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Praxisbeispiel
Umschulung eines Elektrikers zum Goldschmied

Wo lag die Herausforderung?

Durch einen Unfall war die Belastbarkeit des Mannes dauerhaft eingeschränkt. Durch den Unfall musste er seinen beruflichen Werdegang neu ausrichten. Während der Ausbildung erkrankte er außerdem an einer Psychose mit aggressiven Verhaltenstendenzen. Diese machten eine Aufnahme in die Psychiatrie notwendig.

Was wurde gemacht?

Nach seinem Unfall suchte der Mann mit Unterstützung des Berufsförderungswerk eine geeignete Ausbildungsstelle. Letztendlich fiel die Wahl auf eine Ausbildung als Goldschmied. Währenddessen wohnte der Mann im hauseigenen Internat. Die Eingewöhnung und das enge Zusammenleben mit anderen Personen fiel ihm sehr schwer. Nach ungefähr 10 Monaten wurden Verhaltensauffälligkeiten festgestellt. Es kam mehrfach zu Konflikten mit dem Personal des Internats. Nach nicht erfolgreichen Gesprächen mit dem Sozialdienst wurde der Mann von einem hinzugezogenen Psychiater in stationäre Behandlung überwiesen. Die Ausbildungsunterbrechung zur Behandlung konnte auf vier Wochen begrenzt werden. Intensive Zusammenarbeit mit persönlicher Übernahme aus der psychiatrischen Klinik erleichterte dem Mann die Wiedereingliederung in Ausbildung und Internat. Die weitere Ausbildung verlief ohne Zwischenfälle. Der Rest der Ausbildung wurde vom Psychiater und vom Sozialdienst betreut. Danach bekam er einen Arbeitsplatz in einer Goldschmiede als Mustermacher.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Kosten für die Umschulung im Berufsförderungswerk und das Internat wurden von der Arbeitsagentur getragen. Die Kosten wurden nachher von der Versicherung des Unfallverursachers zurückgefordert. Im Rahmen der beruflichen Rehabilitation bzw. Umschulung wurde der Mann durch den Sozialdienst des Berufsförderungswerkes begleitet.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Arbeitsagenturen und Berufsförderungswerke.

Unternehmen:

Das Unternehmen ist ein industrieller Goldschmiedebetrieb.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mannes:

Der Mann hat durch einen fremdverschuldeten Privatunfall Becken- und Oberschenkelfrakturen, die zu Gelenkschädigungen führten. Seine körperliche Belastbarkeit ist dauerhaft eingeschränkt. Später erkrankte er außerdem an einer Psychose mit aggressiven Verhaltenstendenzen, die eine stationäre Aufnahme in einer Psychiatrie notwendig machte. Innerhalb der letzten Jahre musste er häufiger stationär behandelt werden.

Ausbildung:

Nach dem Hauptschulabschluss absolvierte der Mann eine Ausbildung zum Elektriker. Danach holte er das Abitur an einem Abendgymnasium nach. Anschließend begann er Agrarwissenschaft zu studieren. Durch den Unfall musste er seinen beruflichen Werdegang neu ausrichten.

Umschulung:

Im Rahmen der medizinischen Rehabilitation erfolgte durch einen Reha-Berater eine Erstberatung zur beruflichen Rehabilitation. Es wurde eine geeignete Ausbildung gesucht, die sowohl der körperlichen als auch der psychischen Belastbarkeit entsprach. Die Aufnahme eines neuen Studiums der Fachrichtung Philosophie oder Publizistik wurde erwogen. Letztendlich fiel die Wahl nach einer Arbeitserprobung in einem Berufsförderungswerk (BFW) auf eine handwerkliche Ausbildung bzw. Umschulung zum Goldschmied, durch die besonders seine Fähigkeiten, Fertigkeiten und Neigungen berücksichtigt werden. Während der Ausbildung zum Goldschmied im BFW wohnte der Mann im hauseigenen Internat. Die Eingewöhnung in die betreute Wohnsituation fiel ihm äußerst schwer. Das enge Zusammenleben mit den anderen Personen und der Wegfall der gewohnten Intimsphäre führten zu versteckter Aggression. Nach ungefähr zehn Ausbildungsmonaten wurden leichte Verhaltensauffälligkeiten festgestellt. Wurde er bis dahin als angenehm und unaufdringlich wahrgenommen, kam es nun zu vielfachen Konflikten mit dem Personal des Internats. Es waren keine erheblichen Verhaltensänderungen, dennoch kündigte sich ein neuer Psychoseschub an, der besonders durch die bevorstehende Zwischenprüfung (stressbedingt) ausgelöst wurde. In Gesprächen mit dem Sozialdienst zeigte sich der Mann jedoch nicht einsichtig. Ein hinzugezogener Psychiater überwies den Mann zur stationären Behandlung. Die Ausbildungsunterbrechung zur Behandlung konnte auf vier Wochen begrenzt werden. Intensive Zusammenarbeit mit persönlicher Übernahme aus der psychiatrischen Klinik erleichterte dem Mann die Wiedereingliederung in Ausbildung und Internat. Die weitere Ausbildung verlief ohne Zwischenfälle. Regelmäßige Kontakte mit dem Sozialdienst und vierwöchige kontrollierte Besuche bei seinem Psychiater trugen zu einem erfolgreichen Ausbildungsabschluss bei. Der Mann konnte seine Ausbildung mit der Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer mit gutem Ergebnis in der Theorie und Praxis abschließen.

Übergang Umschulung - Beruf:

Durch das im Anschluss an die Ausbildung stattfindende Bewerbungstraining und der guten Kontakte des Berufsförderungswerkes zu Unternehmen in der Region, bekam der Mann in einem Goldschmiede-Industriebetrieb eine Anstellung als Mustermacher.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Ausdauer (psychisch)
  • IMBA - Kontaktfähigkeit
  • IMBA - Kritikfähigkeit
  • IMBA - Kritisierbarkeit
  • IMBA - Misserfolgstoleranz
  • IMBA - Ordnungsbereitschaft
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Teamarbeit
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Verantwortung
  • MELBA - Ausdauer (psychisch)
  • MELBA - Kontaktfähigkeit
  • MELBA - Kritikfähigkeit
  • MELBA - Kritisierbarkeit
  • MELBA - Misserfolgstoleranz
  • MELBA - Ordnungsbereitschaft
  • MELBA - Teamarbeit
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Verantwortung

Referenznummer:

R/PB1703


Informationsstand: 24.01.2019