Inhalt

Praxisbeispiel
Berufliche Teilhabe für einen Juristen

Wo lag die Herausforderung?

Durch die Erkrankung nimmt die Infektanfälligkeit der Atemwege zu und die Funktion der Organe wird negativ beeinflusst. Mit Hilfe von Medikamenten und einer täglichen Therapie sowie regelmäßigen Besuchen in einer Mukoviszidose-Ambulanz werden die Symptome dieser nicht heilbaren Erkrankung abgemildert.

Was wurde gemacht?

Nach dem Abschluss des Jurastudiums mit Prädikat wurde der Jurist auf das Unterstützungsangebot von aktion luftsprung. aufmerksam. Die Stiftung unterstütze ihn mit einem Mentoring zum Thema Bewerbung und einem weiteren, welches persönliche Aspekte der Selbstmotivation und Lebensbejahung in den Vordergrund stellte. Schließlich wurde er bei seinem jetzigen Arbeitgeber zunächst nur befristet eingestellt und anschließend in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. Inzwischen zählt er bei seinem Arbeitgeber als ein geschätzter und anerkannter Mitarbeiter und kann seine erkrankungsbedingten Therapiemaßnahmen neben der Arbeit durchführen.

Schlagworte und weitere Informationen

Eine finanzielle Förderung durch die Reha-Träger oder das Integrationsamt zur beruflichen Teilhabe erfolgte nicht. Unterstützt, begleitet und gecoacht wurde die berufliche Teilhabe durch aktion luftsprung - einer gemeinnützigen Stiftung, die auch die Kosten für die Mal-Therapie übernahm.
Zielgruppe der Stiftung sind chronisch schwerstkranke Kinder und Jugendliche. Bei der Gründung lag der Schwerpunkt auf Mukoviszidose. Nun werden auch Jugendliche mit anderen chronischen Erkrankungen unterstützt. Ein Schwerpunkt der Stiftung liegt dabei in der Begleitung der Jugendlichen in Ausbildung und Beruf. Dazu sucht aktion luftsprung den Kontakt zu Arbeitgebern, um die Vorurteile gegenüber Menschen mit chronischen Erkrankungen abzubauen.

Arbeitgeber:

Das Unternehmen ist ein großer öffentlicher Arbeitgeber, das einen Juristen mit Mukoviszidose neu eingestellt hat. Während der Bewerbung sprach der Jurist seine Erkrankung an und erläuterte diese dem Arbeitgeber. Bei der Einstellung spielte die Behinderung für den Arbeitgeber deshalb keine Rolle - ausschlaggebend waren die guten Zeugnisse und die Persönlichkeit.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mannes:

Der junge Mann ist an einer angeborenen erblichen Stoffwechselerkrankung, Mukoviszidose, erkrankt. Sein Grad der Behinderung (GdB) beträgt 40 und er wurde, nach Beantragung, von der Agentur für Arbeit Menschen mit einer Schwerbehinderung gleichgestellt.
Durch die Erkrankung wird die Bildung von Körpersekreten in der Lunge und anderen Organen gestört, die Infektanfälligkeit der Atemwege nimmt zu und die Funktion der Organe wird durch die gestörte Sekretbildung negativ beeinflusst.
Mit Hilfe von Medikamenten und einer täglichen Therapie (Abhusten des Schleims durch eine Inhalations- und Atemphysiotherapie) sowie regelmäßigen Besuchen in einer Mukoviszidose-Ambulanz werden die Symptome dieser nicht heilbaren Erkrankung abgemildert und der junge Mann kann seiner Arbeit, häufig auch Gerichtstermine, ohne Einschränkungen nachgehen.

Studium und Beruf:

Nach dem Abitur entschied er sich für ein Jurastudium, das er mit Prädikat abschloss. Nach dem Studium bewarb er sich sowohl bei Kanzleien als auch bei öffentlichen Arbeitgebern, erhielt aber keine Zusagen.
Durch die ihn betreuende Physiotherapeutin wurde er auf aktion luftsprung und deren Unterstützungsangebot aufmerksam. Er nahm Kontakt zu aktion luftsprung auf, deren überwiegend ehrenamtliche Mitarbeiter den Juristen von da ab unterstützten. Zunächst beriet eine Mentorin den Juristen bei der Frage, ob die Erkrankung in der Bewerbung offen angesprochen werden sollte oder nicht. Mit dem Fazit, dass bei öffentlichen Arbeitgebern diese erwähnt werden sollte und bei privaten eher nicht. Der Jurist entwarf seine Bewerbungsschreiben selbständig, die Mentorin schaute abschließend nur prüfend drüber. Zu Beginn des Mentoring war er gesundheitlich in guter Verfassung, erlitt dann aber einen Rückschlag. Das wirkte sich negativ auf seine Psyche aus. Die bisher betreuende Mentorin schaltete dann eine andere Kollegin aus dem Mentoren-Team ein, bei der nicht so sehr die formellen Bewerbungserfordernisse, sondern vielmehr die Aktivierung der übrigen Kräfte seiner Persönlichkeit (z. B. Selbstmotivation und Stärkung der Lebensbejahung / Lebensfreude) im Fokus standen. Sie traf sich regelmäßig mit dem Juristen und veranlasste auch, dass er zusätzlich von einer Malerin begleitet werden konnte. Die aufbauenden und fördernden Aktivitäten waren sehr erfolgreich. Sie führten zu einer Stabilisierung und Wieder-Aktivierung seiner Persönlichkeit. Dies machte sich auch in seinen folgenden Bewerbungsgesprächen bemerkbar. Er bewarb sich dann bei seinem jetzigen Arbeitgeber und wurde zunächst nur befristet eingestellt und anschließend in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen.
In der Zwischenzeit zählt er bei seinem Arbeitgeber als ein geschätzter und anerkannter Mitarbeiter. Es werden ihm auch immer mehr übergeordnete Aufgaben übertragen.
Auch weiterhin hält aktion luftsprung Kontakt zum Juristen und Arbeitgeber, um bei Bedarf unterstützend zu helfen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Jurist hat ein klar definiertes Arbeitsgebiet. Er arbeitet als Fachkraft im Team für Rechtsangelegenheiten im Büro beim Arbeitgeber und vor Gericht. Seine Kollegen sind Juristen sowie Verwaltungsangestellte. Er betreut vor allem Klageverfahren im Kindergeldrecht und Kinderzuschlagsrecht im Gebiet Rheinland-Pfalz - Saarland. Vorgesetzte und Kollegen wissen von seiner Erkrankung. Er ist voll akzeptiert. Bisher ist er krankheitsbedingt noch nicht ausgefallen. Bei ihm verhält es sich am Arbeitsplatz nicht anders als bei Kollegen ohne chronische Erkrankung.

Arbeitsorganisation:

Die Arbeitszeit ist so geregelt, dass der Jurist vor und nach der Arbeit seine erkrankungsbedingten Therapiemaßnahmen durchführen kann.
Diese Maßnahme ermöglicht es, auf eine einfache Art und Weise, den Juristen ohne Einschränkungen zu beschäftigen. Gerade heute sind in den Unternehmen organisatorische Maßnahmen im Rahmen der flexiblen Arbeitszeitgestaltung gängige Praxis und kommen so auch der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zugute.

Arbeitsumgebung - Mobilität:

Sein Arbeitsweg beträgt mit dem Auto 10 km und 15 km mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Um Infektionen zu vermeiden, fährt er im Winter mit dem Auto. Im Sommer nimmt er den Bus.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)

Referenznummer:

Pb/110965


Informationsstand: 20.08.2018