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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Mann mit einer Hirnschädigung bei einem Bauhof einer Gemeinde

Es gibt 3 Abbildungen zu diesem Praxisbeispiel:

  1. Kommunalfahrzeug|(p110123)Kipptransporter|(p110121)Ladefläche
  2. Kommunalfahrzeug|(p110123)Kipptransporter|(p110121)Ladefläche
  3. Kommunalfahrzeug|(p110123)Kipptransporter|(p110121)Ladefläche

Wo lag die Herausforderung?

Der Mitarbeiter konnte infolge eines Schlaganfalls nur noch sehr eingeschränkt für körperliche Tätigkeiten, wie das Be- und Entladen des Kommunalfahrzeuges und Kehren von Plätzen, eingesetzt werden.

Was wurde gemacht?

Zur Verringerung der Körperbelastungen wurde ein auf den Boden zum Be- und Entladen absenkbarer Kipptransporter mit Schnellwechselsystem und eine geeignete Kehrmaschine für das Kommunalfahrzeug angeschafft.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrationsamt finanziell gefördert. Die Beratung erfolgte durch den Ingenieur-Fachdienst des Integrationsamtes - den sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrationsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Gemeinde mit 40 Mitarbeitern.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat seit einem Schlaganfall eine Hirnschädigung, welche zu motorischen Einschränkungen und einer Aphasie bzw. zentralen Sprachstörung führt. Außerdem ist sein linkes Knie in seiner Funktion beeinträchtigt. Infolge dessen ist die körperliche Belastbarkeit des Mannes, bei der manuellen Handhabung von Lasten (Heben sowie Tragen) - besonders bei der Einnahme von Zwangshaltungen (Bücken, Knien und Arme in Vorhaltung / über Kopf) - stark eingeschränkt. Der Grad der Behinderung (GdB) beträgt 30. Eine Gleichstellung mit Menschen mit einer Schwerbehinderung wurde beantragt und von der Arbeitsagentur bewilligt.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann ist ausgebildeter Konditor und seit vielen Jahren beim Bauhof der Gemeinde als Hilfskraft beschäftigt. Seine wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden. Er ist im Besitz eines Führerscheins und berechtigt, Fahrzeuge der Klassen B, C1, C, BE, C1E und CE zufahren.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Mann ist als Hilfskraft mit 5 Kollegen beim Bauhof beschäftigt. Die dort anfallenden Tätigkeiten gehören überwiegend zum Bereich des Garten- und Landschaftsbaus. So sind unter anderem große Flächen zu mähen, auch mit Motorsense, Parkplätze teilweise von Hand zu kehren und Sträucher auszuästen und zu beschneiden.
Nach dem Schlaganfall des Mitarbeiters wurde die Arbeit so umorganisiert, dass er vorwiegend im Baubereich für Materialtransporte und Kleinreparaturen eingesetzt wurde. Das für die Materialtransporte genutzte kommunale Nutzfahrzeug - ein Unimog - verfügt über eine Ladefläche am Heck (Bild 1). Diese zu beladen ist aufgrund ihrer Höhe allerdings mit erheblichen Hebe-Belastungen verbunden.

Kommentar des Vorgesetzten:

Der Bauhofleiter erläuterte, dass es nicht möglich sei den Mitarbeiter an einen anderen Arbeitsplatz zu versetzen oder ihn auf Dauer nur noch für leichte körperliche Arbeiten einzusetzen. Denn der Bauhof pflege sämtliche Liegenschaften der Gemeinde über das ganze Jahr hinweg und die Arbeitsaufgaben seien sehr umfangreich. Viele der Aufgaben seien mit körperlicher Anstrengung verbunden. Den Mitarbeiter gemäß seines Leistungsvermögens und seiner Einschränkungen einzusetzen, sei also auch mit einem erheblichen Mehraufwand an Arbeitsorganisation kaum möglich.

Kommentar des Mitarbeiters:

Der Mitarbeiter beschrieb sehr engagiert, dass er weiter im Bereich des Bauhofs arbeiten und die anfallenden Arbeitsaufgaben auch zufriedenstellend ausführen möchte.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Der vorhandene Unimog kann durch wenige Ergänzungen zur Arbeitserleichterung für den Mitarbeiter eingesetzt werden - dabei wird der Fahranteil erhöht und der Anteil der Hand- sowie Hebe-/Tragarbeit bei ungünstigen Körperhaltungen verringert. Ermöglicht wird dies durch den Einsatz eines Kipptransporters als Anbaugerät bzw. einer speziellen Ladefläche, die bis zum Boden abgesenkt werden kann, mit Schnellwechselsystem für die Front des Unimog (Bild 2). Dadurch kann das Transportgut nun auf die Ladefläche gerollt oder geschoben werden. Zum Entladen lässt sich die Ladefläche kippen (Bild 3). Das Heben von Baumaterial und Hochschaufeln von Schüttgut entfällt somit.
Weiterhin kann der Mitarbeiter durch die Anschaffung einer Frontkehrmaschine für den Unimog auch die Reinigung von öffentlichen Plätzen und Straßen übernehmen, welche bislang von Hand gekehrt wurden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

PB/111012


Informationsstand: 24.07.2018