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Praxisbeispiel
Barrierefreie Gestaltung für eine Lehrerin

Wo lag die Herausforderung?

Die Frau hat eine Dysmelie der Arme und eine Hüftgelenkserkrankung, weshalb ihr Greifraum, ihre Körperkraft und die Möglichkeit lange Strecken zu gehen eingeschränkt sind. An ihrem Arbeitsplatz waren entsprechende Anpassungen nötig.

Was wurde gemacht?

In einer Kabine wurde, damit sie sich nach dem Toilettengang reinigen kann, die Toilette zu einem Closomat umgebaut. Um im Notfall Hilfe herbeirufen zu können, wurde eine einfache Notrufanlage in der Kabine installiert. Im Vorraum der Toilette wurde einer der vorhandenen Waschtische höher gesetzt, damit er von der Lehrerin ohne besondere Bückbewegungen benutzt werden kann. Die vorhandene Waschtischarmatur wurde für sie behinderungsgerecht umgebaut. Die Tür zum Erdkunderaum wurde außerdem mit einem elektrischen Schloss ausgestattet, damit auch die Frau sich zutritt verschaffen kann.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrationsamt gefördert.
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Tel.-Nr. der Integrationsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist ein Gymnasium bzw. eine Bezirksregierung.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiterin:

Die Frau hat eine Gliedmaßenfehlbildung bzw. Dysmelie der Arme und eine Hüftgelenkserkrankung.
Die Gliedmaßenfehlbildung der Arme führt zu einer Einschränkung beim Handhaben sowie Greifen und zusätzlich zu einer Einschränkung des Greifraums. Außerdem können durch die Fehlbildung nur geringe Körperkräfte erzeugt und für Tätigkeiten genutzt werden.
Die Hüftgelenkserkrankung führt zu einer Einschränkung beim Gehen längerer Strecken. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100. Der Schwerbehindertenausweis trägt die Merkzeichen B, G, H und RF.

Ausbildung und Beruf:

Die Frau hat ein Lehramt studiert und arbeitet als Gymnasiallehrerin.

Arbeitsumgebung:

Da die Lehrerin wegen der starken Fehlbildung und Verkürzung der Arme nicht in der Lage ist sich selbst nach einem Toilettengang zu reinigen, muss eine Kabine mit einer Toilette mit analer und genitaler Unterdusche und Warmlufttrocknung, z. B. einem Closomat, ausgestattet werden. Wegen der größeren Abmessungen der neuen Toilette und des größeren Platzbedarfs für den Aus- und Ankleidevorgang, muss eine der bestehenden Kabinen (durch versetzen und verändern der Trennwände) vergrößert werden. Außerdem wird in der Kabine ein Elektroanschluss für die Wassererwärmung der Unterdusche benötigt. Die Betätigung des Spül- und Duschvorgangs sollte über einen separaten Fußschalter erfolgen.
Um im Notfall Hilfe herbeirufen zu können, muss eine einfache Notrufanlage (optisches Signal im Lehrerzimmer) in der Kabine installiert werden.
Im Vorraum der Toilette muss einer der vorhandenen Waschtische höher gesetzt werden, damit er von der Lehrerin ohne besondere Bückbewegungen benutzt werden kann. Die vorhandene Waschtischarmatur mit Drehgriff ist für die Lehrerin nur unter erschwerten Bedingungen zu betätigen. Aus diesem Grund muss die Armatur gegen einen Hebelmischer mit verlängertem Betätigungshebel ausgetauscht werden.
Außerdem sollte ein Seifenspender mit Flüssigseife zum Waschen der Hände im Greifraum der Lehrerin (ca. 1,30 m über Fußboden) installiert werden. Für die Händetrocknung benutzt die Lehrerin, unter Zuhilfenahme des Mundes, normale Stoffhandtücher, für die lediglich ein Haken angebracht werden muss.
An dem Gymnasium unterrichtet die Lehrerin u. a. auch das Fach Erdkunde. Die Tür zum Erdkunderaum ist, zur Vermeidung einer missbräuchlichen Benutzung, ständig verschlossen. Das Aufschließen der Tür bereitet der Lehrerin ganz erhebliche Probleme. Es ist deshalb vorgesehen, diese Tür mit einem elektrischen Schloss auszustatten, welches vom Flur aus über einen Nummerncodeschalter (in Greifhöhe, ca. 1,30 m hoch) gesteuert wird. Von innen ist eine Betätigung des Schlosses durch das Drücken eines Tasters möglich.
Durch organisatorische Maßnahmen wird vorerst sichergestellt, dass das Einfahrtstor am Schulgrundstück und eine seitliche Zugangstür zum Gebäude bei Dienstbeginn bereits geöffnet sind. Ob hier später weitere Maßnahmen erforderlich sind, wird sich in der Praxis zeigen. Direkt neben dem Seiteneingang erstellt die Stadt in Eigenleistung einen Pkw-Stellplatz für die Lehrerin.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Handkoordination (rechts/links)
  • EFL - Handumwendebewegungen (rechts/links)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Dreipunktgriff
  • ERGOS - Fingergeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgreifkraft
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Schlüsselgreifkraft
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Feinmotorik (Hand- und Fingergeschicklichkeit)
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Hand-/Fingerbewegungen
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • MELBA - Feinmotorik

Referenznummer:

R/PB4646


Informationsstand: 19.08.2008