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Praxisbeispiel
Arbeitsgestaltung nach Betrieblichen Eingliederungsmanagement für einen Straßenreiniger

Es gibt eine Abbildung zu diesem Praxisbeispiel:
Hilfsmittel Abfallsauger

Wo lag die Herausforderung?

Körperliche Belastungen sollten vermieden werden. Besonders bei feuchtem Klima und Arbeiten unter bestimmten Umgebungseinflüssen (Staub). Bedingt durch seine Krankheitszeiten lagen die Voraussetzungen für ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) vor.

Was wurde gemacht?

Im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements wurden die Belastungen in Bezug auf die Behinderung analysiert und danach Maßnahmen eingeleitet. So wurde ein elektrisch betriebener sowie gehend mitgeführter Abfallsauger angeschafft und dem Mitarbeiter eine feste Tour zum Aufsammeln von Müll zugewiesen, auf der er den Abfallsauger ohne große körperliche Belastungen einsetzen kann.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Die Beratung erfolgte durch den Ingenieur-Fachdienst des Integrationsamtes - den sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Die Stadtreinigung ist ein Eigenbetrieb der Stadt Leipzig mit ca. 800 Beschäftigten und mehreren Standorten innerhalb des Stadtgebietes. Die Hauptaufgaben liegen als Dienstleister für die Stadt im Beriech Abfallentsorgung, Straßenreinigung und Betreuung der städtischen Grünanlagen und beziehen sich auf zwei Drittel des Straßennetzes und etwa tausend Kilometer öffentlicher Geh- und Radwege sowie Fußgängerzonen, die regelmäßig von den Beschäftigten gereinigt werden müssen.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Atemwegserkrankung bzw. eine chronische Bronchitis mit Lungenfunktionseinschränkung. Körperliche Belastungen durch das Gehen steiler Strecken, das häufige Steigen von Treppen und die manuelle Handhabung von schweren Lasten (Heben, Tragen sowie Schieben) sollten vermieden werden. Dies gilt insbesondere, wenn:
- die genannten Aspekte in Kombination mit feuchtem Klima auftreten und
- Arbeiten unter bestimmten Umgebungseinflüssen (Staub) und dem Tragen von Schutzmasken ausgeführt werden,
da dies zur Atemnot führt.
Bedingt durch seine Krankheitszeiten lag die Voraussetzung für ein Betriebliches Eingliederungsmanagement vor.
Der Grad der Behinderung (GdB) beträgt 30. Eine Gleichstellung mit Menschen mit einer Schwerbehinderung wurde beantragt und von der Arbeitsagentur bewilligt.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann ist ausgebildeter Brauer und arbeitet seit einigen Jahren als Straßenreiniger bei der Stadtreinigung. Seine wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden.

Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM):

Dem Mitarbeiter wurde das Betriebliche Eingliederungsmanagement angeboten und er stimmte diesem zu. Im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements wurden die Arbeitsbedingungen mit Unterstützung durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes ermittelt und Maßnahmen für Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation daraus abgeleitet.

Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation:

Zu den Aufgaben des Mitarbeiters und der Straßenreiniger gehören u. a. das:
- manuelle Kehren von Geh- sowie Radwegen, Plätzen und
- Aufsammeln von Müll sowie Laub.
Der Kolonnenführer fährt dazu die Straßenreiniger zum Einsatzort bzw. Beginn ihrer Touren, die regelmäßig gewechselt werden. Auf der Tour wird stückweise gekehrt und das Kehricht in einen manuell mitgeführten Straßenreinigungswagen mit Aufnahme für Besen und Schaufel gefüllt. Der zu reinigende und zurückzulegende Weg beträgt dabei maximal 15 km - abhängig vom Verschmutzungsgrad und Lage der Verschmutzung. Grünzeug auf dem Weg wird extra in Säcke gefüllt oder auf Haufen gekehrt, die später vom Kolonnenführer mit einem Fahrzeug aufgesammelt werden.
Für den Mitarbeiter erweisen sich die Touren behinderungsbedingt als körperlich zu belastend. Sobald er den leeren und vollbeladen noch schwereren Straßenreinigungswagen bergauf schieben muss, gerät der Mitarbeiter an seine Leistungsgrenze, ebenso beim Kehren von längeren und häufig vorkommenden Treppen.
Im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements und der Analyse der Arbeitsbedingungen mussten die körperlichen Belastungen behinderungsbedingt durch den Einsatz von Hilfsmitteln und Veränderungen in der Arbeitsorganisation angepasst werden. Dazu wurde zunächst ein gehend mitgeführter elektromotorisch angetriebener bzw. betriebener Abfallsauger mit integriertem und wechselbarem Auffangbehälter (Standard-Abfalltonne mit 240 Litern Fassungsvermögen) durch den Mitarbeiter zwei Tage im Einsatz erprobt. Während dieser Zeit zeigte sich, dass der Mitarbeiter mit dem Abfallsauger gut zurechtkam. Außerdem entfällt durch den elektrischen Antrieb das Ziehen des Abfallsaugers und auch das Gewicht des Saugrohres wird zum größten Teil von einer Laufrolle getragen. Nur noch ein geringer Gewichtsanteil des Saugrohrs wird mit Hilfe eines komfortablen verstellbaren Tragegurtes auf den Körper übertragen, der auch zum Führen des Saugrohres dient. Der Abfallsauger wird, aufgrund des Behältervolumens, nur für das "Müllaufsammeln" eingesetzt. Dabei wird durch den Filter kein Staub freigesetzt - auch später nicht durch die Reinigungstechnik für den Filter. Das nicht mitaufgesaugte Laub wird weiter nur gesammelt und später vor Ort vom Kolonnenführer abgeholt. Der elektrische Abfallsauger wird im Lager eines Standortes in der Nähe einer Tour bereitgestellt. Diese Tour wird nun feste dem Mitarbeiter zugeordnet. Morgens wird der Mitarbeiter vom Kolonnenführer dort hingefahren und abends wieder abgeholt. Den Weg zur und von der Tour legt der Mitarbeiter fußläufig mit dem elektrisch angetriebenen Abfallsauger zurück. Der Abfallsauger wird auch im Lager nach der Tour wieder für den nächsten Tag aufgeladen. Geladen hält der Akku ohne Probleme länger als einen Arbeitstag.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Klima
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

Pb/111050


Informationsstand: 24.07.2019