erster Linie die Beschäftigungssicherung für leistungsgewandelte/ältere Mitarbeiter sowie die Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen, bestimmen die marktorientierte Produkt- und Preispolitik von DL. Auch unternehmensinterne Aufträge werden nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen abgewickelt.

In REHADAT finden Sie auch weitere Informationen zu den Dienstleistungen und Produkten von DL in der Datenbank Werkstätten.

Schlagworte und weitere Informationen

Es liegen keine Informationen zur Förderung vor.

ICF-Items

Es liegen keine Angaben vor.

Referenznummer:

R/PB5212


Informationsstand: 20.08.2014