Inhalt

Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Zerspanungsmechaniker bei einem Hersteller von CNC-Präzisionsteilen

Wo lag die Herausforderung?

Das Gesichtsfeld und die Sehschärfe des Zerspanungsmechanikers sind eingeschränkt. Er konnte deshalb den Monitorinhalt an den Maschinen zur Programmierung und Überwachung nicht mehr erkennen. Auch das Lesen von technischen Zeichnungen zur Programmierung der Maschinen sowie Prüfung der Werkstücke und die Auswahl der richtigen Werkzeuge bereiteten ihm Schwierigkeiten.

Was wurde gemacht?

Zur behinderungsgerechten Gestaltung wurde der Arbeitsplatz mit folgenden Hilfsmitteln ausgestattet:
- mobile Werkbank
- PC mit Großschrift-Kontrast-Tastatur, Vergrößerungssoftware sowie 24 Zoll Bildschirm
- Bildschirmlesegerät und elektronische Lupe

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Die Beratung erfolgte durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Unternehmen:

Das Unternehmen entwickelt und fertigt mit seinen 48 Beschäftigten CNC-Präzisionsteile, Baugruppen und Vorrichtungen für die Kundschaft u. a. aus der Halbleiter- sowie Vakuumtechnologie, dem Geräte- sowie Sondermaschinenbau und der optischen Industrie.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist schwerbehindert und hat eine Sehbehinderung. Sein Gesichtsfeld und seine Sehschärfe sind eingeschränkt. Er kann deshalb optisch Informationen, wie z. B. Zahlen oder Zeichen, nur vergrößert und kontrastreicher wahrnehmen. Sein GdB (Grad der Behinderung) beträgt 80. Der Schwerbehindertenausweis enthält die Merkzeichen B, G und RF.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann hat eine Ausbildung zum Werkzeugmaschinenspaner mit Fachrichtung Fräsen absolviert und arbeitet beim Unternehmen als Zerspanungsmechaniker in der Produktion bzw. CNC-Fertigung.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Zerspanungsmechaniker arbeitet im Bereich der Produktion an drei CNC-Bearbeitungszentren. Dort programmiert er die CNC-Bearbeitungszentren für die zu fertigenden Werkstücke nach Vorgabe durch technische Zeichnungen über den jeweiligen PC mit einer CNC-Steuerung und Monitoranzeige am Bearbeitungszentren oder nutzt bereits erstellte Programme. Neben der Programmierung bedient sowie überwacht er die Bearbeitungszentren über den PC und Anzeige der Bearbeitungsschritte auf dem jeweiligen Monitor und überprüft die gefertigten Werkstücke nach Zeichnung an einem Prüf-Arbeitsplatz mit den entsprechenden Messwerkzeugen dazu. Der Prüf-Arbeitsplatz befindet sich in der Nähe der Bearbeitungszentren.
Die CNC-Bearbeitungszentren sind mit 12 Zoll Monitoren ausgestattet, bei denen über den PC bzw. das Betriebssystem auch eine Lupenfunktion zur Vergrößerung genutzt werden kann. Nutzt man die Lupenfunktion, so werden die Inhalte auf dem Monitor unscharf und der Zerspanungsmechaniker verliert außerdem den Überblick, da nur noch Segmente auf dem kleinen Monitor durch die Vergrößerung angezeigt werden können.
Probleme gab es auch bei der Auswahl der Werkzeuge für die Bearbeitungszentren, da die Aufdrucke sehr klein sind. Die vorhandene beleuchtete optische Lupe war wegen ihrer geringen 2-fachen Vergrößerung nicht mehr ausreichend geeignet, zudem war auch noch ihre Beleuchtung defekt.
Auch das Lesen der technischen Zeichnungen bereitete ihm Probleme. Zwar stand dazu am Prüf-Arbeitsplatz ein älteres Bildschirmlesegerät zur Verfügung, das aber nicht mehr richtig funktionierte. Aus diesen Gründen musste der Zerspaner sehr häufig seine Kollegen um Hilfe bitten, da er nicht mehr selbständig seine Aufgaben ausführen konnte.
Die Arbeitsbedingungen mussten deshalb behinderungsgerecht gestaltet werden. So wurden für die Programmier- und Prüfarbeiten:
- eine mobile Werkbank mit Rollen, Beleuchtung sowie Magnettafel (z. B. für Zeichnungen),
- PC mit Großschrift-Kontrast-Tastatur, Vergrößerungssoftware sowie 24 Zoll Bildschirm,
- ein neues Bildschirmlesegerät und
- eine neue elektronische Lupe bzw. E-Lupe mit HD-Kamera sowie unterschiedlichen Farbmodi angeschafft.
Die aufgeführten Hilfsmittel zur Kompensation der Seheinschränkungen sowie die Messwerkzeuge befinden sich auf der mobilen Werkbank und können so direkt am jeweiligen Bearbeitungszentrum eingesetzt werden. Auf dem neuen PC ist auch die Steuerungssoftware der CNC-Bearbeitungszentren installiert. Da die Steuerung der CNC-Bearbeitungszentren noch unter einer etwas älteren Version des Betriebssystems läuft, wurde diese ältere Version des Betriebssystems auch auf dem neuen PC installiert. Die Programmierung kann nun am neuen PC erfolgen und die Daten bzw. Programme werden dann danach am jeweiligen Bearbeitungszentrum eingelesen. Auch das Auslesen und somit Ändern der Programme ist am neuen PC möglich. Unterstütz wird das Arbeiten am neuen PC durch eine spezielle Software, die die Bildschirminhalte vergrößert und kontrastreicher auf dem 24 Zoll Bildschirm darstellen kann. Auch die Informationen auf den technischen Zeichnungen können auf dem Bildschirm vergrößert mit Hilfe des Bildschirmlesegeräts angezeigt werden. Die E-Lupe wird zum Vergrößern der Werkzeugbeschriftungen und zum Ablesen der Messwerkzeuge eingesetzt – kann aber auch zum Lesen der Angaben auf den technischen Zeichnungen eingesetzt werden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • ERGOS - Sehen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Sehen

Referenznummer:

Pb/111099


Informationsstand: 10.12.2020